Das Kofferradio seiner Jugend hat Arthur Staar zwar nicht mehr, dafür aber viele andere Radiogeräte, die er im Laufe von Jahrzehnten zusammengetragen hat, und die nun im Museum Welzheim ausgestellt sind. Die Bandbreite reicht von den ersten Autoradios der 1930er-Jahre über ein Westentaschentaugliches Sanyo-Kassettenradio aus den Achtzigern bis zum 30 Kilo schweren Grundig-Radio mit Schallplattenspieler von 1952. Noch deutlich schwerer dürfte der Musikschrank sein, den sich der Historische Verein Welzheimer Wald vom Stadtmuseum Waiblingen für die Ausstellung „100 Jahre Radio“ ausgeliehen hat. Das imposante Möbelstück stammt von 1954 und hatte den stattlichen Anschaffungspreis von 1090 Mark.
Das älteste Modell ist ein Volksempfänger 301
„Achtung, Achtung! Hier ist die Sendestelle Berlin, im Vox-Haus. Auf Welle 400 Meter“ – mit dieser Ansage begann hierzulande die erste Rundfunksendung am 29. Oktober 1923. Schon rund drei Jahre früher, am 22. Dezember 1920, hatte die Sendestelle in Königs Wusterhausen, eine ehemalige Militärfunkstation, zum ersten Mal ein Weihnachtskonzert mit Instrumentalmusik ausgestrahlt. Die Übertragung gelang, allerdings, so steht es auf der Internetseite des Museums Funkerberg, sei in Deutschland das „Rundfunkhoeren“ zu dieser Zeit noch bei Strafe verboten gewesen.
Das Verbot war im August 1933 kein Thema mehr, als der erste Volksempfänger auf den Markt kam. Das Röhrengerät Modell 301, ein dunkler Kasten aus Bakelit, mit dessen Hilfe die Nazis ihr übles Gedankengut verbreiteten, hat Arthur Staar natürlich auch in seiner Sammlung. „Wir haben leider nicht herausgefunden, wann das erste Radio in Welzheim auftauchte“, sagt Herbert Soukopp vom Historischen Verein Welzheimer Wald. Elektrifiziert sei die Stadt bereits von etwa 1913 an gewesen. Wobei es zum Radiohören nicht zwingend Strom brauchte, denn Detektorempfänger bezogen die nötige Energie aus elektromagnetischen Wellen. Die Tonqualität war aber schlecht, zudem benötigte man Kopfhörer. Auch solch ein Modell gehört zu Arthur Staars Sammlung.
Der DRK-Suchdienst war eine vielgehörte Sendung
Nach dem Krieg beschlagnahmten die Alliierten vorhandene Radiogeräte. Der spätere CDU-Bundestagsabgeordnete Friedrich Fritz aus Gausmannsweiler etwa wurde am 14. Juni 1945 schriftlich aufgefordert, sein Radio Marke Wega, die Firma war einst in Fellbach ansässig, unverzüglich bei der Polizeiwache im Welzheimer Rathaus abzuliefern. Das beschädigte Bakelit-Gehäuse des Apparats, der im Museum zu sehen ist, wurde mit einem Stück Blech geflickt.
Eine frühere Radioerinnerung von Arthur Staar ist der Suchdienst, den das Deutsche Rote Kreuz ab 1945 sendete, um Kriegsvermisste zu finden und Familien zusammenzuführen. Eigentlich wäre er gerne Radiotechniker geworden, doch der Berufsberater bestimmte, dass der junge Arthur Schreiner werden sollte. In Schorndorf machte er seine Ausbildung – und baute samstags, wenn er nicht für seinen Lehrherrn arbeiten musste, neue Holzgehäuse für Radioapparate. Während dieser Zeit erstand er auch sein erstes eigenes Radio. „Das habe ich für 129 Mark bei Neckermann gekauft.“
Ein Blick ins Innenleben eines Grundig 4040
Für alle, die schon immer ins Innere eines Radios spickeln wollten, hat Arthur Staar an einem Grundig-Apparat der 1950er-Jahre die Rückwand abmontiert. Zu sehen sind Röhren, Kondensatoren, Widerstände und Bowdenzüge – letztere sorgten mit dafür, dass bei dem Radio die beiden zuletzt gewählten Sender beim Umschalten mit einer Motorabstimmung abgerufen werden konnten. Wer am Antennen-Knauf des Apparats dreht, kann beobachten, wie sich die Ferritstab-Antenne im Gehäuse ausrichtet. Eines aber sucht man vergeblich: Den kleinen Mann im Radio, der die Nachrichten vorliest.
Hier kann man die Ausstellung sehen
100 Jahre Radio – Welzheim ganz Ohr Die Schau läuft bis zum 7. Januar 2024 und ist jeden Sonntag zwischen 13 und 16 Uhr geöffnet. Das Museum Welzheim befindet sich in der Pfarrstraße 8. Der Eintritt ist kostenfrei.