Ausstellung in Degerloch Der Schreiber und Zeichner als Ausgräber

Von Martin Bernklau 

Der frühere Drogenberater, schwäbische Autor und Künstler Peter Schlack stellt sein bildnerisches Suchen vor.

Die in Schlacks Bilder gefügten Worte sind keine konkreten Nachrichten. Foto: Bernklau
Die in Schlacks Bilder gefügten Worte sind keine konkreten Nachrichten. Foto: Bernklau

Stuttgart-Degerloch - Wie seine Kunst hat auch sein Leben etwas Ungewöhnliches und Eigenartiges. Therapeut und Drogenberater war er gut 30 Jahre lang, unten, im städtischen Brennpunkt der Szene. Jetzt, wo er diese harte Sozialarbeit hinter sich hat, verbringt Peter Schlack nicht nur Wochen, sondern das Sommerhalbjahr in der Heimat seiner Frau Leena Kantola in einem Landhaus nördlich der finnischen Stadt Turku. Er schreibt Gedichte und Geschichten in schwäbischer Mundart, malt, zeichnet und druckt auf alten Maschinen und in alten Verfahren. Nun stellt der gelernte Lithograf seine Arbeiten in der neuen Degerlocher Galerie mek-Werkbühne aus, die Marina E. Knittel an der Karl-Pfaff-Straße betreibt.

In Degerloch wohnt der gebürtige Gablenberger, Jahrgang 1943, seit einem Vierteljahrhundert. Zur gut besuchten Vernissage kam sein Mundart-Kollege Gerhard Raff aus der Nachbarschaft herüber. Man schätzt sich. Ein bisschen lakonischer, experimenteller ist Schlack auch als Autor. Der Künstler macht nur Unikate, obwohl er häufig mit gleichbleibenden Formen arbeitet – etwa den Linolschnitt-Mustern von Tieren oder von Booten, zwei seiner figurativen Lieblingsthemen, Themen mit Variationen, geduldig forschend, versuchend, prüfend.

„Die Weltverlassenheit von Kinderkritzeleien“

Seine Schwägerin Kaija Kantola hat ihm aus Zweigen und selbstgegerbten Fischhäuten für die Ausstellung archaisch anmutende Boote geschaffen. Ein Art Ausgräber ist Schlack auch in seinem eigenen künstlerischen Suchen und Gestalten. Ihn beschäftigt „die Weltverlassenheit von Kinderkritzeleien – man kriegt das als Erwachsener nicht hin“. Er fügt Worte in die meist eher kleinformatigen Bilder ein, nicht als konkrete Nachrichten, sondern als „Botschaft der Buchstaben“. Er druckt auf antiquarischen Bibelblättern oder adressierten Briefumschlägen samt gestempelter Briefmarke oder klebt Rechnungen, Ausrisse, Zettel und andere Fundstücke auf seine Bilder. Trotz dieser Mischtechnik-Vielfalt wirken die Collagen ruhig und planvoll proportioniert. Irgendwo taucht mal ein Wort wie „Zeitgeist“ auf – oder als Zeichen aus alter Zeit ein paar Zeilen Sütterlin-Handschrift.

Auf Reisen und in der Natur macht Peter Schlack winzige Künstlerbücher mit Aquarellen, über deren Farben er nachträglich die Form der Linien eines dicken, weichen Bleistifts legt. So ein Zeichnen muss man lernen: Er tat es bei der Lithografenausbildung vor Jahrzehnten. Heute nimmt er den Bleistift auch mal in die linke Hand.

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