Ausstellung in Bad Cannstatt Das Stadtmuseum sucht Paten

Von Uli Meyer 

Zurzeit wird eine Sonderausstellung zur Geschichte von Cannstatter Frauen konzipiert. Um Rechercheuren und Autoren ein bescheidenes Honorar bieten zu können, werden Paten gesucht, die die Erstellung der Biografien finanziell unterstützen.

Olaf Schulze (fünfter von links) und Manfred Schmid mit Patinnen vor dem Stadtmuseum. Weitere Engagierte werden gesucht. Foto: Uli Meyer
Olaf Schulze (fünfter von links) und Manfred Schmid mit Patinnen vor dem Stadtmuseum. Weitere Engagierte werden gesucht. Foto: Uli Meyer

Bad Cannstatt - Männer spielen in dieser Angelegenheit nur eine Nebenrolle, wenn überhaupt. Aber immerhin war es ein Mann, der den Stein ins Rollen brachte. Bei Überlegungen, das Stadtmuseum Bad Cannstatt mit frischen Inhalten zu bestücken, ist beim Historiker Olaf Schulze die „spontane Idee“ aufgekommen, eine Sonderausstellung zur Geschichte von Cannstatter Frauen aufzuziehen. Sie soll im November 2017 starten und bis April 2018 laufen. Helfen soll dabei auch eine Patenschaftsaktion.

Für Schulze werden Frauen in der geschichtlichen Betrachtung „oft auf die berühmten drei K reduziert“, also Kinder, Küche und Kirche. Dabei waren es auch Schriftstellerinnen, Politikerinnen, Ehrenbürgerinnen, Fabrikarbeiterinnen, Lehrerinnen, Geliebte, Hexen, Mordopfer oder Mörderinnen. Die Liste ließe sich um viele Umschreibungen ergänzen.

Kampf für die Gleichberechtigung

Kaum war die Idee geboren, haben sich der Planungsstab des Stadtmuseums Stuttgart mit seinem Chef Manfred Schmid sowie der Verein Pro Alt-Cannstatt (PAC) mit dem Vorsitzenden Olaf Schulze ins Zeug gelegt, das Thema mit Leben zu füllen. In Betracht kamen Frauen, die in Cannstatt geboren, gelebt, gestorben oder dort gewirkt haben. „Die Recherchen sind nicht ganz einfach. Man muss viel sichten und strukturieren“, sagt Gaby Leicht, zweite PAC-Vorsitzende. Ein erster Zwischenstand brachte 33 Frauen-Biografien, die es den Verantwortlichen wert sind, in die Ausstellung aufgenommen zu werden.

Beispielsweise Leonore Volz. „Heute würde man sagen: eine Feministin. Das hätte sie selber aber weit von sich gewiesen“, berichtet Helga Müller über eine „faszinierende Frau“. 1913 in Waiblingen geboren, hatte Volz in Tübingen evangelische Theologie studiert und gehörte ab 1940 als Hilfskraft dem Dekanat Bad Cannstatt an. Obwohl ausgebildete Theologin, durfte sie keine Taufen, Predigten, Trauungen oder Beerdigungen vornehmen, was nur Männern erlaubt war. Für Volz kein hinnehmbarer Zustand. Müller: „Sie kämpfte für die Gleichberechtigung der Frau in der Kirche.“ Ein langer Kampf. Aber Leonore Volz blieb beharrlich. Inzwischen Vorsitzende des Theologinnenkonvents in der evangelischen Landeskirche, erreichte Volz 1968 eine Korrektur der Bestimmungen, die faktisch die Gleichstellung von Pfarrerinnen bedeutete. 2009 starb die Kirchenfrau und ist auf dem Uff-Kirchhof begraben. Um solche und viele weitere Geschichten aufzuspüren, sind seit einigen Wochen Rechercheure und Autoren im Einsatz. Manche tun es ehrenamtlich, andere sind freiberuflich tätig. „Um ihnen wenigstens ein bescheidenes Honorar geben zu können, haben wir eine Patenschaftsaktion für das Projekt begonnen“, sagt Schulze. Jede Biografie kann mit 100 Euro unterstützt werden, auch Teilpatenschaften mit 50 oder 25 Euro sind möglich. Der Pate wird auf der Tafel „seiner“ Frau namentlich erwähnt.

Ein Buch zur Ausstellung

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Ute Maag war die erste, die eine solche Patenschaft übernommen hat. 20 weitere haben die Organisatoren bereits eingetütet, noch mehr werden gesucht. „Gerne auch Männer“, schmunzelt Gaby Leicht. Und die braucht man auch, schließlich ist die Zahl der Biografien inzwischen auf 47 angewachsen, dazu kommen sechs Gruppen-Biografien, beispielsweise über Wiedertäuferinnen, Arbeiterinnen und Klinikschwestern, sowie drei nach Epochen gegliederte Bereiche: Frauen im Spätmittelalter, im 19. und im 20. Jahrhundert.

Über die Patenschaften eingehende Gelder sollen außerdem dafür verwendet werden, die Herstellungskosten für das die Sonderausstellung begleitende Buch möglichst niedrig zu halten. „Im Buch können die Biografien noch ausführlicher sein, als das in der Ausstellung möglich ist. Außerdem ist solch ein Buch ein bleibender Wert“, so Schulze.




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