Ausbau der S-Bahnlinie S40 Kostenrisiken bleiben

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Der Regionalverband hat den Baubeschluss für die S-Bahn von Marbach nach Backnang gefasst. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis birgt aber Risiken.

 Foto: dpa
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Stuttgart - Die letzte Hürde für die S40 ist übersprungen: Der Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart (VRS) hat am Mittwoch grünes Licht für den Ausbau erteilt–von Juli bis November 2012 soll die Strecke komplett gesperrt und für den S-Bahn-Betrieb umgebaut werden. Im Dezember 2012 könnte dann die erste S-Bahn auf der Tangentialverbindung zwischen Marbach und Backnang fahren.

Mit der S60 von Böblingen nach Renningen erlebt der VRS zurzeit ein Finanzdebakel – die Ausbaukosten sind von 93 auf 150 Millionen Euro explodiert. Deshalb hat der Verband bei der S40 ganz genau auf die Kosten geschaut. Die Berechnungen der Deutschen Bahn hat die Region nochmals vom eigenen Ingenieurbüro prüfen lassen; Fehler seien nicht erkannt worden.

Allerdings ist die erste Kostensteigerung bereits eingetreten. Im Jahr 2008 war die Bahn noch von 10,9 Millionen Euro ausgegangen. Im vergangenen Sommer wurde der Ansatz um 110.000 Euro nach oben korrigiert, weil die Bahn höhere Planungskosten geltend machte – diesen Betrag muss der VRS übernehmen.

VRS soll nicht gedeckte Kosten übernehmen


Weitere Verteuerungen sind im Moment nicht abzusehen, Kostensteigerungen werden aber auch nicht völlig ausgeschlossen. Es bestehe das Risiko, dass während der Bauzeit unerwartete Mehrarbeiten notwendig würden und einzelne Gewerke wegen der allgemeinen Teuerung nicht zu den veranschlagten Preisen vergeben werden könnten, so der VRS. Solche Erhöhungen haben bei der S40 eine besondere Brisanz, weil das Nutzen-Kosten-Verhältnis gerade noch bei 1,01 liegt. Der Bund dürfte das Projekt eigentlich nicht mehr fördern, wenn dieses Verhältnis unter die Schwelle von 1,0 sinkt. Die Gefahr, dass die Region dann "überproportionale Finanzierungsanteile" tragen müsse, bestehe grundsätzlich, räumt die Verwaltung ein.

Die Bahn will sich für diesen Fall von allen Verpflichtungen freisprechen lassen: Der VRS müsse sicherstellen, dass er eventuell nicht gedeckte Kosten übernehme. Dieser Passus verursacht der SPD-Fraktion Bauchweh: Die Bahn habe die Kosten ermittelt, aber die Region solle das Risiko tragen, resümierte Claus Schmiedel: "Das ist inakzeptabel." Die anderen Fraktionen sehen das Risiko aber als überschaubar an. Alle Fraktionen einschließlich der SPD trugen letztlich den Baubeschluss mit.

Zurzeit fördert das Land – aus Bundesmitteln – den Ausbau der S40 mit 6,5 Millionen Euro, die Region übernimmt vor der Hand 4,5 Millionen Euro. Allerdings überweisen die Kreise Rems-Murr und Ludwigsburg gemeinsam 1,38 Millionen Euro an den VRS; die fünf Kommunen entlang der Strecke sowie Affalterbach und Murr beteiligen sich mit 1,1 Millionen Euro am künftigen Betrieb. Der Baubeginn war schon für dieses Jahr vorgesehen, eine viermonatige Sperrung der Strecke sei aber 2011 nicht möglich, so der Regionalverband. Alle Haltestellen–Marbach, Erdmannhausen, Kirchberg, Burgstall und Backnang–werden nun an die Bahn-Standards angepasst und barrierefrei ausgebaut.

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