„Auf Gut Schwäbisch“-Stammtisch Äffle, Pferdle und Tante Renée

Von Jan Sellner 

Zwei „Auf gut Schwäbisch“-Stammtische in einer Woche – da muss etwas Besonderes vorliegen. Und in der Tat: Anlass für den Extra-Stammtisch am Donnerstag im Zeppelinstüble war ein besonderes Zusammentreffen. Es wurde ein Abend voller Liebenswürdigkeiten.

Große Show: Moderator Tom Hörner und Tante Reneé aus Texas beim „Auf gutShcwäbisch-Stammtisch im Zeppelinstüble Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 15 Bilder
Große Show: Moderator Tom Hörner und Tante Reneé aus Texas beim „Auf gutShcwäbisch-Stammtisch im Zeppelinstüble Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Als Reingard Winter an der Seite ihres Mannes, eines amerikanischen Offiziers, Deutschland verließ, um nach Austin/Texas zu ziehen, gab’s noch kein Pferdle und kein Äffle. Das war 1957. Zwei Jahre später nahm das Pferdle Gestalt an – ausgedacht und zu Papier gebracht in Stuttgart von dem 1996 verstorbenen Armin Lang und seinem jüngeren Bruder Volker Lang. Eine Anlehnung ans Stuttgarter Rössle. 1963 folgte das Äffle, das seine Existenz der Tatsache verdankt, dass es in der Welt der Zeichentrickfilme schon alle möglichen Tiere gab, bloß noch kein Äffle . . .

Natürlich blieb Reingard Winter in Texas nicht verborgen, wie Äffle und Pferdle die Herzen der Schwaben eroberten. Dafür sorgte schon ihre in Bittenfeld wohnende Schwester Christa Crais, eine große Äffle-und-Pferdle-Liebhaberin, die mit ihrem Mann über die Jahre mehrere Hundert Plastikfiguren der beiden Schwabenstars gesammelt hat.

Heiko Volz und Volker Lang – Pfleger der Kultfiguren

Am Donnerstagabend steht eine stattliche Auswahl davon auf den Tischen des Zeppelinstübles im Hotel Steigenberger Graf Zeppelin. Und „die Echten“ sind auch da: Heiko Volz (Äffle) und Volker Lang (Pferdle), unermüdliche Hüter und Pfleger der beiden Tierle werden mit großem Applaus empfangen. Wie auch besagte Reingard Winter, Tante Renée genannt, die mit Tochter Karen aus Texas angereist ist, um einmal bei dem Schwäbisch-Stammtisch dabei zu sein, den sie aus Zeitungsausschnitten kannte.

Die Geschichte dahinter ist halbwegs abenteuerlich und ein Musterbeispiel für unverhoffte Begegnungen dank der täglichen Mundart-Kolumne „Auf gut Schwäbisch“. Constantin Crais, der Neffe von Tante Renée, schickt dieser regelmäßig „Auf gut Schwäbisch“-Beiträge über den Großen Teich, wissend, dass diese den Dialekt auch noch nach 60 Jahren in der Ferne schätzt und akzentfrei spricht. Besonders angetan hatten es ihr Anekdoten von Aline Groß aus Stuttgart-Weilimdorf. In der Folge begann eine intensive E-Mail-Freundschaft zwischen den beiden gleichaltrigen Damen, die sich liebevoll „Jahrgangswachteln“ nennen ohne sich je begegnet zu sein.

„Gschwisterskendskender“ sehen sich wieder

Die Berichterstattung darüber („Schwobagrüaß aus Texas“) weckte das Interesse eines anderen Lesers, Gerhard Gall aus Affalterbach. Er vermutete in Tante Renée eine Verwandte. Tatsächlich stellte sich heraus, dass die Schwäbin aus Texas, ihre Schwester und er „Gschwisterskendskender“ sind, also denselben Urgroßvater haben. Vor 35 Jahren hatten sich die Ehepaare Crais und Gall aus den Augen verloren. Durch „Auf gut Schwäbisch“ und Aline Groß kamen sie wieder zusammen. Mit Tante Renée, Äffle und Pferdle und den anderen Stammtischgästen stoßen sie am Donnerstag im Zeppelinstüble auf die Familienzusammenführung an. Überhaupt entwickelt sich dort ein auf vielen Ebenen spielender Abend voller Liebenswürdigkeiten. Das fängt an bei der Hutbedeckung von Moderator Tom Hörner, der als Reverenz an die Gäste aus Texas einen Stetson-Hut à la Dallas-Star J. R. Ewing trägt – in Pink. Das setzt sich fort mit einem Geschenk an Tante Renée – einer Muggaseggele-Kette, angefertigt von „Auf gut Schwäbisch“-Leser Peter Stantscheff –, und das reicht bis zum selbst gemachten Nachtisch: Äffle-und-Pferdle-Keksle von Irmgard Abt aus Steinenbronn.

Ein Äffle-und-Pferdle-Dialog für die Tante aus den USA

Heiko Volz und Volker Lang tragen ihrerseits zu der außergewöhnlichen Stimmung bei. Sie rezitieren Äffle-und-Pferdle-Klassiker und verraten, dass sie den legendären Hafer-und-Bananenblues live auf die Bühne bringen werden (Premiere: 17. November in Reichenbach an der Fils). Außerdem tun sie kund, dass Gerlinde Kretschmann die Kultfiguren bewundert. Sie würde sogar Ähnlichkeiten zwischen ihrem Mann und dem Pferdle erkennen . . . „Dann könnten Sie ja auch Ministerpräsident?“, witzelt Moderator Hörner in Richtung Pferdle.

Nebenbei äußern Volz und Lang die Hoffnung, dass es wie in Mainz mit den Mainzelmännchen in Stuttgart doch noch eine Ampel mit Äffle-und-Pferdle-Motiv geben wird. Fans setzen sich dafür ein, die Stadt verweist auf Sicherheitsbedenken. „Vielleicht kommt ja die Augsburger Lösung“, sagt Volz. Dort ist eine Fußgängerampel in der Nähe der berühmten Puppenkiste so gestaltet, dass bei Rot das reguläre Signal aufleuchtet, bei Grün hingegen ein Kasper.

Und dann gibt’s an diesem Abend noch ein besonderes Zuckerle – einen Äffle-und-Pferdle-Dialog eigens für die Tante aus Amerika:

Äffle: „Was isch dr Onderschied zwischa

ner schwäbischa Amerikanerin und em

schwarza Fleck?“

Pferdle: „Des weiß i ned!“

Äffle: „Ha – des isch ganz oifach:

Die Amerikanerin isch a schicke Miss

ond dr schwarze Fleck an dr Wand a

Mückaschiss!“

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