Mercedes baut nun auch Luxushäuser. Das erste Hochhaus mit Premiumwohnungen entsteht in Dubai. Was verspricht sich der Autobauer aus Stuttgart vom Einstieg ins Immobiliengeschäft?
Porsche hat es getan und Aston Martin. Und jetzt Mercedes-Benz: Die schwäbische Automobilfirma geht unter die Häuserbauer und lässt ein 341 Meter hohes Luxus-Hochhaus im Stadtzentrum von Dubai errichten. Ohne stolz kreisenden Mercedes-Stern auf dem Dach, dafür mit dem Stern als Mustermotiv auf der Außenhaut des 65 Stockwerke umfassenden Gebäudes und mit Premiumaussicht auf den Burj Khalifa.
Grundsteinlegung ist schon bald, am 24. Januar wird das Projekt rund 7000 Gästen offiziell in Dubai vorgestellt. Dann wird auch bekannt gegeben, wie teuer die Wohnungen sind, die vom 25. Januar an einzeln vermakelt werden sollen. Medienberichten zufolge kostet das günstigste Apartment 2,2 Millionen Euro. Ende 2026 sollen die ersten vermögenden Mercedes-Wohnfans einziehen können.
Ein Haus für Mercedes-Fans
Warum aber geht der Autobauer nun auch noch unter die Immobilienleute? Ganz einfach – um Geld zu verdienen und nicht nur komfortable Fortbewegungsmittel für zahlungskräftige Menschen anzubieten, sondern den Fans der Marke auch eine Anlagemöglichkeit und höchsten Wohnkomfort zu offerieren. Mercedes als Statussymbol nicht nur in der hauseigenen Garage, sondern auch in den eigenen vier Wänden sozusagen.
Britta Seeger, Mitglied des Vorstands der Mercedes-Benz Group, Marketing & Vertrieb, formuliert es so: „Wir möchten mit unserem ersten markeneigenen Wohnturm einen begehrenswerten Ort erschaffen, der die DNA unserer Marke verkörpert. Unseren Kundinnen und Kunden wollen wir einen Platz bieten, an dem sie ankommen und entspannen können und sich zuhause fühlen.”
Für das Projekt wurde eine eigene Immobilienmarke unter dem Namen Mercedes-Benz Places gegründet, denn voraussichtlich wird es nicht bei dem einen Wolkenkratzer bleiben. Dubai sei ein guter Startort für das Immobiliengeschäft, weil es dort eine internationale, interessante Kundengruppe gebe, so ein Firmensprecher.
Wo genau die nächsten luxuriösen Wohlfühlwohntürme entstehen, ist noch Firmengeheimnis. In Stuttgart wird es vermutlich nicht sein, schon allein, weil die Stadt mit Wolkenkratzern dieser Höhenordnung fremdelt.
In Dubai entstehen auch andere Marken-Hochhäuser
Zwar hätte man den Mitarbeitenden auch ein hübsches Firmenhochhaus in Stuttgart oder anderen von Wohnungsmangel gebeutelten Standorten gegönnt, aber Mercedes steht für Luxus und dazu passen Werkswohnungen und sozialer Wohnungsbau nicht wirklich. Mercedes-Werkswohnungen gibt es in Deutschland keine und „sie sind auch keine Strategie bei uns“ heißt es auf Anfrage bei Mercedes, „unser enormes soziales Engagement findet in anderen Segmenten statt.“
Der Bau in Dubai ist eine Zusammenarbeit mit einem der größten Immobilienentwickler: Binghatti Properties aus Dubai. „Mit Mercedes-Benz Places in Dubai gehen wir über unser Kerngeschäft in der Automobilindustrie hinaus, um außergewöhnliche Momente mit unserer Marke zu erschaffen. Dabei ist Binghatti mit jahrelanger Erfahrung im Immobilienumfeld der ideale Partner für uns“, sagt Britta Seeger.
Binghatti plant außerdem für den Premiumautobauer Bugatti ein Hochhaus in Dubai, das aber mit ein paar Stockwerken weniger auskommt. Zudem wird der Mercedes Tower auch nicht das höchste Wohnhaus in Dubai werden, das realisiert Binghatti mit dem Genfer Juwelier Jacob & Co. Auf Füller, Taschen, Koffer, Parfums, die Firmen mit Renomee in ihrem Namen entwickeln lassen, folgen nun „branded residences“. Wohnimmobilien mit Bezug zu einer Marke, seien es Autos, Mode oder Schmuck, liegen im Trend.
Diesen Wohnturm plant der Premiumautobauer Bugatti gemeinsam mit Binghatti in Dubai. Foto: Bugatti
Bau und Verkauf des Wolkenkratzers übernimmt der Mercedes-Partner, wie die Architektur und Innenarchitektur des Turm aussehen soll, wird aber von Mercedes-Chefdesigner Gorden Wagener und seinem Team mitbestimmt werden. Seit mehr als einem Jahr arbeiten Binghatti und Mercedes-Benz an den Details des Projekts.
Technisch smarte Wohnideen
Dabei soll die Mercedes-Benz Design-Strategie ,Sensual Purity’ befolgt werden – „sinnliche Klarheit, fließende Linien“ nennt ein Firmensprecher als Beispiel, höchster Komfort und Qualität. Und natürlich ist zu erwarten, dass das Gebäude technisch auf dem neuesten Stand ist, von „Smart-Home-Technologien“ und „intelligenten Mobilitätslösungen“ für die geplante „Oase der Ruhe und des Wohlbefindens“, so die Firmenwerbung, ist die Rede.
Das Büro Graft Architekten, mit dem Mercedes in der Vergangenheit auch schon gearbeitet hat, erhielt den Zuschlag für den Entwurf. Graft wurde 1998 in Los Angeles von Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit gegründet. Weitere Büros folgten 2001 in Berlin und 2004 in Peking.
Einzelheiten über das Raumprogramm und Extras in den Luxusapartments sind noch nicht bekannt. Sicher ist aber, dass Energieeffizienz ein Thema sein wird. Sowohl die Auto- als auch die Baubranche gelten nicht als besonders ökologisch, umso wichtiger sind Nachhaltigkeitskriterien, auch für die Außenwirkung.
Sollte das Gebäude dann auch architektonisch so überzeugen, käme hoffentlich keiner auf die Idee, den Prachtbau in den nächsten Jahren schon wieder abzureißen. Wenn die Lebensdauer des Gebäudes so lang wäre wie einst die Autos von Mercedes-Benz, die mehr als eine Million Kilometer auf dem Tacho hatten, dann wäre der Nachhaltigkeit tatsächlich Rechnung getragen.