Was passiert gerade in Vaihingen?
Die Uni Stuttgart will ein Labor für Großraumrobotik in der Baufertigung aufstellen. Künftig sollen dort einmal 80 Fachleute forschen. Das Labor entsteht am Rande des Campus in Richtung Rotwildpark. Das hat viel Kritik unter Naturschützern erzeugt – bis hin zu einer Baumbesetzung vor einigen Tagen, bei der schlussendlich Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) anrückten und vier Aktivisten der Organisation Robin Wood von einem Baum holten.
Warum ist der Ärger so groß?
Die Naturschützer verstehen nicht, warum man anstelle des waldähnlichen Geländes nicht den bereits versiegelten, nahen Uni-Parkplatz bebauen könne, um die „ökologisch wertvollen“, alten Bäume zu erhalten – zumal die Uni einen autofreien Campus anstrebe, sagte Julia von Staden, Sprecherin von Robin Wood, bei der Baumbesetzung.
Will die Uni denn Parkplätze abschaffen?
Ja. Laut Florian Krüger, Sprecher der Uni Stuttgart, wird die Zahl der Parkplätze in Vaihingen „kontinuierlich reduziert“. Zunächst sollen für den Ersatzneubau für die Physik rund 400 Parkplätze am Allmandring auf einem der zwei großen Parkplätze wegfallen. Und für den Labor-Neubau am nördlichen Pfaffenwaldring würden ebenfalls 80 Parkplätze überbaut und nicht ersetzt, sagt Krüger. „Auch der dann letzte verbliebene zentrale Parkplatz am Pfaffenwaldring soll mittel- bis langfristig durch neue Lehr-, Lern,- und Büroräume überbaut werden.“
Laut Lisa Elbin, einer Sprecherin der Stadt Stuttgart, wird derzeit neu berechnet, wie hoch der Bedarf an Parkplätzen am Campus Vaihingen ist. Denn laut der sogenannten Verwaltungsvorschrift muss in der Theorie ein Stellplatz pro drei Studierende nachgewiesen werden. Weil aber der Campus gut an den ÖPNV angebunden ist und es eine zentral gelegene S-Bahn-Station gibt, ist es rechtlich möglich, dass weniger Parkplätze zur Verfügung gestellt werden.
Wie wird das Parken dort künftig geregelt?
Ein „mehrstufiges Parkraumkonzept“ soll den Campus mittelfristig autofrei machen, sagt der Unisprecher Florian Krüger. Ideen dafür könnte etwa eine Parkraumbewirtschaftung sein, die es unter anderem an der Uni Hohenheim bereits gibt. Das bedeutet: Es kommen Schranken an die Stellplätze, und das Parken wird kostenpflichtig, „um die Nachfrage zu reduzieren“.
Danach könnten auch die ebenerdigen Parkplätze auf dem Campus schrittweise wegfallen und zunächst durch zwei Parkhäuser am südlichen Rand des Campus ersetzt werden, schließlich durch ein zentrales Parkhaus über der Bundesstraße 14, sagt Florian Krüger. Klar sei aber auch, betont er: Die Umsetzung solcher Maßnahmen durch Stadt und Land sei bislang nicht beschlossen und liege nicht in der Hand der Universität.
Warum heißt es autofreier Campus?
Der Begriff ist entstanden im Rahmen des vom baden-württembergischen Wissenschaftsministerium geförderten Projekts Mobi-Lab der Uni Stuttgart (kurz für Mobility Living Lab, auf Deutsch etwa: Reallabor für die Mobilitätswende). Denn der Campus soll hinsichtlich der Mobilität zukünftig emissionsfrei werden. Und es soll an Zukunftslösungen mit möglichst wenig fossiler Energie geforscht werden. Angedacht sind etwa autonome Elektroshuttles, E-Roller sowie bessere Rad- und Fußwege, um emissionsfrei von A nach B zu kommen.
Mit diesen Ideen könne aus Sicht der Stadt das Ziel des „autofreien Campus“ erfüllt werden, sagt die Sprecherin der Stadt Stuttgart. Entsprechende Regeln vom Land sowie eine Satzung der Stadt könnten das Projekt begleiten. „Umliegende Wohngebiete vor Pendlerverkehr zu schützen, wäre hierbei das vorrangige Ziel“, heißt es.