Automesse in Peking Deutsche Autobauer forcieren E-Mobilität in China

Von , Peking 

Reißender Absatz, neue Händler und nun die Elektroautos: bei der Pekinger Automesse zeigen sich die großen Hersteller überzeugt, dass der chinesische Auto-Boom weitergeht. Ausländische Hersteller brauchen einen Partner vor Ort, um ihre Fahrzeuge zu vertreiben.

Das Interesse an Autos ist in China groß.  Entsprechend dicht ist das Gedränge auf der Messe in Peking. Foto: dpa
Das Interesse an Autos ist in China groß. Entsprechend dicht ist das Gedränge auf der Messe in Peking. Foto: dpa

Peking - Eigentlich ist Ostern, im atheistischen China aber interessiert der höchste christliche Feiertag kaum jemanden. Er interessiert selbst die westlichen Autobauer nicht, denn im Reich der Mitte, wo ein Auto ein Statussymbol schlechthin ist und der Nachholbedarf riesig, sind die Geschäftsaussichten gut. Und so pilgern die Manager der deutschen Autokonzerne zur 13. Beijing Motor Show, der wichtigsten Automesse in Asien, denn es sind vielfach die deutschen Mittel- und Oberklassewagen, die auf chinesischen Straßen zu finden sind, auch wenn sie im Dunst des alles verpestenden Smogs nicht vorwärts kommen. Doch „selbst im Stau“, so sagt es Porsche-Chef Matthias Müller, „sitzt es sich in unseren Wagen einfach besser.“ Viele Chinesen würden bei einem solchen Satz nicken, sie schätzen die Autos des deutschen Herstellers, den sie „Baoshi“ nennen; vor allem den Cayenne und den Panamera, weil sie groß und geräumig sind. Der 911 ist vielen zu klein, er gilt im Reich der Mitte als Frauenauto und ist deshalb oft in rosa Farbe unterwegs. 37 000 Autos hat Porsche im vergangenen Jahr in China verkauft, im ersten Quartal dieses Jahres verzeichnete der Stuttgarter Autobauer ein Wachstum von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Ein feiner Markt“, wie Müller sagt. Ein Markt, dessen Hunger noch lange nicht gestillt ist.

Für die Autobauer ist China eine Goldgrube

VW – „da zhong“, sagen die Chinesen – lieferte 2013 gar 2,5 Millionen Wagen in China aus und macht damit mittlerweile 42 Prozent des Gesamtumsatzes seiner Hauptmarke. Bei BMW („baoma“) liegt der Anteil des China-Geschäfts bei 20 Prozent, vor sechs Jahren waren es noch fünf Prozent, Audi verkauft 30 Prozent seiner Oberklassewagen an Chinesen, 2008 waren es noch zwölf Prozent. Daimler hinkt mit 15 Prozent hinterher, ist aber zuversichtlich, die Konkurrenz bald einzuholen. Für die Autobauer ist China, der größte Automarkt der Welt, eine Goldgrube – immer noch, auch wenn die Politik des Landes umsteuert und die Zulassungen weiter einschränkt. Das spüren die Autokonzerne. „Die Umweltsituation hat zwei Konsequenzen: einen Einfluss auf das Umsatzvolumen in Summe und den Wunsch der Kunden nach höherwertigen Fahrzeugen“, sagt Jochem Heizmann, der China-Vorstand von VW. Die Wolfsburger setzen auf E-Mobilität und präsentieren auf dem Messegelände im Nordosten Pekings ihren „electric up!“, ein Plug-in-Hybridfahrzeug, dem noch in diesem Jahr der E-Golf folgen soll. Auch Audi zeigt seinen A3 e-tron, der 2015 in China auf den Markt kommen soll, ebenfalls ein Hybrid. Daimler geht noch weiter. Zusammen mit seinem chinesischen Partner BYD („Build your dreams“) enthüllen die Stuttgarter ihren ersten in China entwickelten Elektrowagen „Denza“, ab September wird er in Peking, Shanghai und Shenzhen ausgeliefert (siehe „Denza soll Umweltproblem Chinas lindern“). Doch es herrscht nicht nur Sonnenschein auf dem Automarkt China. Die Verlierer sind nach wie vor die chinesischen Marken. Es gibt sie zuhauf: Brilliance, Chery, Geely, Dongfeng, BYD, Haval, Jac. Selbst auf dem heimischen Markt haben sie keinen einfachen Stand, international sind sie ohnehin kaum bekannt. Im ersten Quartal ging der Verkauf chinesischer Fabrikate in China um 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück, obwohl der gesamte Markt um 7,9 Prozent zulegte, wie der Branchenverband CAAM ausgerechnet hat.

Ausländer nur mit einheimischem Partner handeln

Den größten Umsatz, zum Teil 90 Prozent, machen chinesische Autobauer immer noch in ihren Gemeinschaftsunternehmen mit internationalen Konzernen, eben auch mit VW, BMW, Daimler. Denn nach chinesischem Recht dürfen Ausländer ihre Fahrzeuge lediglich gemeinsam mit einem chinesischen Partner vertreiben. Gedacht war, dass die Chinesen von den internationalen Konzernen lernen, um eigene Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Bisher hat das kaum einer geschafft.

Nun aber will Chery mit seinem Qoros – vom deutschen Autodesigner Gert Volker Hildebrand entwickelt – angreifen. Seit Dezember ist der Qoros 3 Sedan auf dem Markt, den manche schon als Konkurrenten für den Golf sehen. Doch selbst der Qoros-Produktentwickler Gianni Arena ist skeptisch. „Das Vertrauen in chinesische Autos ist sehr gering. Wir brauchen noch viel Zeit.“ Die größten Wettbewerber seien Koreaner, nicht die deutschen Hersteller. Diese haben in China ohnehin nichts zu befürchten. Die Liebe der Chinesen zu Mercedes, BMW und VW ist so groß, dass die Menschen auf dem Messegelände Schlange stehen, um sich kurz in eines der Modelle zu setzen. Andere Stände haben da deutlich weniger Zulauf.