Asse für Australien Görges will in Melbourne ihr „Ding“ durchziehen

Görges will ihren Melbourne-Aufenthalt gern noch möglichst lange verlängern. Foto: AFP/MICHAEL BRADLEY
Görges will ihren Melbourne-Aufenthalt gern noch möglichst lange verlängern. Foto: AFP/MICHAEL BRADLEY

Nach einer mäßigen Saison 2019 hat Julia Görges ihren Trainer gewechselt und meistert bei den Australian Open die erste Runde überzeugend. Auch um den Betroffenen der Buschbrände zu helfen, will die deutsche Nummer zwei der Tennis-Damen ihr „Ding“ durchziehen.

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Melbourne - An ihrem freien Tag wollte Julia Görges dem ganzen Trubel im Melbourne Park lieber fernbleiben. „Ich glaube nicht, dass wir hier auf der Anlage trainieren, sondern woanders“, sagte die Tennisspielerin aus Bad Oldesloe nach ihrem überzeugenden Auftaktsieg bei den Australian Open. Einen entspannten Dienstag wolle sie sich in der Millionen-Metropole am Yarra River gönnen, erzählte sie nach dem 6:1, 6:2 gegen die Slowakin Viktoria Kuzmova. Am Mittwoch geht es für die deutsche Fed-Cup-Spielerin dann mit der Zweitrunden-Herausforderung gegen die Kroatin Petra Martic weiter.

Die Buschbrände in Australien mit den verheerenden Folgen für Menschen, Tiere und Natur sind für sie ein viel wichtigeres Thema als Tennis. Von der Sorge um verrauchte Luft in Melbourne will sich die deutsche Nummer zwei aber nicht ablenken lassen.

Als die Qualifikation bei teils schlechter Luftqualität lief und reichlich Kritik und Diskussionsstoff lieferte, war Görges noch nicht in Melbourne. Am Eröffnungstag des ersten Grand-Slam-Turniers der Saison war dann davon ohnehin „gar nichts“ zu merken, wie die 31-Jährige berichtete. „Ich denke, die Luftqualität war ziemlich gut heute. Ich hatte definitiv das Gefühl“, sagte auch US-Star Serena Williams, meinte aber: „Ich war wirklich besorgt und bin es noch.“

Zweitbeste Deutsche

Statt verrauchter Luft wirbelte am Montag der Regen den Spielplan durcheinander. Als die Partien auf den Außenplätzen unterbrochen wurden, hatte Görges wie Serena Williams ihren ersten Arbeitstag bei den Australian Open schon erfolgreich abgeschlossen. Serenas Schwester Venus Williams schied unter geschlossenem Dach wie in Wimbledon gegen die 15-jährige Cori Gauff mit 6:7 (5:7), 3:6 aus.

Görges will ihren Melbourne-Aufenthalt gern noch möglichst lange verlängern. Im vergangenen Jahr kam die Bad Oldesloerin bei den vier wichtigsten Tennis-Turnieren nur bei den US Open bis ins Achtelfinale. An ihre starken Auftritte von 2018, als sie in Wimbledon die Chance auf ein Finale gegen Angelique Kerber hatte und zeitweise zu den Top Ten der Welt gehörte, konnte sie nicht anknüpfen. Dennoch schloss sie die Saison als zweitbeste Deutsche ab.

„Ich will das Zepter in die Hand nehmen“

Inzwischen ist einiges anders. Görges zählt als Weltranglisten-39. in Melbourne nicht mehr zu den gesetzten Spielerinnen. Und sie denkt, wie sie der „Süddeutschen Zeitung“ vor einigen Wochen erzählte, auch an ihr Leben nach der Tennis-Karriere in zwei, drei Jahren. Doch weil sie sich im erfahrenen Tennis-Alter noch weiterentwickeln will, entschied sie sich auch für den nächsten Neuanfang. Nach einer Testphase zum Ende der vergangene Saison entschloss sich Görges zur Zusammenarbeit mit dem vorherigen Fed-Cup-Trainer Jens Gerlach, der die Russin Anastasia Myskina 2004 zum French-Open-Titel führte.

Was ihre Gegnerinnen anstreben, zählt für sie schon länger nicht mehr. „Ich konzentriere mich auf mich selber. Ich will das Zepter in die Hand nehmen“, sagte Görges. Gegen Kuzmova gelang ihr das am Montag überzeugend. „Ich habe mein Ding durchgezogen“, bilanzierte Görges. Ein „blitzsauberer Auftakt“, lobte Barbara Rittner, die Damen-Chefin des Deutschen Tennis Bunds.

Martic dürfte eine schwierigere Prüfung werden, die Bilanz gegen die Nummer 13 der Setzliste spricht mit zwei Siegen in zwei Spielen aber für Görges. Mit einem weiteren starken Auftritt würde sie auch den Betroffenen der Buschbrände helfen. Die einstige Nummer neun der Welt schloss sich der Sammelaktion auf der Tour an und spendet für jedes Ass 100 australische Dollar. Gegen Kuzmova gelangen ihr neun. „Ist doch super. Wir hoffen mal, dass es noch weitergeht“, sagte sie.

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