Arbeitsteilung SUV im Doppelpack

Von Frank Wald 

Mercedes splittet den Nachfolger der M-Klasse in zwei Modelle. Der GLE bedient das SUV-Publikum, das GLE Coupé wagt den Angriff auf die BMW-Konkurrenz.

GLE und GLE Coupé wollen an den Erfolg der M-Klasse anknüpfen. Foto: Daimler
GLE und GLE Coupé wollen an den Erfolg der M-Klasse anknüpfen. Foto: Daimler

Bei Mercedes dreht sich 2015 alles um das SUV. Jetzt präsentierte das Unternehmen den Nachfolger der M-Klasse, die ab sofort als Offroad-Pendant zur E-Klasse in zwei Varianten als GLE und GLE Coupé beim Händler steht. Während bei Ersterem bisherige M-Klasse-Qualitäten wie Limousinenkomfort und Offroad-Qualitäten weiterentwickelt wurden, stand beim Coupé sicht- und spürbar die Fahrdynamik auf der Straße im Vordergrund. 'Mit diesem Modell messen wir uns an denen, die bisher Sportlichkeit im Segment definiert haben', sagt Baureihenleiter Wolfgang Keller. Gemeint ist BMW, die mit ihren X6- und X4-Modellen die SUV-Coupés populär gemacht haben.

Die Ähnlichkeit zu den Münchener Modellen kann das GLE Coupé mit seiner wuch­tigen Front inklusive riesigen Luftlöchern, muskulösen Kotflügeln, großen Rädern und der hohen Gürtellinie kaum verbergen. Mit all seinen Vor- und Nachteilen: bullig-robuster Macho-Look und sportliche Fahr­dynamik in Kombination mit großzügiger Platzverschwendung und eingeschränkter Alltagstauglichkeit. Doch wer mindestens 66 700 Euro für ein Auto dieser Gattung ausgibt, will damit auch nicht Bretter im Baumarkt oder Kids aus der Kita abholen.

Die Coupé-Version - ein ungestümter Heißsporn

Das GLE Coupé ist für die komfortable Langstrecke, den kurvigen Ausflug über Land oder in der Topversion sogar für den sportlichen Parforce-Ritt auf der Rundstrecke gemacht. Neben einem V6-Diesel (GLE 350d) mit 258 PS (190 kW) sowie zwei V6-Benzinern (GLE 400 und 450) mit 333 PS (245 kW) und 367 PS (270 KW) stehen dafür vor allem die V8-Versionen Mercedes-AMG GLE 63 mit 557 PS (410 kW) sowie Mercedes-AMG GLE 63 S mit 585 PS (430 kW) zur Verfügung. Der Topversion mit S-Aufschlag (125 485 Euro) war laut Kellers zitierter Maxime zwingend notwendig, weil der BMW X6 M ja nun auch 575 PS aus seinem 4,4-Liter-V8 kitzelt. Wo die Coupé-Version den ungestümen Heißsporn mimt, besinnt sich die SUV-Grundform GLE als M-Klasse-Nachfolger auf klassische Gelände- und Straßentauglichkeit. Was sich neben Raum und Komfort einer Oberklasse-Limousine auch in der Motorenauswahl niederschlägt.

Zwar bilden hier die identischen AMG-Versionen die sportliche Speerspitze, doch gibt es unter den zunächst sieben möglichen Triebwerken auch 'vernünftigere' Alternativen wie etwa das Einstiegsmodell GLE 250d (ab 53 967 Euro) mit 204 PS (150 kW) starkem Vierzylinder-Diesel, der das akustisch stets betont, in alltäglichen Fahrmanövern kaum Schwächen zeigt. Zudem ist der GLE 250d laut Keller 'das erste SUV seiner Klasse, das mit einem konventionellem Antrieb nur 140 Gramm CO 2 pro Kilometer emittiert'. In Sprit umgerechnet sind das 5,4 Liter. Noch besser macht es der GLE 500e, das erste Mercedes-SUV mit Plug-in Hybrid.

Das kleine e verweist auf einen 86 kW (116 PS) starken Elektro­motor, der dem Wagen ermöglicht, 30 Kilometer weit und bis zu 130 km/h schnell elektrisch und lokal emissionslos zu fahren. Zusammen mit dem 333 PS (245 KW) starken V6-Benziner summiert sich die Systemleistung beider Motoren auf 442 PS. Das sei, so Wolfgang Keller, 'die Power eines V8-Motors mit der Effizienz eines Dreizylinders'. Unterwegs lässt sich das nicht durchgehend bestätigen.

Beide Modelle, GLE wie GLE Coupé, sind bereits mit reichlich Komfortdetails wie etwa Tempomat, elektrische Sitzeinstellungen, Multifunktionslenkrad, Klimaautomatik, Multimedia-Anlage inklusive 7-Zoll-Farbdisplay auf dem Armaturenbrett und Controller in der Mittelkonsole oder Leichtmetallräder ausgestattet. Auch ein dickes Sicherheitspaket inklusive sieben Airbags, Pre-Safe-Unfallschutz, Kollisions- und Müdigkeitswarner, Brems- und Seitenwindassistent ist mit an Bord.