Kurt Georg John präsentiert Skulpturen und Gemälde in der Zehntscheuer. Er ist ein Meister der alten und außergewöhnlichen Materialen. Er verwendet zum Beispiel Mooreiche, Mammutbaum und sardische Oliven.

Zuffenhausen - Es ist schon eine bemerkenswerte Gesellschaft, die sich da beim Kunstkreis in der Zuffenhäuser Zehntscheuer eingefunden hat: Daedalus schwebt noch zwischen Himmel und Verheerung. Prometheus hat den Menschen das Feuer gebracht und harrt nun der Strafe der Götter. Und der Minotaurus schaut dem Betrachter gleich in doppelter Ausführung entgegen: Als böses, schrundiges Monster und als missverstandene, in sich gefangene Kreatur. Kurt Georg hat all diese Skulpturen und eine Reihe von Acryl-Mischtechniken geschaffen: Mit der Zuffenhäuser Ausstellung kehrt er an den Ort seiner Kindheit zurück und überrascht mit ungewöhnlichen Materialien und Themen.

Seine Bilder sind eine Brücke zur Gegenwart

Häufig spielen antike Mythen und ihre oft archetypischen Charaktere eine Rolle: Daedalus, der mittels selbst gebauter Flügel der Sonne zu nahe kommt und seinen Sohn Ikarus dabei verliert. Die sumerische Göttin Innana, die vielleicht älteste Göttin der Menschengeschichte. Und in einer zweidimensionalen Arbeit steht ein Schiff zwischen „Scylla und Chariybdis“ kurz vor dem Untergang. In Acrylgemälden wie diesem schlägt John eine Brücke zur Gegenwart, stellt Parallelen zu Vertreibung und Flüchtlingsbooten her. So erklärt sich wohl auch der Ausstellungstitel „Lebensspuren“: Was im Leben wirklich Spuren hinterlässt – Verlust, Heimat, Liebe, Verrat, Abenteuer –, ist nicht neu, es wiederholt sich in anderer Form immer wieder.

Für Kurt Georg John ist die Ausstellung auch eine Rückkehr an den Ort seiner Kindheit: Er ist in Zuffenhausen aufgewachsen und erinnert sich gerne daran zurück, wie er mit 15 Jahren mit Staffelei, Farbe und Pinsel durch den Stadtbezirk zog und malte. Der Beginn einer lebenslangen Liebe zum künstlerischen Gestalten. Lange war er Laborleiter einer örtlichen Farbenfabrik, jetzt, im Ruhestand, sitzt er dem Markgröninger Kunstverein vor.

Ein Meister der alten und ausgefallenen Materialen

Unter den verwendeten Materialien findet sich so Seltenes wie die Mooreiche: Eichenstämme, die über Jahrtausende im Moor überdauert haben und dann vom trügerischen Untergrund wieder freigegeben wurden. Die Zeit im moorigen Untergrund schwärzt das Holz und lässt es wie angekohlt wirken. Es ist möglicherweise viel älter als der dargestellte Mythos: „Das Holz wird circa 7000 Jahre alt sein; da gab es die Pyramiden noch nicht“, berichtete der Künstler bei der Ausstellungseröffnung.

Spannend ist auch die Frage: Mooreiche, Mammutbaum, sardische Olive – wie kommt John an sein Material? Mal riefen Bekannte an, die eine Scheune samt darin gelagertem Holz geerbt haben, berichtet er. Mal muss ein Baum weichen und kann als Kunstwerk überdauern. Und dann begibt sich John auch im Urlaub ausgesprochen gern auf Materialsuche, bringt gerne Holz etwa aus Italien mit: „Wissen Sie, ich habe dann immer meine Reise-Kettensäge dabei“, erklärt er lachend.

Was es in sein Atelier schafft, wird behauen und geschliffen, bisweilen geflammt, um die Maserung zu verstärken, und auch mal mit tiefblauem Leinöl eingelassen, wie die Skulptur „Blaue Unschuld“. Ähnlich verhält es sich mit dem Stein Chalcedon, der sich unter seinen Händen in eine Madonna verwandelt – matte und polierte Stellen im Wechsel, die die Schichtungen des Steins wie geronnene Zeit preisgeben. Und mit ihnen die Lebensspuren, die der Werkschau ihren Namen geben und inmitten des historischen Gebälks der Zehntscheuer besonders eindrucksvoll wirken.

Informationen zur Ausstellung:

Die „Lebensspuren“ sind am Wochenende, 27. und 28. Juni, 11 bis 17 Uhr in der Zuffenhäuser Zehntscheuer, Zehnthof 1, zu sehen.

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