Inflation und Energiepreise treiben die Ausgaben der Volkshochschulen in die Höhe. Die in Aussicht gestellte höhere Landesförderung lässt aber auf sich warten. Das geht nicht, meint Fritz Kuhn, der Landesvorsitzende des Volkshochschulverbands.

Politik/Baden-Württemberg: Renate Allgöwer (ral)

Die Volkshochschulen im Land machen sich Sorgen. Gerade haben sie sich langsam von den coronabedingten Teilnehmerrückgängen erholt, da schießen die Energiekosten und die Inflation in die Höhe. „Das Land tut viel für seine Volkshochschulen, aber es reicht nicht“, konstatiert Fritz Kuhn, der ehemalige Stuttgarter Oberbürgermeister und Vorsitzende des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg.

Erhöhung um 28 Prozent versprochen

Jetzt beraten die Landtagsfraktionen den Haushaltsplanentwurf des Landes und die Volkshochschulen müssen damit rechnen, dass sich auch noch die in Aussicht gestellte Erhöhung ihrer Grundförderung verzögert. Vor einem Jahr hat das Land in einer Vereinbarung über die lebenslange Weiterbildung angekündigt, die Zuschüsse für die Einrichtungen der allgemeinen Weiterbildung bis zum Jahr 2025 um 28 Prozent zu erhöhen.

Statt jetzt 28 Millionen Euro im Jahr kämen für Volkshochschulen und kirchliche Träger der Erwachsenenbildung bis 2025 rund 36 Millionen Landesförderung pro Jahr zusammen. Die Volkshochschulen fordern, dass das Land ab jetzt jedes Jahr um zwei Millionen erhöht. Statt dessen sieht der aktuelle Haushaltsplanentwurf nur jeweils 500 000 Euro mehr in den Jahren 2023 und 2024 vor. Das ist zu wenig, meint Kuhn. Die Rücklagen der Volkshochschulen seien durch die Coronakrise fast vollständig aufgebraucht.

Orte der Begegnung und der Integration

Jeder fünfte Baden-Württemberger war statistisch gesehen 2019 in einem Volkshochschulkurs, rechnet Kuhn vor. „Wir fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Er sieht die Volkshochschulen als „Orte der Begegnung und der Integration“, ihre Finanzierung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wo sonst treffen Flüchtlinge, die Sprachkurse besuchen, auf Bürger der Stadtgesellschaft? „Wir können die Verständigung ankurbeln, wenn alle schon im Haus sind“, meint Kuhn. Die Volkshochschulen sind breit vertreten. 162 Einrichtungen mit 638 Außenstellen gibt es im Südwesten.

Verbandsvorsitzender wünscht sich ein Hilfspaket

Kuhn könnte sich außerdem ein Hilfspaket des Landes vorstellen, etwa in Form eines Inflationsfonds, denn für ihn steht fest: „Wir können die Teilnehmergebühr nicht mehr erhöhen. Wir sind bereits an der Obergrenze“. Für einen Kurs mit 15 Terminen a 90 Minuten zahlt ein Teilnehmer hierzulande im Schnitt 117,60 Euro, bundesweit liegt der Durchschnittswert bei 74,70 Euro. Der Anteil der Teilnehmergebühren an der Gesamtfinanzierung ist mit 55,9 Prozent der höchste aller Bundesländern. Auf Platz zwei folgt Bayern mit 39,7 Prozent. Der Landeszuschuss lag Kuhn zufolge im Jahr 2021 bei 10,6 Prozent.

Neben einem Hilfspaket sieht Kuhn in der Projektförderung eine weitere Finanzierungsmöglichkeit. Er appelliert an die Landtagsfraktionen zusätzliche Projektmittel zu genehmigen, etwa für Energiesparkurse, für Seminare zum gesellschaftlichen Zusammenhalt oder für Kurse zur Digitalisierung.

Fraktionen vertrösten

Die Weiterbildungsexperten der Fraktionen Andrea Bogner-Unden (Grüne) und Alexander Becker (CDU) können die Rolle und Bedeutung der Weiterbildung gar nicht genug loben, aber sie spielen auf Zeit. Man wolle die Vereinbarung von 2021 umsetzen, versichert Becker. „Das schließt eine schrittweise finanzielle Stärkung der Weiterbildungsträger ein“. Die Rahmenbedingungen seien halt zur Zeit schwierig. Er verspricht aber: „Für uns als CDU ist klar, dass wir auch den noch ausstehenden Mittelaufwuchs im Bereich der Weiterbildung spätestens im nächsten Haushalt nachholen wollen.“

Bogner-Unden geht in die selbe Richtung: „Wir sehen den Mehrbedarf. Deswegen erhöht das Land die Mittel langfristig: und zwar um 28 Prozent bis 2025.“ Das Kultusministerium unterstreicht, dass in der Vereinbarung keine konkreten Beträge genannt würden. Auch habe man die Grundförderung schon in den Jahren von 2019 bis 2021 um fünf Millionen Euro angehoben.