Atommülllager Asse Probebohrungen beginnen bald

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)
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Nicht in die Abteilung Risiko, sondern zum Fortschrittsbericht über das Atomendlager Asse gehört, dass die dortigen Wasserspeicher von derzeit 12 auf 500 Kubikmeter Fassungsvermögen ausgeweitet und die Deckengewölbe der Schächte mit Beton stabilisiert werden. Wie gigantisch diese Stützmaßnahmen sind, zeigt König an einer Stollenkreuzung. Zwei der zwölf Meter hohen Durchgänge sind mit riesigen Propfen aus Spezialbeton verschlossen; sie reichen sechzig Meter weit in den Stollen hinein. All das ist Bestandteil der Stabilisierungsmaßnahmen und der Notfallplanung, die nach Königs Worten vor allem einen Sinn haben: Mehr Zeit zu bekommen. Das ist die knappste Resource für die Sicherung der Asse.

Immerhin hat sich allein die Probebohrung in Kammer sieben, die möglichst bald beginnen und mehr Klarheit über die Verhältnisse hinter der 27 Meter dicken Wand bringen soll, bereits um etwa ein Jahr verschoben. "Wir müssen davon ausgehen, dass Fässer zerstört und viele Behälter von Salz zerfressen sind", erläutert König. Unter Experten wachsen die Zweifel, dass die Bergung einer radioaktiven Matsch-Masse gelingen kann. Einen zweiten Schacht zu bauen - mit dem die Transport- und Arbeitskapazitäten erweitert werden könnten - würde neun Jahre dauern. Ob der Salzstock länger als zehn Jahre stabil bleibt, ist aber ungewiss. Wie soll da Zeit für die Bergung des Atommülls bleiben?

Sicherheit der Asse ist am prekärsten

Die gefährlichste Altlast der Atomkraft in Deutschland ist die Asse trotz alledem schon deshalb nicht, weil in jedem Castor-Behälter zweihundert mal mehr Radioaktivität steckt als in dem ganzen Bergwerk. Aber die Kombination der technischen und zeitlichen Risiken ist einzigartig. "Wir haben es laufend mit extrem komplexen Konfliktlagen zu tun", sagt König, der weder verharmlosen noch dramatisieren will. Von allen deutschen Atomanlagen ist die Sicherheit der Asse deshalb am prekärsten.

"Gott sei Dank ist jetzt das Bundesamt für Strahlenschutz der Betreiber. Seither gibt es Transparenz und mehr Sicherheit für die Mitarbeiter", sagt Regina Bollmeier, die Bürgermeisterin der Gemeinde Asse. Sie war vor fünf Jahren kaum im Amt, als bekannt wurde, wie groß die Probleme mit dem Atommüll auf ihrer Markung tatsächlich sind. Seitdem gehen aus der vormals aufstrebenden Kommune viele Leute weg, oder sie ziehen erst gar nicht mehr dahin, "wo das Atomproblem quasi zu Hause ist". Wenn Asse demnächst mit der Nachbargemeinde Schöppenstedt fusioniert, wird die Frage, ob die Kommune sich wegen des Negativimages von ihrem Namen trennen soll, nicht nur theoretisch diskutiert. "Asse ist unsere Heimat und eine wunderbare Landschaft, sagen die einen", erzählt Bollmeier. "Andere sind für die Trennung von dem problembelasteten Namen." Die Bürgermeisterin gehört zur zweiten Fraktion: "Auch wenn der Name weg wäre, wär das Problem doch noch da."




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