Ausgezeichneter Bahnhof Wer über sich selbst lacht, . . .

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Am Bahnhof im niedersächsischen Bentheim ließen sich nach einer Umbaumaßnahme die Türen nicht mehr öffnen. Der Spott reicht sogar bis in die chinesischen Medien hinein. Doch die Stadt nahm es mit Humor.

Nach der Erhöhung des Bahnsteigs ließen sich am Bahnhofsgebäude in Bentheim die Türen nicht mehr öffnen. Foto: dpa/Friso Gentsch
Nach der Erhöhung des Bahnsteigs ließen sich am Bahnhofsgebäude in Bentheim die Türen nicht mehr öffnen. Foto: dpa/Friso Gentsch

Stuttgart - Über sich selbst zu lachen, ist auch eine Kunst. Die 15 000-Einwohner-Stadt Bad Bentheim in Niedersachsen beherrscht sie ganz gut. Am Mittwoch ist der Bahnhof Bentheim von der Allianz pro Schiene, einem Verband von Eisenbahnfreunden und Umweltverbänden, zum Bahnhof des Jahres 2019 gekürt worden. Zur Preisverleihung nach Berlin reiste ein stolzer Bürgermeister – Volker Pannen von der SPD – mit einem Schmunzeln im Gesicht an: Denn vor drei Jahren war Bentheim mit seinem Bahnhof noch eine Lachnummer, über die sogar weltweit berichtet worden ist. Jetzt ist er preiswürdig.

Die Selbstironie überzeugte die Jury

Von einem „realen Irrsinn“ berichtete damals im Sommer 2016 der NDR über den Bahnhof Bentheim und die „Bild-Zeitung“ titelte: „Letzter Halt – Bad Doofheim“. Wegen Umbauarbeiten war der Bahnsteig um 40 Zentimeter höher gelegt worden: Die Türen aus dem Bahnhof zum Gleis ließen sich nicht mehr öffnen. Die Bilder, wie Reisende aus Bad Bentheim durch ein Fenster auf den Bahnsteig kletterten, sollen sogar in China verbreitet worden sein. Dirk Flege von der Allianz pro Schiene hat die Ehrung jetzt damit erklärt, dass die „besondere Kundenfreundlichkeit“ des inzwischen komplett sanierten und barrierefreien Bahnhofs die Jury überzeugt habe. Aber auch die Selbstironie der Bentheimer habe eine Rolle gespielt. Sie hätten sich zu Unrecht verspottet gefühlt, schließlich habe man über einen Umweg auch ohne Fensterkletterei zum Bahnsteig gelangen können: „Aber sie nahmen die Häme mit Humor.“ Die „bissigsten Zeitungskommentare“ von damals seien auf dem berühmten Fenster nachzulesen, das nun in der Wartehalle ausgestellt sei. „Die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, hat die Jury beeindruckt.“

Auf jeden Fall ist das von der Bentheimer Eisenbahn AG betriebene Bahnhofsgebäude, das noch aus der Kaiserzeit stammt, jetzt ein attraktiver Ort geworden – lichtdurchflutet und mit einem Bahnhofscafé. Bürgermeister Pannen freut sich über den werbewirksamen Preis: Es sei eine besondere Ehre sagt er im Radio-Interview, „dass gerade die Fahrgastverbände den Bahnhof Bentheim als so schön empfinden, dass er Bahnhof des Jahres sein soll“.