Avengers: Age of Ultron London feiert, Kinobetreiber fluchen

Stars wie Scarlett Johansson haben die Fans bei der Europa-Premiere von Avengers: Age of Ultron in London begeistert. Foto: Getty Images Europe 19 Bilder
Stars wie Scarlett Johansson haben die Fans bei der Europa-Premiere von "Avengers: Age of Ultron" in London begeistert. Foto: Getty Images Europe

Während bei der Europa-Premiere von "Avengers: Age of Ultron" in London Stars wie Scarlett Johansson über den Teppich defilierten, regt sich bei den Kinobetreibern in Deutschland Widerstand gegen Disney.

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Quernheim/London - Es ist eigentlich ein Stoff, wie gemacht für einen Hollywood-Blockbuster, ein Kampf David gegen Goliath: Kleine Underdogs wagen den Aufstand gegen einen weltweiten Unterhaltungskonzern, streiten für ihre Existenz gegen einen übermächtigen Gegner.

Der Disney-Konzern bringt diesen Donnerstag seinen neuen Film "Avengers: Age of Ultron" in die Kinos und hofft auf großes Interesse an Helden wie Iron Man, Hulk oder Captain America. Die Stars heißen unter anderem Robert Downey Jr., Chris Evans oder Scarlett Johansson.

Während der Actionstreifen am Dienstagabend in London Europa-Premiere feierte, geht von der norddeutschen Provinz ein Aufstand von Kinobesitzern aus, die empört sind über die Preispolitik des Global Players. Viele hundert Kinos in den kleineren Städten Deutschlands werden den Film voraussichtlich boykottieren.

Disney verlangt 53 Prozent des Ticketpreises

Disney verlange von den Kinos als Miete 53 Prozent des Ticketpreises, sagt Karl-Heinz Meier. Der 64-Jährige betreibt in der 500-Einwohner-Gemeinde Quernheim im niedersächsischen Kreis Diepholz die Lichtburg. Und er ist Sprecher der "I.G. Nord", eines Zusammenschlusses norddeutscher Kinobetreiber. Mehr als 50 Prozent als Miete für einen Film sei einfach zu viel. Gerade für Kinos in der Provinz werde es bedrohlich. "Sollten auch andere Verleiher auf diesen Zug aufspringen, gibt es ein Kinosterben in der Fläche", betont das Kino-Urgestein.

Disney habe gegen ein lange bestehendes ungeschriebenes Gesetz verstoßen, sagt Andreas Kramer vom Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF). Bezogen auf die Ortsgröße habe es von den Verleihern immer einen flexiblen Rahmen bei der Filmmiete gegeben. "Und dieser Rahmen wird nun nach oben hin ausgereizt, ohne dass die Kinos informiert worden oder darauf vorbereitet worden sind." Die Kinos in den größeren Städten müssen bereits die 53-prozentige Filmmiete zahlen.

Die Kinos kommen gerade von einer sehr teuren Investitionsrunde: Die Kosten für die Umrüstung der Kinosäle auf digitale Projektionstechnik habe die Unternehmen in den vergangenen Jahren seiner Einschätzung nach gut 3,4 Milliarden Euro gekostet, sagt Kramer. Auch wenn viele Kinobetreiber für die Umstellung sowohl Branchen- als auch staatliche Fördergelder bekommen hätten, dauere die Amortisierung gerade in den kleinen Städten deutlich länger als in den Metropolen.

Die ausländischen Major-Verleiher blendeten die Vielfältigkeit der deutschen Kinolandschaft einfach aus, klagt Kramer. Und die Verleiher beobachteten untereinander genau, was die Kollegen tun. "Wenn Konditionen einmal auf dem Markt durchgesetzt sind, werden auch andere darauf aufspringen."

Kinos in ganz Deutschland wehren sich

Mit dem Aufstand gegen Disney begonnen haben 160 Kinobetreiber in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Der Protest sei aber deutschlandweit, sagt Kino-Urgestein Meier. "Es sind Kinos vom Rheinland bis Thüringen, von Rendsburg bis Oberbayern", sagt er. Bis zu 600 Lichtspielhäuser in Deutschland zeigten deshalb die "Avengers" nicht.

Zu dem Thema wollte sich Disney nicht äußern. "Es entspricht nicht unserer Firmenpolitik, vertrauliche Details unserer Geschäftsbeziehungen öffentlich zu kommentieren", sagte Petra Strobl von Walt Disney Studios Motion Pictures Germany in einer schriftlichen Stellungnahme.




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