Architekt Diébédo Francis Kéré Ausstellungen in Peking und Mannheim

Von Dietrich Heißenbüttel 

Aber man erhält nicht den Aga-Khan- und den Holcim Award und baut dann nur für ein 3000-Seelen-Dorf in der Sahelzone. Der Aga Khan Trust beauftragte Kéré mit einem Empfangsgebäude für den Nationalpark in der malischen Hauptstadt Bamako und einem Zentrum für Lehmarchitektur in Mopti, ebenfalls in Mali. Er hat Ausstellungen in Genf und in der Royal Academy in London gestaltet und Aufträge aus Peking und Mannheim erhalten. Der Schwerpunkt bleibt gleichwohl sein Heimatland Burkina Faso: sehr gelungen etwa die Chirurgie-Klinik in der Kleinstadt Léo, die aus einem modularen System eine bunte Vielfalt von Formen zaubert und die Strategien der Klimatisierung, Belüftung und Beleuchtung noch um Wasseraufbereitung mittels Solarpaneelen erweitert: für Burkina Faso, eines der ärmsten Länder der Welt, eine außergewöhnliche Errungenschaft.

„Ich habe Glück gehabt“, antwortet Kéré bescheiden auf die Frage, wie er sich seine exzeptionellen Erfolge erklärt. Er hatte das Glück, zur Schule gehen zu dürfen, nach Deutschland zu kommen und zu studieren. Noch dazu bei einem Lehrer wie Peter Herrle, der sich seit mehr als 30 Jahren mit Stadtentwicklung im globalen Süden beschäftigt, 1983 in Stuttgart über Katmandu promoviert und von 1995 bis 2012 an der Technischen Universität Berlin das Habitat Unit, ein Forschungszentrum für globale Stadtentwicklung, geleitet hat. Über Herrle führen die Wege ins Schwabenland. Einen Vortrag in Stuttgart konnte der vielbeschäftigte Kéré kürzlich nach eigenem Bekunden einfach nicht ablehnen. Und das Kepler-Gymnasium in Pforzheim hat von sich aus eine Initiative gestartet, um Gando mit Licht aus Solarzellen zu versorgen.

Der Platz für das Festspielhaus ist leer

Und das Operndorf? Ursprünglich hatte Christoph Schlingensief ein Festspielhaus in der Hauptstadt Ouagadougou geplant. Doch dann spülte ein heftiger Regen im August 2009 den ins Auge gefassten Bauplatz einfach weg. Einige Bewohner der Nachbarschaft hatten ihr komplettes Hab und Gut verloren. So entstand eine neue Idee: ein Operndorf in Laongo, eine Autostunde weg von der Hauptstadt. Einige Wohnbau-Prototypen sind inzwischen gebaut. Nur der Platz für das Festspielhaus in der Mitte ist noch leer.




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