Fast 27 Jahre ist es her, dass Böblingen und Sindelfingen beschlossen haben, bei der Reinigung und Instandhaltung ihrer Städte gemeinsame Sache zu machen. Im Oktober 1995 wurde der Zweckverband Technische Betriebsdienste Böblingen/Sindelfingen (TBS) gegründet. Seither sind rund 100 Menschen in den beiden Städten dafür da, dass die Laternen leuchten, die Ampeln funktionieren, Straßen, Wege, Gewässer sauber sind, Absperrungen und Schilder zur richtigen Zeit am richtigen Ort stehen. Ebenso am Start sind die Frauen und Männer in den orangenen Anzügen, wenn Buden und Bänke für Feste benötigt werden oder größere Transporte anstehen.
Ein nahezu perfekter Standort mit nur einem Makel
Klar war damals, dass die TBS einen Standort benötigen, der dem gemeinsamen Ziel auch räumlich nahe kommt. Mit dem Gelände direkt an der Wolfgang-Brumme-Allee, neben der ehemaligen Böblinger Wildermuth-Kaserne, war ein nahezu perfekter Standort gefunden. Zwischen den beiden Städten und mit Hallen bestückt, in denen früher Panzer gewartet und untergestellt waren. Einziger Makel: die Autobahn als direkte Nachbarin. Denn dass die einmal verbreitert werden muss, war schon damals absehbar.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Straßengewirr im Böblinger Osten neu sortiert
Nun ist es so weit, der Flächenhunger der Schnelltrasse amtlich. Der Bund macht aus einem Teil des Bauhofs Autobahn und Böblingen baut parallel dazu auf dieser Fläche die so genannte Querspange als Verlängerung der Leibnizstraße hinein ins Flugfeld. Diese Straße soll den Verkehr einmal im Norden um die Stadt leiten. Rund ein Drittel ihres Arbeitsareals, das sich zum Teil im Besitz des Bundes befindet, müssen die TBSler daher räumen – darunter eine bisher als Kfz-Werkstatt genutzte Panzerhalle und eine Lagerfläche für Arbeitsmaterialien.
Der Aderlass wird zur Herausforderung
Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz nennt den Aderlass „eine Herausforderung“ für die Gemeinschaftseinrichtung. Denn die Lage, eingezwängt zwischen Autobahn und ehemaliger Kaserne, in der sich mittlerweile die Polizei niedergelassen hat, ist beengt: Von den 24 000 Quadratmetern Fläche fallen 9500 Quadratmeter der Autobahn zum Opfer. Eine Ausdehnung ist nicht möglich, Wegzug an einen anderen Ort wegen der guten Lage ebenso keine Option. Optimierung und Wachstum nach innen lautet die Devise, die Bauhofchef Lars Engelmann mit seinem Team nun umsetzen muss.
Bereits vor mehreren Jahren hat der TBS ein Verwaltungsgebäude entlang der Brumme-Allee errichtet. Jetzt wird das restliche Gelände verdichtet. Denn nicht nur die Kfz-Halle entsteht neu. Wenige Meter entfernt sind die Fundamente und ersten Wände eines weiteren Gebäudes erkennbar: das Schüttgutlager. Dort werden einmal Streusalz, Splitt und Baumaterial gelagert. Platz bieten die Schütten auch für das Material, das die Kehrmaschinen aus den Städten bringen – 150 Lkw-Ladungen pro Jahr. Lars Engelmann rechnet damit, dass die neuen Bauwerke ab dem Spätsommer zur Verfügung stehen. Gerade noch rechtzeitig, bevor die Autobahnbagger kommen.
Ärger wegen hoher Bausumme und schleppendem Tempo
Die hohe Bausumme und der knappe Zeitplan sorgten bereits vor über einem Jahr für Ärger zwischen den beiden Städten – nicht nur hinter den Kulissen. Thorsten Breitfeld, CDU-Fraktionschef in Böblinger Gemeinderat, machte die Sindelfinger Verwaltung für Zeitverzögerungen und Kostensteigerungen verantwortlich und sprach von „Intransparenz“. Auch im Böblinger Rathaus machte sich Unmut wegen des schleppenden Tempos breit.
Das letzte Kapitel der Bauhoferweiterung ins eigene Areal ist indes noch immer nicht geschrieben. Denn rund 2000 Quadratmeter fehlen den TBS-Leuten noch, um ihren Aufgaben auch nach der Flächenamputation weiterhin gerecht zu werden. Für einen Lagerplatz, auf dem Gegenstände unterkommen, die nicht jeden Tag gebraucht werden, ist kein Platz mehr vorhanden. Lars Engelmann berichtet von Verhandlungen über ein geeignetes Areal in der Nähe des Bauhofs. Weitere Einzelheiten gibt es nicht. Nur so viel: Im Sommer, so die Hoffnung, soll das Geschäft erfolgreich über die Bühne gegangen sein.
Bauhof und Brücken
Bauhof
Der Bauhof befindet sich direkt an der A 81 und liegt im Bereich von drei wichtigen Brücken, die im Zuge des bis 2026 dauernden A 81-Ausbaus erneuert werden.
Rankbachbahnbrücke
Die Arbeiten an der Bahnbrücke sind in vollem Gange. Die Züge rollen bereits über eine provisorische Brücke. Die neue Brücke soll 2023 fertig sein.
Brücke Sindelfinger Straße
Noch in diesem Jahr wird die neue Brücke neben dem bestehenden Übergang gebaut. Nach deren Fertigstellung wird das Bestandsbauwerk im nächsten Jahr abgerissen.
Brücke Wolfgang-Brumme-Allee
Diese Brücke wird im nächsten Jahr abgebrochen und neu gebaut. Der Verkehr wird so lange über Ersatzbauwerke geführt. Die Fertigstellung ist für 2024 geplant.