2023 war für viele Betriebe kein gutes Geschäftsjahr. Anders bei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen (KSK). Deren Vorstandschef Burkhard Wittmacher sprach zwar von Herausforderungen für die Bank und deren Kunden. Zugleich präsentierte die KSK-Spitze in ihrer Bilanz aber Wachstum unter anderem beim Jahresüberschuss. Für 2024 geht die Spitze der Kreissparkasse davon aus, dass ihr Ergebnis nicht mehr so gut sein wird, weil der Zinsaufwand steige. Wittmacher betonte aber, die KSK sehe sich stabil aufgestellt.
Sowohl bei den Kontoführungsgebühren als auch der Zahl der Filialen hat es 2023 keine Veränderungen gegeben und auch für 2024 sind in diesen Bereichen keine geplant. Wohl aber bei den Sicherheitsvorkehrungen angesichts zahlreicher Automatensprengungen in den vergangenen Jahren. „Wir gehen jetzt dazu über, die Geldkassetten mit Einfärbesystemen auszustatten“, erklärte Wittmacher. Dadurch werde jede Sprengung für die Kriminellen sinnlos.
Investitions- und Konsumzurückhaltung
Zwar bemerkte auch die KSK 2023 eine Investitions- und Konsumzurückhaltung angesichts des Konjunkturabschwungs, der Inflation und der gestiegenen Zinsen. Dennoch ist das Kreditvolumen weiter gestiegen. Der Zuwachs entfalle weitgehend auf Unternehmen. Im Privatkundengeschäft der KSK ist das Kreditvolumen im Konsumbereich und im Neugeschäft der Baufinanzierungen zurückgegangen. Frank Dierolf vom KSK-Vorstand sagte: „Die aktuelle Situation am Immobilienmarkt ist für Kunden mit Eigenkapital nicht schlecht.“ Es gebe wieder Immobilien und das zu vernünftigen Preisen – zumal die Zinsen für Baufinanzierungen im historischen Vergleich noch niedrig seien. Jungen Kundinnen und Kunden rät Dierolf, früh zu beginnen, Eigenkapital aufzubauen.
Der Ausfall eines Kredits an Signa Sports United, der für mediale Aufmerksamkeit gesorgt hatte, hat die positive Bilanz 2023 offenbar nicht nachhaltig getrübt. Nachdem der Onlinesportartikelhändler, der zum Benko-Imperium gehört, im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet hatte, war bekannt geworden, dass neben anderen Banken auch die KSK zu den Kreditgebern zählte. Unter anderem gegenüber den Bloomberg News sprach Wittmacher von einem „sehr niedrigen zweistelligen“ Millionen-Euro-Betrag, der komplett abgeschrieben werde. Dennoch konnte die KSK 2023 dem Eigenkapital (1,28 Milliarden Euro) weitere 78,8 Millionen Euro zuführen. Die Bilanzsumme – die Summe der Aktiva und Passiva – ist von 11,7 auf 12,4 Milliarden Euro gewachsen. Gemäß dieser Kennzahl zählt die KSK Esslingen-Nürtingen zu den größten Sparkassen in Deutschland.
KSK geht von weiteren Kreditausfällen aus
In den Jahren 2010 bis 2022 habe es trotz eines Kreditbuches von etwa acht Milliarden Euro praktisch keine Ausfälle gegeben, sagte Wittmacher nun bei der Bilanzpressekonferenz in Esslingen. „Das ist nicht normal.“ Angesichts der konjunkturellen Risiken geht die KSK-Spitze wie auch andere Banken davon aus, dass eine gewisse Normalisierung eintrete und wieder mehr Kredite wertzuberichtigen seien. Das gehöre zum üblichen Risiko im Kreditgeschäft. „Das erfreut uns natürlich nie. Aber die Kreissparkasse ist gut genug aufgestellt“, so Wittmacher.
In ihrem sozialen Engagement hat die KSK, die im vergangenen Jahr ihr 175-jähriges Bestehen feierte, nicht nachgelassen. Über ihre Stiftungen flossen demnach 1,8 Millionen Euro an die Gesellschaft zurück. Zudem könnten sich die öffentlichen Haushalte über 32 Millionen Euro Steuereinnahmen freuen. Burkhard Wittmacher nutzte die Pressekonferenz zudem für einen Appell an jeden einzelnen. „Wir müssen uns fragen, was wir alle tun können, damit es uns wieder besser geht. Der Staat spielt eine große Rolle, aber er kann nicht alles richten.“ Wittmacher nannte als Negativbeispiel Bürgerproteste gegen Gewerbegebiete. Der Landkreis brauche wirtschaftliches Wachstum. Jeder solle nicht nur auf seine Eigeninteressen schauen, sondern aufs große Ganze.