Avishai-Cohen-Trio im Theaterhaus Tradition, Jazz und eine Sensation

Guy Moskovich, Avishai Cohen, Roni Kaspi beim Konzert im Theaterhaus. Foto: Staiber

Das Avishai-Cohen-Trio hat mit einem begeisternden Konzert die 34. Internationalen Jazztage im Stuttgarter Theaterhaus eröffnet.

Dem faszinierten Publikum bot sich beim Eröffnungskonzert der Jazztage am Montag mit dem Avishai-Cohen-Trio eine sensationelle Überraschung: die blutjunge Roni Kaspi. Die wirbelt wie ein Sturm durch die Jazzlandschaften mit solcher Stringenz, Wucht und Geschmeidigkeit, dass einem schier der Atem stockt. Die 23-jährige Israelin – auf dem Sprung zur kalifornischen Hip-Hop-, Jazz- und Popszene - ist ein rhythmisches Wunderkind. Ausgestattet mit einem Punch wie heute Tony Williams, der Drummer von Miles Davis. Roni Kaspi verfügt über eine stupende Technik, wie sie im Theaterhaus zuletzt etwa bei Jon Hiseman, dem Drummer des United Jazz & Rock Ensemble zu bewundern war. Kerzengerade sitzt sie am Drum Set, ist hellwach und treibt das Triospiel virtuos vorwärts.

 

Improvisationskunst zwischen den Kulturen

Das Herz dieses Klangkörpers ist natürlich Avishai Cohen, der Boss am Kontrabass, der als Komponist eine ganz besondere Fusion von Tradition und Jazz schafft. Improvisationsmusik gerät zur vermittelnden Instanz zwischen Kulturen: Aus osmanischen, sephardischen, mediterranen und osteuropäischen Quellen speist sich Cohens rhythmisch-tänzerischer, hymnisch-melodiöser Jazz. Der 1970 in einem Kibbutz geborene Cohen ist zugleich begnadeter Musiker und spielfreudiger Musikant. Wenn er sich tief über sein Instrument beugt, die Greifhand die Mensur hinauf- und hinunterspaziert, die Rechte rasante Sechzehntelläufe und Triolen anschlägt, dann beeindruckt und berührt er das hingerissen lauschende Publikum. Sein Bass klingt glasklar, verströmt Wärme und bietet Orientierung. Den Mitspielern und dem Auditorium. Cohen nimmt seinen Tieftöner in den Arm, tanzt mit ihm, schmiegt sich an ihn. Während er mit traumwandlerischer Sicherheit schöne Töne auf dem Kontrabass findet, lächelt er zu Guy Moskovich hinüber, dem Tastenkünstler aus Tel Aviv. Der hat mit dreizehn Jahren schon hervorragend Liszt und Chopin gespielt, Preise gewonnen, bevor er mit seiner höchst elaborierten Technik zum Jazz gefunden hat. Im Trio von Avishai Cohen, dem Talententdecker und Förderer, ist er bestens aufgehoben. Und der hat mit dem 27-Jährigen einen wunderbaren Pianisten in der Band, der ganz Ohr ist, einfühlsam begleitet und mit Soli glänzt, ohne auftrumpfen zu wollen. Cohens Stücke verbinden eingängige Melodien und komplexe Strukturen. So entstehen magische Klanglandschaften. „Musik“, sagt er, „ist lyrisch, frei, gebunden, beglückend“. Genauso wird das wunderbare Konzert mit Avishai Cohen, Guy Moskovich und Roni Kaspi im vollen Theaterhaus-Saal empfunden.

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