Anzeige

Arizona Cowboys und der Lassotrick

Wenn Wayne Fredericks in der Westernstadt Rawhide in Chandler das Lasso schwingt, sind die Kinder schwer beeindruckt.  Foto: bisping
Wenn Wayne Fredericks in der Westernstadt Rawhide in Chandler das Lasso schwingt, sind die Kinder schwer beeindruckt. Foto: bisping

Welcher Junge träumt nicht von Western-Helden? Im Süden Arizonas können Kinder dabei sein und lernen, wie man das Lasso wirft.  

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Phoenix - „Wir müssen jemanden retten“, verkündet Wayne Fredericks knapp und zurrt das Kind auf dem Sitz fest. Er lenkt den Jeep durch Schlaglöcher, deren Tiefe den Grand Canyon deutlich näher erscheinen lässt als die vier Autostunden, die uns tatsächlich von ihm trennen. Der Fünfjährige macht große Augen. Mit Stetson, Jeans und Boots fehlt Wayne nur noch ein Lasso an der Hüfte, um genauso auszusehen wie der Cowboy im Weltatlas für Kinder. Wayne hält den Jeep an und deutet auf eine knapp meterlange Schlange, die sich unbeeindruckt vom Motorenlärm auf der Sandpiste sonnt. Er springt aus dem Jeep. Vorsichtig berührt er das Tier, das sich behände aus dem Staub macht.

„Aber nicht nachmachen“, mahnt er. Denn in der Sonora-Wüste, die dank zweier (maßvoller) Regenperioden im Jahr als die grünste der Welt gilt, sind auch mehr Arten von Klapperschlangen heimisch als überall sonst - von hochgiftigen Reptilien wie der Korallenschlange gar nicht zu reden. Bei einem solchen Auftritt macht es gar nichts, dass Wayne die Wüste als Guide der Fort McDowell Ranch erkundet, statt Kühe zu brandmarken, und dass sich hinter der dramatischen Rettungsaktion nur der gestrandete Jeep eines Kollegen verbirgt.

Eine Herde von 60 Wildpferden lebt in dem Reservat

Der Wagen steht zwischen Kakteen und will nicht mehr anspringen. Wayne gibt Starthilfe. Dann zeigt er auf einen schwarzen Mustang, der an trockenen Zweigen zupft und die Besucher misstrauisch betrachtet. Eine Herde von 60 Wildpferden lebt in dem Reservat, in dem auch Fort McDowell Adventures beheimatet ist. Das Land gehört den Yavapai. Sie nutzen es nicht nur touristisch, sondern auch für traditionelle Zeremonien, von denen ein Steinkreis auf einem Plateau zeugt. Der Tourismus hat indessen seine eigenen Rituale hervorgebracht. Als die Gruppe zur Ranch zurückkehrt, brennen Lagerfeuer. Besucher rösten Marshmallows und Würstchen.

Für die Eltern gibt es im Eichenfass ausgebauten Chardonnay aus Plastikbechern. „Cowboy-Essen ist lecker“, erklärt das Kind. Als Wayne Fredericks dann vom Segway aus das Lasso schwingt, steht endgültig fest: Cowboys sind noch viel cooler als gedacht. Die Besiedelung des erst 100 Jahre alten Bundesstaats im 19. Jahrhundert hat neben der Geschichte der Siedlertrecks auf dem Weg nach Westen auch das Phänomen der berittenen Hirten hervorgebracht. Die haben den fünfjährigen Knaben schon vor der Reise noch mehr fasziniert als die Aussicht auf Swimmingpools und Wasserrutschen. Die nächsten Tage zeigen: Das Spannungsniveau bleibt hoch. In der Westernstadt Rawhide in Chandler wird das Kind Zeuge einer Schießerei, bei der die Kontrahenten schnell und überzeugend in den Staub sinken.

In Rawhide ist für immer 1880

Glücklicherweise rappeln sie sich ebenso rasch wieder auf. In Rawhide ist für immer 1880. Der Knabe, der bereits am Eingang mit Cowboy-Hut, Sheriff-Stern und Polyester-Lasso ausgerüstet wurde, nimmt an einer Unterweisung im Lassowurf durch eine blonde Frau mit dem schönen Namen „Texas Kate“ teil, sieht ihrer Pferdedressur zu und erlebt im Streichelzoo bei jungen Ziegen und Eseln eine Stunde besonderen Glücks. Dort sprüht Wasser aus feinen Düsen, um Staub und Hitze zu mildern - eine Einrichtung, die auch auf den Kinderspielplätzen Scottsdales für erträgliche Temperaturen sorgt. Der Hitze zum Trotz machen Landschaft und Natur den größten Eindruck auf das Kind.

Aus Felsengeröll gestapelte Berge sehen aus, als habe ein Riese mit Steinen gespielt. Dringend möchte der Knabe seinen Freunden daheim von den riesigen Saguaro-Kakteen erzählen, die neben den Straßen stehen, und diktiert Postkarten. Nur die Indianer, denen mit 28 Prozent der Fläche Arizonas hier mehr Land gehört als in jedem anderen Bundesstaat der USA, sehen leider anders aus als gedacht: nämlich nicht zweifelsfrei identifizierbar wie die Cowboys, sondern wie ganz normale Leute.

So wird das Wetter für die Weltreise

Unsere Empfehlung für Sie