Autorenlesung in Stuttgart-Vaihingen 110 Schüler und ein „Solo für Clara“

Von Jacqueline Fritsch 

Claudia Schreiber liest im Rahmen des Lesefestes an der Robert-Koch-Realschule aus ihrem Buch.

Der Andrang der Schüler zur Autogrammstunde  nach Claudia Schreibers Lesung war groß. Foto: Jacqueline Fritsch
Der Andrang der Schüler zur Autogrammstunde nach Claudia Schreibers Lesung war groß. Foto: Jacqueline Fritsch

Vaihingen - Im Obergeschoss der Robert-Koch-Realschule hocken rund 110 Sechstklässler. Umgeben von Rucksäcken und Jacken sitzen die Schüler im Flur – rechts und links die Klassenräume. Aufmerksam hören sie Claudia Schreiber zu. Die Autorin liest ihnen aus ihrem Roman „Solo für Clara“ vor. Die Veranstaltung ist Teil des Lesefestes Vaihingen.

„Wenn ich schon Schreiber heiße, kann ich es ja machen“, sagt die Autorin zu Beginn der Lesung. Sie sitzt auf der Bühne an einem Tisch, ein Glas Wasser vor sich und ein Mikrofon in der Hand. „Ich bin froh, dass ihr so jung seid. Das ist nämlich ein Buch, das für Leute in eurem Alter geschrieben ist.“

Die Autorin schreibt nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Erwachsene. „Ich habe mehr als zehn Bücher geschrieben“, sagt sie nach der Lesung. Auftritte wie diesen macht sie „sehr häufig“; im Rahmen des Lesefests sind es meist zwei Lesungen pro Tag.

Musikalische Begleitung vom Schulorchester

„Der Auftritt ist ein besonderer“, sagt Frank Otto Huber, der Leiter des Kinderhauses Büsnau und Mahcer des Lesefestes. Denn normalerweise kämen die Schüler zu ihm ins Kinderhaus zur Autorenlesung. Doch die Robert-Koch-Realschule hat sich etwas überlegt: Das Orchester der Schule umrahmt die Lesung musikalisch. „Die Musiker engagieren sich das ganze Jahr über, und so können wir ihnen mal einen Auftritt ermöglichen“, sagt Huber erfreut.

Die musikalische Untermalung passt zum Inhalt des Buches. In „Solo für Clara“ geht es um ein Mädchen, das später einmal Pianistin werden möchte. Der Ausschnitt, den Schreiber vorliest, zeigt die Anfänge Claras am Klavier. Die Übungen, die das Mädchen machen muss, sind so detailliert beschrieben, dass die Frage aufkommt, woher Schreiber dieses Wissen hat. „Ein ganzes Jahr lang habe ich mich mit jungen Musikern getroffen und sie gefragt, was sie so lernen müssen“, erklärt Schreiber. Deshalb hat es zwei Jahre gedauert, bis der Roman druckreif war. „So lange braucht man eben für ein gutes Buch“, sagt Schreiber.

Fragen darf das Publikum anders als gewohnt nicht am Ende der Veranstaltung stellen, sondern mittendrin. „Ich musste gucken, wie ich die Schüler möglichst lange halten kann“, sagt Schreiber. Die Autorin selbst geht bei der Fragerunde durch die Reihen von Schülern und erteilt mit der Übergabe des Mikrofons das Rederecht. „Wollten Sie schon früher Autor werden?“, fragt ein Junge. „Ich habe immer gedacht, Bücher schreiben nur andere, ich doch nicht. Aber als ich dann mein erstes Buch mit meinem Namen drauf in der Hand halten durfte, war das schon ein tolles Gefühl“, antwortet Schreiber. Auch sie stellt Fragen an ihr junges Publikum. Da es im Buch um das Klavierspielen geht, will sie wissen, wer denn selbst Klavier spielt. Knapp die Hälfte der Schüler streckt die Hände in die Höhe.

Das Lesefest gibt es bereits seit 14 Jahren

Das Lesefest findet seit dem Jahr 2002 alle zwei Jahre statt und wird von Huber und seinen Mitstreitern organisiert. Seit dem 24. Oktober tragen verschiedene Autoren ihre Werke im Lesetempel des Kinderhauses Büsnau vor. Am heutigen Donnerstag und am morgigen Freitag macht der deutsche Schriftsteller und Filmemacher Finn-Ole Heinrich dort noch insgesamt vier Lesungen. Nach den Worten von Frank Otto Huber sind knapp 2000 Schüler örtlicher Schulen am Lesefest beteiligt. Vorgelesen wird Schülern der Klassen eins bis dreizehn. „Es gibt auch Lesungen für Abiturienten“, sagt Huber.

Die Schüler sollen nicht nur an die Literatur herangeführt werden; durch das Lesen soll sich auch ihre Ausdrucksfähigkeit verbessern. „Und es ist gut, dass sie mal aus der Schule rauskommen“, sagt Huber.

Aus der Schule herausgekommen sind die Robert-Koch-Realschüler am Dienstag zwar nicht, trotzdem gab es nach der Lesung einen Ansturm auf die Autogrammkarten und den Büchertisch der Autorin.

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