Aufstrebende Partei Wer steckt hinter der AfD?

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Markus Frohnmaier und Jan Rittaler sind regionale Vertreter der AfD – und stehen für zwei Strömungen innerhalb der Partei.

Der 23-jährige Markus Frohnmaier  ist Landesvorsitzender des AfD-Nachwuchsverbandes. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Der 23-jährige Markus Frohnmaier ist Landesvorsitzender des AfD-Nachwuchsverbandes. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Böblingen - Jan Rittaler sieht so aus, wie man sich einen Liberalen gemeinhin vorstellt: Der 55-Jährige sitzt in einem sandfarbenen Jackett mit edlem Einstecktuch im Leonberger Café Trölsch und rührt bedächtig mit dem Löffel in seinem Kaffee. Keine Latte macchiato, sondern guter, alter Filterkaffee mit etwas Milch. Rittaler ist Unternehmensberater. Als Jugendlicher war er Schülersprecher am Ludwigsburger Mörike-Gymnasium. Er hat in den 1980er Jahren die Jungen Liberalen im Land mitgegründet, 32 Jahre lang gehörte er zum Kern der FDP, saß sogar im Landesvorstand.

Jan Rittaler Foto: factum/Weise
Wenn ein solch liberales Urgestein in der FDP-Hochburg Leonberg erst Landtagskandidat wird und dann mit fliegenden Fahnen seine Partei verlässt und die AfD in der Region mitgründet, muss etwas im liberalen Lager in Bewegung sein. Rittaler sagt: „Die Entfremdung hat schon früh begonnen.“ Vielleicht bereits, als Guido Westerwelle 2009 sein Wahlversprechen nicht einhielt, die Steuern zu senken, aber spätestens, als ein Euro-Rettungsschirm nach dem anderen beschlossen wurde.

Jan Rittaler hat sich von der FDP entfernt – oder die FDP sich von ihm. „Als Nationalliberaler fühle ich mich nicht mehr vertreten“, sagt er. Auch die neue Ausrichtung unter Christian Lindner passt dem Unternehmensberater überhaupt nicht. Steuern senken, Regulierungen abschaffen und Sozialleistungen kürzen – das sind Rittalers politische Ziele. Er wünscht sich den Staat als Nachtwächter. Dessen Aufgabe soll auf die Wahrung der inneren und ­äußeren Sicherheit beschränkt sein, um in erster Linie das Privateigentum der Bürger zu schützen. Dieser Minimalstaat greift nicht durch Wirtschafts- oder Sozialpolitik in den freien Markt ein. So sieht Jan Rit­talers Ideal aus, das seit dem Tod des ehemaligen Wirtschaftsministers Otto Graf Lambsdorff kein prominenter FDPler mehr in dieser Klarheit vertritt.

Die Partei versinkt in Querelen

So kam Rittaler zur Alternative für Deutschland – und wurde sofort Landesschatzmeister. Die Partei braucht erfahrene Organisatoren, und mit Geld kennt sich der promovierte Wirtschaftswissenschaftler aus. Doch so schnell sich sein Aufstieg bei der AfD vollzieht, so schnell geht es auch wieder bergab: Beim Landesparteitag im Januar wurde Rittaler – ebenso wie ein Teil des Vorstandes – nicht wiedergewählt. Die Partei versank zeitweise in Querelen. „Die Vorwürfe gegen mich waren absurd“, sagt Rittaler. Der Rechenschaftsbericht sei korrekt gewesen, sonst hätte die AfD keine Parteienfinanzierung bekommen.

Heftige interne Auseinandersetzungen sind nicht untypisch für neu gegründete Parteien. Die Piraten, die vor drei Jahren noch kometenhaft aufgestiegen waren, haben sich durch ihre andauernden Personalstreitigkeiten selbst zerlegt. Den meisten Gruppierungen im rechten Spektrum erging es ähnlich: von den Republikanern in den 1990er Jahren über Ronald Schills Rechtsstaatliche Offensive bis zur islamkritischen Gruppierung Die Freiheit.

„Das sind Häutungsprozesse “, sagt Jan Rittaler zu den Streitigkeiten, die ihn das Schatzmeisteramt gekostet haben. Er will trotz seiner persönlichen Niederlage weitermachen. Immerhin habe er auch im Beruf einen Neustart geschafft: Einst war er Bereichs- und Chefbüroleiter beim Telekommunikations-Konzern Mannesmann, dann hat er sich als Unternehmensberater selbstständig gemacht. „Ich habe jetzt nur noch das halbe Gehalt, aber die doppelte Lebensqualität“, sagt Rittaler. Das passt zum Bild eines Selfmade-Mannes, der viel von Eigenverantwortung und nichts von staatlicher Bevormundung hält.




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