Ausschüttungsrekord Warum der Dividendenjubel deplatziert ist

Aktienchart auf einer Anzeigetafel der Frankfurter Börse Foto: dpa/Arne Dedert

Hurra, wieder ein Jahr mit Rekordausschüttungen im Dax! Tatsächlich gibt es für Anleger wenig Anlass für Euphorie, findet unser Finanzreporter Hannes Breustedt.

Es ist wieder soweit: Jedes Jahr von März bis in den Mai läuft die Dividendensaison – Schlagzeilen über Ausschüttungsrekorde und Geldregen für Aktionäre lassen die Herzen der Anleger höher schlagen. Bei nüchterner Betrachtung ergibt die alljährliche Euphorie wenig Sinn.

 

Strategie ist traditionell umstritten

Ob Unternehmen mit ihren Gewinnen nichts Sinnvolleres anstellen könnten, als sie ihren Anteilseignern in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen zukommen zu lassen, daran scheiden sich traditionell die Geister. Skeptiker meinen, dadurch würden Investitionen vernachlässigt – Geld, das ins eigene Geschäft gesteckt und Wachstum schaffen könnte, gehe verloren.

Befürworter von Dividendenstrategien halten Börsenunternehmen mit starken Gewinnbeteiligungen aufgrund der Kostendisziplin, die für hohe Ausschüttungen nötig sei, prinzipiell für besonders attraktiv. Wer recht hat, darum soll es an dieser Stelle nicht gehen – am Ende hängt es meist vom Einzelfall, individuellen Investorenbedürfnissen und steuerlichen Faktoren ab, inwieweit Dividendentitel sinnvoll sind.

Was Anlegern aber bewusst sein sollte: Dividenden stellen keine Geschenke dar, um einen zusätzlichen Ertrag handelt es sich dabei nicht. Letztlich bekommen Aktionäre nur ihr eigenes Geld ausgezahlt – frei nach dem Motto „linke Tasche, rechte Tasche“, sagen Kritiker. Denn die Ausschüttungen verringern den Aktienwert. Niemand sollte sie mit Zinsen verwechseln, auch der Vergleich mit Anleiherenditen hinkt. Bei festverzinslichen Anlagen gibt es Klarheit und Planbarkeit der Erträge, während Dividenden schwanken können und von Finanzlage und Strategie des Unternehmens abhängen.

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