Ausstellung in Schorndorf In dieser Kunst steckt kilometerweise Faden

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Massenhaft Wolle, tausende Nägel: selbst in vermeintlich kleinen Bildern verarbeitet der Künstler Manuel Knapp ganz schön viel Material. Das Ergebnis sind erstaunliche Perspektiven, die das Auge manchmal kaum fassen kann. Knapp stellt zurzeit in der Q-Galerie für Kunst in Schorndorf aus.

Schorndorf - Monochrom 1370 sieht auf den ersten Blick nicht spektakulär aus. Es ist weder die größte Installation, die Manuel Knapp in der Ausstellung „Under the surface“ zeigt, noch bilden die Fäden beeindruckende geometrische Figuren. Vielmehr besteht das leicht gewölbte Bild nur aus senkrecht gespannten Fäden – um genau zu sein: aus 685 Fäden, die zwischen 1370 Nägeln laufen. Der Zauber des Bildes offenbart sich denjenigen, die drumherumlaufen, den Titel der Ausstellung in der Q-Galerie für Kunst in Schorndorf als Aufforderung verstehen und einen Blick unter die Oberfläche wagen.

Es gibt nämlich nur einen bestimmten Winkel, in dem die Parallelität der Fäden zu erkennen ist. Sobald der Betrachter einen Schritt nach links oder rechts macht, verschwimmen die Grenzen, verschwimmen die Farben. Um diese Dichte und Intensivität zu erreichen, hat Manuel Knapp seine Fäden in 15 Schichten angebracht.

Kleiner Faden mit großer Wirkung

Ein einziger Faden hat ausgereicht, um ihn für das Material zu begeistern. Diesen hatte der Künstler eigentlich nur als Hilfslinie für eine Rauminstallation gespannt. „Dabei habe ich gemerkt, dass der Faden eine starke Wirkung hat, obwohl er so fili­gran ist“, sagt Manuel Knapp, der an der Kunstakademie Stuttgart studiert hat und nun als freier Künstler in Mühlacker lebt.

Vier Jahre ist es her, dass er den Faden für sich entdeckt hat. Seitdem bildet er nicht nur im sprichwörtlichen Sinn das verbindende Element seiner Kunst. Zuerst blieb der mittlerweile 33-Jährige der Rauminstallation treu, ließ Tische, Stühle, Treppen entstehen – ein Spiel aus schwarzem Faden, weißer Wand, Perspektive und Luft. Irgendwann wechselte er zum weißen Faden, experimentierte mit Schwarzlicht, knüpfte illuminierte Prismen. „Oftmals laufen 16 Fäden an einem Punkt zusammen. Da ist es spannend, ob alles aufgeht“, sagt Manuel Knapp, der zwar Skizzen anfertigt, sich aber meist auf Erfahrungswerte verlässt.

Das Bild verändert sich ständig

Einige dieser Werke sind nun ebenfalls in der Q-Galerie zu sehen. Der Hauptteil der Ausstellung „Under the surface“ widmet sich aber seinen farbigen Fadenspielen. „Die Farbe ist nun so etwas wie meine dritte Phase. Zum einen interessiert es mich, eigene Farbmischungen herzustellen, zum anderen finde ich es spannend, dass sich für den Betrachter im Bild ständig etwas verändert.“ Angefangen hat Manuel Knapp mit vier Farben, aus denen er geometrische Körper entstehen ließ. Mittlerweile arbeitet er mit dutzenden Farben.

Bei manchen Werken wird das menschliche Auge an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit gebracht. So wie bei „twin peak“. Der Betrachter versucht, die Formen zu erfassen, versucht Vorder- und Hintergrund zu unterscheiden, will den Raum begreifen – und scheitert. Das Bild verschwimmt. „Das Auge hat keinen Anhaltspunkt“, erläutert Manuel Knapp den Effekt.

In der Großinstallation stecken 2200 Nägel

Aus einem anderen Grund beeindruckend ist die etwa zwei Meter hohe Großinstallation, die der junge Künstler extra für die Ausstellung gebaut hat. Gut eine Woche hat er daran gearbeitet, dann waren vier bis fünf Kilometer Baumwollfaden und rund 2200 Nägel verbaut. Eine echte Fleißarbeit. „Es hat viel Übung gebraucht, aber inzwischen bin ich schon recht schnell geworden“, sagt Manuel Knapp und lacht. Öffnungszeiten: Die Ausstellung „Under the surface“ wird noch bis 11. März in der Q-Galerie für Kunst, Karlstraße 19, in Schorndorf gezeigt. Diese ist dienstags bis freitags von 15 bis 19 Uhr sowie samstags, sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.