Ausgesetzte Tiere im Kreis Böblingen Wenn Hund und Katze weg müssen

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Gerade zu Sommerferienbeginn setzen Tierbesitzer ihre Schützlinge oft aus. 

Immer wieder werden Haustiere von ihren Besitzern ausgesetzt. Foto: dpa
Immer wieder werden Haustiere von ihren Besitzern ausgesetzt. Foto: dpa

Böblingen - Endlich ist er da, der lang ersehnte Sommerurlaub. Die Koffer werden gepackt, die Reiseunterlagen bereitgelegt, die Zeitung abbestellt. Aber wohin mit dem Hund, der Katze oder dem Kaninchen? Gerade vor den Sommerferien entscheiden sich Tierbesitzer immer wieder, ihre Vierbeiner ihrem eigenen Schicksal zu überlassen. Dann werden die zuvor noch so geliebten Haustiere im Wald aus dem Auto geworfen, an eine Laterne gebunden oder vor der Tür eines Tierheims entsorgt.

Ein Fall mit zwei ausgesetzten Kaninchen hat sich jetzt auch im Kreis Böblingen ereignet und schlägt hohe Wellen auf Facebook. Der Post wurde bisher mehr als 80-mal kommentiert und mehr als 280 Mal geteilt. „Einfach nur feige“, „Wie kann man nur! Unfassbar“ oder „Ich hoffe, das Karma schlägt zurück“ sind nur einige der Kommentare, die Nutzer auf Facebook hinterlassen haben.

Ein Kaninchen ließ sich einfangen

Carmen Paron, die stellvertretende Leiterin des Böblinger Tierheims, kennt die ganze Geschichte. Eine Bekannte hatte in der vergangenen Woche beim Gassigehen mit ihrem Hund an einem Waldparkplatz bei Schönaich ein schwarz-weißes Kaninchen entdeckt, in der Nähe stand noch ein offener Transportkorb. Sie rief Carmen Paron an, die sich sofort auf den Weg machte. Allerdings waren die Tiere verschwunden, bis diese eintraf. „Ich habe mich dann jeden Abend auf die Lauer gelegt“, sagt sie.

Wie sie feststellte, war das schwarz-weiße Kaninchen nicht allein. Ein braunes, sehr zahmes Tier war offenbar gemeinsam mit ihm ausgesetzt worden. „Wenn man es mit einer hohen Stimme ansprach, kam es zu einem hin“, sagt Paron. Sie geht deshalb davon aus, dass es eventuell einem Kind gehört haben könnte. Schließlich gelang es ihr, das braune Tier zu fangen und ins Tierheim zu bringen. Ein wahrer Glücksfall, denn das Tier hätte leicht gefressen werden können. „Der Fuchs hatte sich bestimmt schon das Lätzchen umgebunden.“ Dort wird es nun untersucht und gepflegt, bevor es weiter vermittelt werden soll. Das schwarz-weiße Tier erwies sich bisher als zu scheu zum Einfangen. „Aber ich versuche es weiter.“

Spaziergänger entdeckten die Katze

Die beiden Kaninchen sind nicht die einzigen Tiere, deren Besitzer sie loswerden wollen. Besonders häufig treffe dieses Schicksal Rot- und Gelbwangenschildkröten, sagt Paron. „In den Teichen im Böblinger Wald beim Thermalbad werden immer wieder Schildkröten gesichtet.“ Einfangen könne man die Tiere allerdings nicht. Ein Problem dabei: Diese invasiven Arten würden die heimischen Arten verdrängen.

Ein Fall, der Carmen Paron ebenfalls an die Nieren gegangen ist, ist der einer ausgesetzten Katze. Vor rund zwei Monaten sei das Tier in einer geschlossenen Transportbox und zusätzlich in eine Decke gewickelt im Wald zurückgelassen worden – und das bei hochsommerlichen Temperaturen. „Das hätte sie nicht lange geschafft.“ Zum Glück hatten Spaziergänger sie entdeckt.

Pflegestellen sind rar

Dass es mitunter in den Sommerferien schwierig sein kann, im Kreis Böblingen eine Pflegestelle für sein Tier zu finden, weiß auch Carmen Paron. Die wenigen Plätze, die das Tierheim anbietet, seien schon relativ früh ausgebucht gewesen und auch viele Tierpensionen hätten keine Kapazitäten mehr. Tierbesitzer, die sich bisher noch nicht um einen Platz gekümmert haben, sollten sich deshalb auf den einschlägigen Internetportalen nach Tiersittern umsehen, rät sie.

Wer sein Tier trotz allem nicht behalten möchte oder kann, der soll das Tierheim anrufen. Im Normalfall würden die Besitzer von den Mitarbeitern auch nicht verurteilt. „Wenn das Kind einer Familie eine Tierhaarallergie entwickelt hat, dann ist es verantwortungsvoll, das Tier abzugeben.“ Über so manchen Fall hat sich Paron aber dann doch aufgeregt. „Wenn jemand kommt, um seine alte Katze abzugeben, und im gleichen Atemzug fragt, ob wir Katzenbabys haben, dann sind wir schon mal nicht erfreut.“