Ausstellung im Rathaus Flüchtlinge punkten bei Ebersbacher Firmen

Von Sabine Riker 

Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Nigeria und Gambia, und sie sind eine Bereicherung. Die Ausstellung „Integration.mit.Arbeit“ zeigt, dass Geflüchtete fleißige und motivierte Arbeitskräfte sind.

Die Ausstellung „Integration.mit.Arbeit“ soll Vorurteile abbauen. Foto: Ines Rudel
Die Ausstellung „Integration.mit.Arbeit“ soll Vorurteile abbauen. Foto: Ines Rudel

Ebersbach - Des isch a fleißiger Kerle.“ Ein größeres Lob kann aus dem Mund eines Schwaben nicht kommen. Fred Regelmann, der Geschäftsführer des gleichnamigen Tief- und Straßenbauunternehmens in Ebersbach, hat mit seinem Mitarbeiter Ali Secka nur gute Erfahrungen gemacht. Dieser ist 27 Jahre alt und stammt aus Gambia. Unter seinen Kollegen ist er sehr beliebt. „Jeder Kolonnenführer nimmt ihn gerne mit“, erzählt sein Chef. Er sei davon überzeugt, dass Ali Secka das Zeug dazu hätte, eine Ausbildung im Straßenbau zu machen.

Die Geschichte von Ali Secka und Fred Regelmann hört sich an wie aus einem Werbeprospekt über Integration. Doch sie ist weder geschönt noch ein Einzelfall, wie die Ausstellung „Integration.mit.Arbeit“ im Rathaus in Ebersbach zeigt. Zwölf örtliche Firmen schildern auf sogenannten Roll Ups ihre Erfahrungen mit Flüchtlingen. Die kurzen Texte sind illustriert mit Fotos von Chefs, respektive Chefinnen, und ihren Mitarbeitern, die aus aller Herren Länder stammen, aus Syrien, Afghanistan, Gambia, Nigeria und Tschetschenien etwa.

Die Einsatzgebiete sind vielfältig

Der Grundtenor der Arbeitgeber: Diese Menschen, die ihrer Heimat den Rücken kehren mussten, sind keine „Sozialschmarotzer“, wie das in manchen Kreisen vermutet wird. Im Gegenteil: Sie sind fleißig, motiviert und hilfsbereit – und bereit, sich zu integrieren. Wie zum Beispiel ein junger Mann aus Tschetschenien, der im Roßwäldener Traditionslokal „Zum Bäckerhaus“ eine Ausbildung zum Koch macht. Er stelle „jede schwäbische Hausfrau beim Spätzleschaben in den Schatten“, lobt ihn sein Chef Markus Eberhardinger.

Die Einsatzgebiete sind vielfältig. Einige der Geflüchteten arbeiten im Pflege- und Wohnstift, andere bei einem Technologieunternehmen, wieder andere sind bei einem Stuckateur, einem Autohaus oder in einer Bäckerei untergekommen. Sie alle stellen sich alles andere als ungeschickt an. Auch wenn es Schwierigkeiten gibt, etwa mit der Sprache, scheint es für die Unternehmen ein Gewinn zu sein, Flüchtlinge zu beschäftigen, zumal in vielen Branchen Arbeitskräfte fehlen. Der Chef der Firma Kanzleiter Kunststoffe, Gerd Kanzleiter, rät deshalb anderen Arbeitgebern, Flüchtlingen eine Chance zu geben. „Es funktioniert“, sagt er. „Und es ist auch ein gewisser Spaß dabei.“

Fast 40 Prozent der Geflüchteten in Ebersbach haben mittlerweile eine Beschäftigung. „Tendenz steigend“, stellte der Ebersbacher Bürgermeister Eberhard Keller bei der Eröffnung der Ausstellung im Rathaus klar. Die Quote liegt über dem bundesweiten Durchschnitt von 32 Prozent. Hoffnung mache, dass inzwischen auch acht Flüchtlinge eine Ausbildung absolvierten. Dass die Bilanz so gut ausfalle, sei der Arbeit der Integrationsmanagerinnen Andrea Schiller und Binash Hussain, der Flüchtlingshilfe Ebersbach mit ihren 140 Mitgliedern wie auch den „offenen und verständigen Unternehmern und Handwerkern“ in der Stadt zu verdanken.

Ausstellung soll wandern

Auch mit dem Jobcenter ist Ebersbach vernetzt. „Durch die Kontakte der Ehrenamtlichen sind wir viel näher an den Arbeitgebern dran“, sagt die Integrationsmanagerin Andrea Schiller. Das öffne manche Tür. Außerdem werde nicht dem Zufall überlassen, wie die Flüchtlinge sich bei Bewerbungen präsentieren. „Da helfen wir.“ Einer ihrer Schützlinge hat auf sieben Bewerbungen immerhin drei Einladungen für ein Praktikum bekommen.

Die Idee, die Erfahrungen von Unternehmen mit Flüchtlingen an die Öffentlichkeit zu bringen, geht auf Sonja Hollandt von der Flüchtlingshilfe zurück. Die Integrationsmanagerinnen haben die Anregung aufgenommen. „Mit der Soziologiestudentin Corinna Luksch, die ein Praktikum bei uns macht, konnten wir das umzusetzen“, sagt Andrea Schiller. Die zwölf Betriebe auf den Roll Ups seien im Übrigen nicht die einzigen, die Flüchtlinge beschäftigten. „Es gibt noch viele weitere Firmen.“

Da der Bürgermeister davon überzeugt ist, dass die Schau helfen kann, Vorurteile abzubauen, soll sie in der Stadt und im Landkreis von Ort zu Ort wandern. Zunächst ist sie bis zum 5. April im Rathausfoyer zu sehen.

60 Flüchtlinge haben eine Arbeit

In Ebersbach leben zurzeit 252 Flüchtlinge, davon 153 Männer und 99 Frauen. 92 von ihnen sind minderjährig. 147 Personen leben in privaten, 76 in städtischen Wohnungen. 29 sind in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Die Mehrzahl der Flüchtlinge kommt aus Syrien (105 Personen).

60 Ebersbacher Flüchtlinge haben eine Arbeit, 30 davon in Vollzeit. Jeweils elf Personen sind teilzeitbeschäftigt oder haben einen Minijob. Acht Geflüchtete absolvieren zurzeit eine Ausbildung.

Für die Flüchtlinge sind die Integrationsmanagerinnen Andrea Schiller und Binash Hussain im Rathaus Ebersbach da. Ihre Sprechzeiten sind montags von 9 bis 15 Uhr, dienstags und mittwochs von 9 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 18 Uhr.