Das Stuttgarter Weißenhofmuseum im Doppelhaus Le Corbusier ist bei Architekturfans beliebt, nicht nur an Feiertagen wie dem bundesweiten Unesco-Welterbetag. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone
Die Stuttgarter Weißenhofsiedlung lockt internationales Publikum und das Weißenhofmuseum verzeichnet steigende Besucherzahlen und hat Pläne für 2024. Was erhofft sich die Museumsleitung dringend von der Stadt?
Was bleibt? Was geht? Was kommt? In riesigen roten Lettern prangten diese Fragen im Sommer auf einem Gerüst auf der Hermann-Lenz-Höhe direkt neben der Weißenhofsiedlung. Die weithin sichtbare Installation zeigte, dass das Festival der Internationalen Bauausstellung (IBA`27) auch dort präsent war und sein wird, wo 1927 schon um die Frage gerungen wurde, wie zeitgemäße Wohnarchitektur funktionieren könnte.
Die Freunde der Weissenhofsiedlung hatten das Architekturbüro THE BAUKUNST DYNAMITES dazu beauftragt, das Gestell und eine Spielfläche auf der Grünanlage Hermann-Lenz-Höhe zu gestalten. Es gab eine Open-Air Plakat-Ausstellung über einige IBA-Wohnprojekte und entsprechende Veranstaltungen.
Ein Drittel mehr Besucher
Um die auch philosophisch interessanten Fragen mit einigen Zahlen zu beantworten – es kamen und kommen möglicherweise eine Menge Leute: „Im vergangenen Jahr begrüßten wir ein Drittel mehr Besucher im Weißenhofmuseum im Haus Le Corbusier als 2022“, sagt Wiebke Sander, Leiterin des Kultur- und Veranstaltungsmanagements des Weißenhofmuseums: „24 777 Menschen interessierten sich für die Geschichte der Weißenhofsiedlung und besichtigten das Haus, das seit 2016 auch zum Unesco-Welterbe zählt.“
Le Corbusiers Doppelhaus ist das einzig zugängliche Haus in der Weißenhofsiedlung. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Das ist ein Plus von 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2022 mit 18 648 Besuchern. Immer häufiger, so Sander, seien auch Führungen auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch angenommen worden, dort gibt es einen Zuwachs um 20 Prozent. „Wir sind sehr froh, dass wieder viele Menschen aus der Region und dem Ausland in die Weißenhofsiedlung und ins Le Corbusier Haus kommen. Sie sind neugierig auf gute und innovative Architektur“, sagt die Museumsleiterin Anja Krämer, „das Thema Wohnen in der Zukunft beschäftigt sie sehr. Auch beim IBA-Festival haben wir dazu spannende Diskussionen geführt.“ Bemerkenswert waren auch Ausstellungen wie „The MIES Project“ mit großformatigen Fotos der Künstlerin Arina Dähnick im Haus Mies van der Rohe.
Das Interesse zeigt, wie wichtig es auch ist, dass die Stadt endlich ein Besucherzentrum für die Weißenhofsiedlung baut, denn wer nicht aus Stuttgart kommt und Orientierung sucht, findet erst nach längerem Suchen vor dem Haus Mies van der Rohe zum Beispiel eine Schautafel, die zeigt, wo welches Bauhaus-Projekt von welchem Architekten zu finden ist. „Damit möchten wir das denkmalgeschützte, und mit dem Unesco-Welterbe-Siegel ausgezeichnete Le Corbusier Haus entlasten und schützen, das als ehemaliges Wohnhaus schon jetzt zu klein für hohe Besucherzahlen ist“, sagt Wiebke Sander. „Außerdem bekommen wir mit dem neuen Gebäude die dringend benötigte Erweiterung, damit wir noch besser auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Weißenhof-Besucher eingehen können. 17 Jahre nach Eröffnung des jetzigen Museums freuen wir uns, wenn wir ein zeitgemäßes und attraktives Museumserlebnis bieten können.“
Besucherzentrum für die Weißenhofsiedlung
Der internationale Wettbewerb zum Neubau läuft, der Gewinner wird um die Jahresmitte feststehen. Auch der Wettbewerb für das Vermittlungskonzept beginnt in wenigen Wochen. Das Gebäude soll rechtzeitig zur „IBA 27“ fertig werden.
Für das Jahr 2024 plant das Museum neben der aktuellen, gemeinsam mit dem Ungarischen Architekturmuseum Budapest geplanten Ausstellung „Versuchssiedlung Budapest – Musterhäuser Napraforgó-Straße“ weitere Kooperationen. Im Frühjahr beteiligt sich das Museum in Zusammenarbeit mit dem Institut Français und anderen Partnern, an einer Schau über Architektur und Sport.
Im Sommer werden die Rom-Preisträger der Villa Massimo ihre Arbeiten in Stuttgart präsentieren. Das Museum ist Teil einer Kooperationsgemeinschaft aus acht Stuttgarter Kulturinstitutionen und zeigt am Weißenhof eine Arbeit aus dem Bereich Architektur. Gegen Ende des Jahres ist eine Schau der Arts & Crafts Bewegung gewidmet – mit dem Thema „Ornament“, bei William Morris und dem Werkbund, dies wird eine Ausstellung in der Weissenhofwerkstatt im Haus Mies van der Rohe.
info
IBA und die Weißenhofsiedlung Im Jahr 29027 ist das Jubiläum 100 Jahre Weissenhofsiedlung in Stuttgart. Das Jubiläum war die Initialzündung, 2027 die Internationale Bauausstellung „IBA‘27“ in Stuttgart und der Region zu veranstalten.