InterviewAuf ein Zuckerle „Spießigkeit und Internationalität“

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Ariane Willikonsky lebt und arbeitet seit 2005 im ehemaligen Dekanat am Marktplatz. Sie liebt die Kulturvielfalt in Bad Cannstatt und Trollinger mit Lemberger. Im Interview spricht die 48-Jährige auch ganz offen darüber, was ihr weniger gefällt am Stadtbezirk.

Einst Dekanat, dann Polizeiposten, später hat das  Sozialamt die Räume am Marktplatz genutzt. 2005 ist Ariane Willikonsky mit dem Fon-Institut eingezogen. Foto: Barnerßoi
Einst Dekanat, dann Polizeiposten, später hat das Sozialamt die Räume am Marktplatz genutzt. 2005 ist Ariane Willikonsky mit dem Fon-Institut eingezogen. Foto: Barnerßoi

Bad Cannstatt - Was wäre Bad Cannstatt ohne seine Bewohner? In einer Serie stellen wir Cannstatter Persönlichkeiten vor, sprechen mit ihnen über Privates, aber auch über Aktuelles aus dem Stadtbezirk.

Was darf es für Sie sein, Wein oder Wasser?
Ich bin ein großer Fan von württembergischen Weinen. Mein Lieblingssorte ist der Trollinger gemischt mit Lemberger. Leider weiß ich schon während ich ihn trinke, dass ich Kopfschmerzen bekomme, aber ich liebe ihn trotzdem (lacht). Wasser trinke ich übrigens nur aus dem Polizeibrunnen hier vor der Tür. Ich finde es besser, als jedes andere Mineralwasser, das ist wirklich Luxus.
Wenn Sie in Ihren Terminkalender blicken: Was steht der kommende Woche an?
Beruflich beginnen wir kommende Woche mit einem tollen neuen Projekt. Wir haben entdeckt, dass Therapie im Freien etwas Großartiges ist. Wir gehen auf den Markt und lehren den Kindern neuen Wortschatz mit allen Sinnen. Den kann man mit Bildkarten nicht genausogut lernen, da ist die Kirsche genauso groß wie die Banane. Am Ende machen wir gemeinsam einen Obstsalat. Zudem haben wir eine Schulung, in der es darum geht, Menschen in kürzester Zeit davon zu überzeugen, dass man ein toller Hecht ist. Gerade Frauen neigen zum Tiefstapeln. Und am Donnerstag organisieren wir von den Netzwerkerinnen Bad Cannstatt eine Altstadtführung mit dem Ortshistoriker Stefan Betsch, die hier bei uns im Hof losgeht.
Wie lange leben Sie schon in Bad Cannstatt ?
Aufgewachsen bin ich in Sonnenberg, habe dann in Heumaden und Ostfildern gewohnt. 2003 haben wir das Fon-Institut in Bad Cannstatt gegründet, zunächst in der Erbsenbrunnengasse. 2005 haben wir dann das ehemalige Dekanat gekauft, in dem wir seither arbeiten und auch wohnen.
Was gefällt Ihnen am Stadtbezirk?
Ich liebe die Atmosphäre, es ist ein wenig wie im Urlaub: Da ist die bunte Kultur, und die Marktstraße erinnert an eine Flaniermeile. Cannstatt ist eine tolle Mischung aus schwäbischer Spießigkeit und Internationalität. Und ich mag die Nähe zum Fluss, obwohl ich das Neckarufer sehr verdreckt finde. Es wäre schön, wenn die Stadt da etwas mehr machen würde.
Und was finden Sie weniger attraktiv?
Als meine Töchter noch hier gewohnt haben, hatte ich immer ein schlechtes Gefühl, wenn sie nachts zum Haus laufen mussten. Es ist schade, dass man machmal ein wenig Angst um Leib und Leben hat. Und mir gefällt nicht, dass unser Haus immer wieder als Klo benutzt wird – vor allem in der Wasenzeit. Zudem finde ich es schade, dass am Samstag nach dem Wochenmarkt nicht geputzt wird. Am Sonntag gehen die Menschen zur Kirche und der Marktplatz ist übersät mit Dreck und Müll. Die Stadt putzt aber erst am Montag.
Wo trinken Sie Ihren Trollinger mit Lemberger am liebsten?
Ich gehe sehr gerne in die schwäbischen Weinstuben, aber genauso auch zum Griechen oder zum Italiener ums Eck – auch hier liebe ich einfach die Vielfalt.
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