Autor aus Winnenden Diese Bücher kann man sehen, hören und schmecken

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Ingo Mayer ist passionierter Kampfsportler, Hobbykoch und er schreibt nebenberuflich Bücher. Sein mehrteiliger Roman „Der Weg des Assassinen“ ist interaktiv gestaltet. Was man sich darunter vorstellen kann:

Für die Videos zu seinen Abenteuerromanen streift sich der Autor Ingo Mayer oft ein Assassinen-Kostüm über. Foto: Gottfried Stoppel
Für die Videos zu seinen Abenteuerromanen streift sich der Autor Ingo Mayer oft ein Assassinen-Kostüm über. Foto: Gottfried Stoppel

Rems-Murr-Kreis - Die beiden Kontrahenten belauern sich. Sie hält ein Rapier in der Hand, er nur einen kurzen Holzstab. Einen Stoß mit ihrem Schwert pariert er seitlich – bei einem erneuten Angriff taucht er unter der Waffe durch, sein Tritt zieht ihr die Beine weg. Mit erhobenem Stock steht er über ihr.

Wie die kurze Kampfszene ausgeht, sei hier nicht verraten – wohl aber, dass die Szene in Rudersberg, auf Burg Waldenstein, gedreht wurde. Sie gehört zum Buchprojekt von Ingo Mayer aus Winnenden. Der 55-Jährige hat seinen dritten Roman aus der Reihe „Der Weg des Assassinen“ gerade fertiggestellt.

Eine Abenteuergeschichte im Stile Indiana Jones’

Eine Sequenz, die im Buch in einer Fechtschule in Spanien spielt, hat er für das Video kurzerhand in den Schwäbischen Wald verlegt. Der große Saal der Burg, mit Hellebarden und Morgensternen an der Wand, passt von der Atmosphäre her ziemlich gut. Mayers Mehrteiler erzählt die Geschichte eines Stuttgarter Studenten, der durch zwei seltsame Träume in ein Abenteuer gerät – und in die Welt der Assassinen, jener sagenumwobenen, orientalischen Meuchelmörder des Mittelalters.

„Ich bin extrem hyperaktiv“, sagt Mayer über sich selbst. Und ein Hansdampf in allen Gassen ist er auch. Die Arbeit als selbstständiger Headhunter, Fußball, Handball, diverse Kampfsportarten, Weltreisen, ein Faible für Abenteuergeschichten à la Indiana Jones – all diese Leidenschaften versucht er in seinen Büchern, die im Eigenverlag sowie als E-Book erscheinen, zu vereinen. „Meine Frau hat mich mal gefragt, was ich eigentlich machen will, wenn ich in Rente gehe“, erzählt Mayer. „Ich sagte, ich will ein Buch schreiben – und sie meinte, warum ich damit denn warten will.“ Gesagt, getan. Innerhalb kürzester Zeit stellte der Winnender die ersten drei Teile der Geschichte fertig.

Ingo Mayers Bücher sind wie Tiptoi für Erwachsene

Das Besondere an Ingo Mayers Büchern: Sie sind interaktiv gestaltet – eine Art Tiptoi für Erwachsene. Das fängt damit an, dass Mayer sich zu jedem Buch einen Titelsong ausgedacht hat, den er von Bekannten produzieren lässt. Und da für den passionierten Hobbykoch auch das Essen eine große Rolle spielt, finden sich in den Büchern Links zu Mayers Webseite mit den zugehörigen Rezepten.

In Band eins herrscht orientalische Küche vor – etwa Hühnchen-Kebab oder gefüllter Fladen mit Schafskäse und Petersilie. In Band zwei verlagert sich die Handlung und damit auch die Kulinarik nach Asien. „Ich wollte die Bücher einfach um weitere Sinne ergänzen“, sagt Mayer. „Du kannst als Leser genau das essen, was der Protagonist auch gerade hat.“

Zusatzinfos zu den Romanen und verfilmte Actionszenen

Durch die Möglichkeiten des World Wide Web reichert Mayer seine Geschichten mit Zusatzinfos an – zum Beispiel Fakten zu den im Roman erwähnten Ländern und Orten oder einem dreidimensionalen Modell einer Burg, die ebenfalls im Buch eine Rolle spielt. Viele Infos gibt es auch zur Festung Alamut, dem sagenumwobenen, aber historisch verbürgten Hauptsitz der Assassinen. „Fast alle Spielorte des Buchs habe ich selbst auch schon besucht“, sagt Mayer – entsprechend leicht fiel es ihm, Gegebenheiten vor Ort zu beschreiben.

