InterviewAuf ein Zuckerle „Ich kenne jedes Kabel im Haus“

Von Julia Bayer 

Ingo Kuhnt ist Hausmeister im Verwaltungsgebäude und dem Rathaus in Bad Cannstatt. Im Interview verrät er, dass er immer seltener einen Schraubenzieher in der Hand hat, wie er zum Baseball gekommen ist und was er als Berliner von der Kehrwoche hält.

Ingo Kuhnt vor dem Alten Rathaus Foto: Julia Bayer
Ingo Kuhnt vor dem Alten Rathaus Foto: Julia Bayer
Bad Cannstatt – - Was wäre Bad Cannstatt ohne seine Bewohner? In einer Serie stellen wir Cannstatter Persönlichkeiten vor, sprechen mit Ihnen über Privates, aber auch aktuelles aus dem Stadtbezirk.
Herr Kuhnt, was darf es für Sie sein, Wein oder Wasser?
Ich bin bekennender Wassertrinker. Ich hole mit fast täglich Mineralwasser vom Polizeibrunnen hier ums Eck, das mag ich gerne.
Wenn Sie bei einem Schluck vom Polizeibrunnen in Ihren Kalender blicken, was steht kommende Woche bei Ihnen an?
Am Wochenende steht die Grundreinigung des Alten Rathauses an. Das machen wir einmal pro Jahr. Vergangenes Wochenende wurde das Verwaltungsgebäude schon von oben bis unten geputzt. Danach wird es wieder etwas ruhiger.
Wie lange arbeiten Sie schon in Bad Cannstatt?
Seit März 2011. Ich habe im Interimsrathaus an der Kegelenstraße angefangen, als das Alte Rathaus saniert wurde. Ich habe den ganzen Umbau begleitet, das war eine anstrengende Phase, hat aber Spaß gemacht. Und jetzt kenne ich jede Schraube und jedes Kabel im Haus. Eigentlich bin ich gelernter Bau- und Kunstglaser, ein Beruf, der seit 20 Jahren nicht mehr ausgebildet wird. Aber ich habe künstliche Hüftgelenke und darf nicht mehr ohne weiteres auf Gerüsten rumturnen. Darum habe ich mich umorientiert. Ich arbeite gerne hier und kenne inzwischen fast alle Vereinsvertreter im Stadtbezirk, weil ich auch die Vermietung des Sitzungssaals im Verwaltungsgebäude betreue. In meinem ersten Leben war ich unfreiwillig Hotelfachmann im Betrieb meiner Eltern in Berlin, daher kann ich auch alles Kaufmännische. Die klassische Hausmeistertätigkeit gibt es heute aber auch gar nicht mehr – ich habe zu 70 Prozent den Aktenordner in der Hand und nicht den Schraubenzieher.
Was gefällt Ihnen am Stadtbezirk?
Die Brunnen und gerade die bunte Mischung an Menschen hier in der Altstadt. Das setzt sich natürlich bei uns im Rathaus fort, denn jeden Bürger kommt hier mal vorbei. Und natürlich mein Verein. Ich bin beim TV Cannstatt in der Baseball-Seniorliga aktiv. Ich bin im Westen von Berlin aufgewachsen. Wenn ich aus der Tür getreten bin, waren da rechts 3000 GIs, links 3000 GIs und 50 Meter vor mir ein Baseballplatz. Ich habe nie Fußball gespielt.
Und was finden Sie weniger schön?
Die Massen an Müll auf der Marktstraße und dem Marktplatz. Jeden Morgen muss ich die vor dem Rathaus und dem Verwaltungsgebäude wegräumen. Ich weiß nicht wo so viel Müll herkommt – und das im Land der Erfinder der Kehrwoche – die findet man als Berliner übrigens sehr gewöhnungsbedürftig (lacht).
Wenn Sie nicht vom Polizeibrunnen trinken, wo trinken Sie ihr Wasser am liebsten?
Wir wohnen in Neugereut, da gibt es gar nichts. Darum bewegen wir uns auch privat in Cannstatt. Ich gehe gerne in die verschiedenen Gaststätten in der Altstadt.
Das Gespräch führte Julia Bayer.
Vorschläge:
Mit wem sollten wir uns Ihrer Meinung einmal „Auf ein Zuckerle“ treffen? Schlagen Sie uns Menschen aus dem Bezirk per E-Mail an cannstatt@stz.zgs.de vor.

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