Stuttgart 21 wird noch teurer und es wird, wie es sich bereits abzeichnete, ein „gestuftes Eröffnungsverfahren“ geben. Darüber wurde der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG auf seiner Sitzung am Mittwoch in Berlin informiert. Wie die Teileröffnung konkret aussehen wird, sollen die 20 Aufseher erst auf der nächsten turnusgemäßen Sitzung im Juni beschließen. Bisher ist die Inbetriebnahme des bereits mehrfach verzögerten Tunnelprojekts im Dezember 2025 geplant.
Eine weitere komplette Verschiebung sei nicht ausgeschlossen, sagte ein Aufsichtsrat unserer Redaktion nach der Sitzung, die bis in den späten Nachmittag dauerte. Die Terminlage sei „sehr angespannt“, heißt es auch in aktuellen internen DB-Papieren. Das größte Problem ist demnach die komplette Digitalisierung des Bahnknotens Stuttgart, die parallel zur Fertigstellung des neuen unterirdischen Hauptbahnhofs und der fast 60 km Tunnelstrecken im Stadtgebiet laufen soll.
Eröffnungstermin bleibt vorerst bestehen
„Die nötige Stellwerktechnik ist überhaupt noch nicht zugelassen“, sagte ein Aufsichtsrat. In den DB-Papieren heißt es, mit der Firma Thales habe man Teams gebildet, um die Umsetzung bis Ende 2025 noch zu schaffen. Man strebe nach wie vor diesen Eröffnungstermin für den Bahnhof an. Mit den ersten beiden Ausbaustufen des Digitalen Knotens Stuttgart könne man auf 125 km Schienenstrecken die Kapazität erhöhen und die Störanfälligkeit mindern, auch auf der S-Bahn-Stammstrecke.
Auch an der dritten Ausbaustufe, für die bisher das Geld fehlt, halte man fest. Ebenso am Pfaffensteigtunnel der Gäubahn zum Flughafen, für den die Finanzierung auch nicht gesichert ist: „Eine Streichung einzelner Projekte ist nicht vorgesehen“, heißt es in den Papieren. Informiert wurden die Aufsichtsräte auch über die weiter gestiegenen Kosten für Stuttgart 21, das nun auf fast 11,5 Milliarden Euro veranschlagt wird. Die Projektpartner (Land, Stadt, Region, Flughafen) will der DB-Konzern am Freitag in Stuttgart informieren.
An diesem Donnerstag legt der Staatskonzern in Berlin seine desaströse Bilanz vor. Nach Informationen unserer Redaktion hat sich der Verlust auf 2,4 Milliarden Euro mehr als verzehnfacht. Bahnprojekte sind zudem mittelfristig vom Sparzwang der Bundesregierung bedroht. DB-Chef Richard Lutz betont jedoch, es gebe keine Streichliste und die Vorhaben bis 2026 seien gesichert, darunter die ersten Generalsanierungen von ICE-Strecken.