Ausbau der A 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen Deckel soll Städte verbinden – nur wie?

In diesem Abschnitt (in Rot) erhält die A 81 einen schützenden Deckel – doch was soll obendrauf? Foto: /Thomas Bischof

In vier Jahren soll die A 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen überdeckelt sein. Schon 2011 formulierten Bürger Ideen für die Oberfläche, die von Boulebahn bis Biergarten reichten. Doch Böblingen und Sindelfingen schoben das Thema vor sich her. Jetzt machen die Stadträte Druck.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

In vier Jahren dürfte es soweit sein: Dann soll die Autobahn A 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen nicht nur auf sechs Spuren verbreitert sein, sondern auch nicht mehr so sehr lärmen. Die Autoströme verschwinden dann auf sechs Spuren im Abschnitt zwischen Schauwerk und ehemaligem DRK-Zentrum in zwei rechteckigen Tunnelröhren. Schon im Jahr 2011 formulierten engagierte Bürger Ideen für die Gestaltung der Deckeloberfläche, die ein verbindendes Element zwischen den beiden Städten sein und die jahrzehntelange Teilung durch die Autobahn vergessen machen soll. Doch erst jetzt, elf Jahre später, beginnt man in den Rathäusern von Böblingen und Sindelfingen, sich ernsthaft mit der Gestaltung dieser Oberfläche zu befassen.

 

Der Tunnel soll mit zwei jeweils 17 Meter breiten Röhren insgesamt sechs Fahrspuren umschließen. Die beiden Standstreifen werden in Stoßzeiten zusätzlich freigegeben. Auf Höhe der Brücke Leipziger Straße, wo die Autobahn schon heute von Bussen und Fußgängern überquert wird, entsteht ein eingeschossiges Betriebsgebäude, dessen Kellergeschoss aus den beiden Tunnelröhren und weiteren Versorgungsschächten besteht. Es dient zur Steuerung und Überwachung des Tunnels und seiner Sicherheit und bündelt die Technik mit Videoüberwachung, Belüftung, Beleuchtung, Brandschutz et cetera.

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In Sachen Deckelgestaltung ist bisher nur gesichert, dass neben und über dem Tunnel mit Erde aus den abgetragenen Lärmschutzwällen aufgefüllt werden soll bis auf 1,5 Meter. Außerdem planen sowohl die Planungsgesellschaft Deges als auch die beiden Stadtverwaltungen Solarzellen auf einem Viertel der Fläche des Tunneldachs. Die elf Jahre alten Ideen aus der Bürgerbeteiligung allerdings sind noch weit weg davon, umgesetzt zu werden.

In den Reihen der Bürgerinitiative Leise A 81 entstand schon 2011 eine Buntstiftzeichnung, die einige Ideen für den Deckel zeigt: Boulebahn, Basketballfeld, Parkanlagen. Die Bürger konnten sich sogar vorstellen, auf dem Deckel in einem Biergarten zu sitzen, während unter ihnen der Verkehr durch den Tunnel rauscht. Dass vor allem die Stadt Sindelfingen von diesen hochtrabenden Plänen eher wenig begeistert ist, macht Oberbürgermeister Bernd Vöhringer klar: „Schon in der Diskussion um die Finanzierung des Deckels wurde deutlich: Uns laufen die Kosten davon.“

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Das Geld für die Gestaltung muss von den Städten kommen, während sie vom eigentlichen Bauwerk nur zehn Prozent stemmen müssen. Sindelfingen brachte daher Magerrasen ins Spiel, der den Deckel kostengünstig säumen würde. Das allerdings hätte sämtliche Ergebnisse der Bürgerbeteiligung ad absurdum geführt. Außerdem besagt eine Planungs- und Finanzierungsvereinbarung von 2017, dass eine „städtebauliche Gestaltung der Deckeloberfläche als verbindendes Element und Ort der Begegnung“ gemeinsames Ziel sei. Immerhin hat das Tunneldach eine Fläche von 2,7 Hektar und ist damit so groß wie der Sindelfinger Dronfield-Park. Schwer vorzustellen, dass Magerrasen und Solarzellen zu einem einladenden Ort der Begegnung werden.

CDU-Stadtrat Thorsten Breitfeld plädierte daher dafür, „in der Diskussion mit den Freiheitsgraden zu operieren, die wir haben.“ Er fordert einen landschaftsbaulichen Wettbewerb, der den Bürgerwillen aufnimmt. Breitfeld: „In der Beteiligung wünschten sich 72 Prozent Grünanlagen für Sport und Freizeit.“

Solarzellen gelten als gesetzt

Die Böblinger Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger hält dagegen, dass sich die Rahmenbedingungen seit 2011 verändert hätten. Zum Beispiel wäre in der Zwischenzeit eine Radschnellverbindung nach Stuttgart hinzugekommen, die es zu berücksichtigen gelte. Auch die Solarzellen seien mittlerweile so gut wie gesetzt, schon allein aus Klimaschutzgründen.

Ihre Sindelfinger Kollegin Corinna Clemens kann sich zwischen Magerrasen und einer aufwendigen Bespielung „alles vorstellen“, sagt sie. Wichtig sei vor allem der Hauptzweck: Eine Verbindung zwischen den beiden Städten schaffen. Dafür sei aber auch notwendig, die Fläche fußläufig gut erreichen zu können – was vor allem für die Sindelfinger Seite gilt. Schließlich verlaufen zwischen Deckel und der Böblinger Seite noch die Bahngleise.

Städte bleiben Zeitplanung schuldig

Doch wie soll das Realität werden? Clemens und Kraayvanger sehen am ehesten ein wettbewerbliches Verfahren, in dem mehrere Varianten miteinander verglichen werden. Ein Vorschlag, wie dies geschehen soll, „können die Verwaltungen gern machen“, sagte der Sindelfinger OB Vöhringer abschließend. Die CDU-Stadträte Hermann Ayasse und Thorsten Breitfeld wollten aber auch wissen, in welchem Zeitraum das über die Bühne gehen solle – immerhin sei jetzt elf Jahre nichts passiert. Eine Antwort darauf blieben die Bürgermeister schuldig.

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