Wie es sich für einen Abenteuerroman gehört, gibt es in den Büchern auch jede Menge Actionszenen – klar, dass Ingo Mayer es nicht beim bloßen Beschreiben belässt. Viele Kämpfe aus dem Buch verfilmt er und erweitert das Ganze teils zu Lehrvideos in Sachen Selbstverteidigung. Für Mayer ist das ein Nutzwert: „Ich wollte, dass auch Frauen, Jugendliche oder Senioren die Techniken nachtrainieren können. Schließlich sollte man sich in dieser nicht immer netten Welt verteidigen können.“

Parkour-Szene in Backnang, Tauchsequenzen in Böblingen

Für die Kampfchoreografien seines dritten Buches hat Mayer an mehreren Orten in der Region Stuttgart gefilmt. Für eine spektakuläre Verfolgungsjagd im Parkour-Stil jagten Darsteller plus Kamera durch Backnang, und im Freibad Böblingen filmten er und sein Team einen Kampf zweier Taucher unter Wasser. Denn ach ja, einen Tauchschein hat Ingo Mayer auch noch. „Wir haben das Ganze Einstellung für Einstellung gedreht, sind aufgetaucht, haben kurz geprobt, und dann wieder die nächste Szene gefilmt“, erzählt er. Seine Darsteller rekrutiert er oft recht spontan – lange Textzeilen muss niemand auswendig lernen, das Hauptaugenmerk liegt auf der Action.

Hyperaktiv wie er ist, hat Ingo Mayer schon ein neues Buchprojekt in der Mache. Diesmal geht es eher in Richtung Psychothriller – und, soviel verrät er vorab, Musik wird eine noch größere Rolle spielen als bisher. Dieses Buch will Mayer dann häppchenweise als preiswerte E-Books herausbringen. Sein drittes Buch aus der Assassinen-Reihe befindet sich gerade beim Lektor und ist voraussichtlich Mitte Oktober erhältlich.

Assassinen: Geheimbund aus dem Mittelalter

Sekte: Die Assassinen waren im Mittelalter eine schiitische Glaubensgemeinschaft. Um hochrangige politische Gegner aus dem Weg zu räumen, schickten die Assassinen-Anführer ihre Untergebenen, meist mit einem Dolch bewaffnet, zu Attentaten los. Angriffen dieser mittelalterlichen Auftragskiller fielen etliche Sultane, Kalifen und Kreuzritter zum Opfer. Berichte von Kreuzfahrern, aber auch von Marco Polo, führten zu einer Legendenbildung rund um diesen Geheimbund. Die Assassinen galten den Europäern als fanatisch und unberechenbar.

Popkultur: In jüngster Zeit hat vor allem die Videospielreihe „Assassin’s Creed“ zu einem regelrechten Kult rund um die Assassinen beigetragen. Im Jahr 2016 gab es sogar eine filmische Adaption der Spiele. Während die historisch verbürgten Attentäter nach ihrem Angriff oft selbst von den Leibwachen ihrer Opfer getötet wurden, werden die Assassinen in Film und Spiel als versierte Kämpfer mit teilweise übermenschlichen Fähigkeiten dargestellt. Wie Glaube und Leben der Assassinen wirklich aussahen, bleibt zu großen Teilen im Dunkeln, da es kaum verlässliche historische Quellen gibt.

Bücher: Ingo Mayers „Der Weg des Assassinen“ ist als E-Book für jeweils rund acht Euro, als Book-on-Demand für 13 Euro erhältlich. Mehr Informationen auf Ingo Mayers Webseite.




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