Autoindustrie in der Corona-Krise Automarkt in der EU bricht um ein Viertel ein

In Deutschland sind gerade die Autohäuser geschlossen. Der gesamte europäische Markt an Neuzulassungen ist im Januar eingebrochen. Foto: dpa/Henning Kaiser
In Deutschland sind gerade die Autohäuser geschlossen. Der gesamte europäische Markt an Neuzulassungen ist im Januar eingebrochen. Foto: dpa/Henning Kaiser

Die Zahl der verkauften Autos in der EU sinkt im Januar auf einen historisch niedrigen Wert. Rückläufig sind vor allem Diesel und Benziner. Aber auch das Wachstum bei E-Autos hat sich etwas abgeschwächt.

Wirtschaft: Yannik Buhl (yab)
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Brüssel - Der Automarkt in der Europäischen Union ist zu Jahresbeginn wegen der Corona-Maßnahmen stark eingebrochen. Im Januar wurden in der EU mit 726 491 Autos 24 Prozent Pkw weniger neu zugelassen als im Vorjahresmonat, wie der europäische Branchenverband Acea mitteilte. Das sei der niedrigste Wert seit Beginn der Datenerhebung.

In Deutschland hatte das Kraftfahrt-Bundesamt schon mitgeteilt, dass fast ein Drittel weniger Pkw neu angemeldet wurden. Hinzu kam, dass die zeitweilige Mehrwertsteuersenkung Ende 2020 ausgelaufen war, mit der die Bundesregierung die Konjunktur wieder ankurbeln wollte.

Schweden steht am besten da

In Spanien fiel der Rückgang um gut die Hälfte im Januar noch kräftiger aus. In Italien sanken die Neuzulassungen um 14 Prozent. Frankreich erwies sich mit einem Minus von 5,8 Prozent als recht robust. Frankreich und Schweden (das skandinavische Land verzeichnete ein Plus von 22,5 Prozent) waren dem Branchenverband Acea zufolge die einzigen EU-Länder, die einen Rückgang im zweistelligen Prozentbereich vermeiden konnten. Das große schwedische Plus liegt laut Acea daran, dass die Neuzulassungen vor einem Jahr wegen einer Steuererhöhung besonders niedrig waren.

„Die unterschiedlich starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens bestimmen derzeit die Lage auf den Neuwagenmärkten“, sagt Peter Fuß, Auto-Experte bei der Unternehmensberatung EY. „Hinzu kommen allerdings in einigen Ländern staatliche Unterstützungen, Abwrackprämien, Zuschüsse und Steuererleichterungen, was die große Spannbreite erklärt“, sagt Fuß.

Die deutschen Autokonzerne Volkswagen, Daimler und BMW fuhren allesamt zweistellige Rückgänge ein, am schwersten davon traf es Volkswagen. Opel aus dem französisch-italienischen Stellantis-Konzern kam auf ein Minus von 32,4 Prozent.

Verbrenner brechen ein

Nachgelassen habe im Januar auch das Wachstum bei elektrifizierten Neuwagen in den fünf größten europäischen Märkten, schreibt EY in seiner Analyse. Dazu gehören Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien. „Die zuletzt relativ niedrigen Zulassungszahlen bei elektrifizierten Pkw sind auf den massiven Elektro-Boom im Dezember zurückzuführen“, sagt Fuß. Der kombinierte Marktanteil von Dieseln und Benzinern schrumpfte in den fünf Märkten von knapp 82 auf 65 Prozent.

Die Autokonzerne seien bestrebt gewesen, noch im Dezember eine möglichst große Zahl von Elektroautos und Plug-in-Hybriden zugelassen zu bekommen, um die Emissionsvorgaben für das Jahr 2020 einzuhalten und Strafzahlungen zu vermeiden. „In den kommenden Monaten wird der Absatz von Elektroautos und Plug-in-Hybriden deutlich an Fahrt gewinnen“, glaubt der Analyst. Dafür würden auch die neuen Modelle sorgen, die für den weiteren Jahresverlauf angekündigt sind und die „das Kundeninteresse nochmals anfachen werden“.

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