Bad Boll/Schwäbisch Gmünd Arznei-Debatte: Wala und Weleda in Sorge

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Wenn die Krankenkassen, wie es manche Politiker fordern, die Kosten für Homöopathie in Zukunft nicht mehr erstatten dürften, träfe das auch Traditionsunternehmen wie Wala und Weleda.

Die Firma Wala hat ihren Sitz in Bad Boll. Foto: Pascal Thiel
Die Firma Wala hat ihren Sitz in Bad Boll. Foto: Pascal Thiel

Bad Boll/Schwäbisch Gmünd - Lokale Arzneimittelhersteller wie die Wala in Bad Boll oder Weleda in Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) verfolgen die aktuelle Debatte darüber, ob Krankenkassen homöopathische Medikamente künftig noch erstatten dürfen, mit großer Aufmerksamkeit und etwas Sorge. Für ihr Unternehmen sei nicht nachvollziehbar, dass „eine bewährte Therapierichtung wie die Homöopathie momentan derart in der Kritik steht“, sagt die Wala-Sprecherin Inka Bihler-Schwarz. Ohnehin würden schon heute die meisten homöopathischen Arzneimittel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen, sondern von den Patienten bezahlt und belasteten das Gesundheitssystem deshalb kaum. Die Firmen befürchten neben wirtschaftlichen Nachteilen für sich selbst auch negative Auswirkungen für die Patienten.

Vor allem junge Patienten wären betroffen

Die meisten Arzneimittel von Wala unterlägen zwar der Apothekenpflicht, nicht aber der Verschreibungspflicht, erklärt Inka Bihler-Schwarz weiter. „Die Kosten werden somit nach der aktuellen Gesetzeslage nur bei Kindern unter zwölf Jahren sowie in wenigen Ausnahmefällen erstattet, etwa bei schwerwiegenden Erkrankungen“, berichtet sie. Ähnlich sieht die Sache auch bei Weleda aus. Beide Unternehmen stellen neben Natur-Kosmetikprodukten und anderem auch anthroposophische Arzneimittel her, und zwar zum Teil nach homöopathischen Verfahren.

Die konkreten Folgen lassen sich derzeit nicht einschätzen

Einig sind sich Bihler-Schwarz und der Weleda-Sprecher Theo Stepp auch darüber, dass ein Verbot der Kostenerstattung negative Auswirkungen für ihre Unternehmen haben würde. Was die konkreten Folgen für die Firmen wären, lasse sich derzeit aber nicht einschätzen, erklären beide unisono. Denn der Anteil der wenigen verschreibungspflichtigen Medikamente am Gesamtumsatz, sowie der Anteil der Medikamente, der an unter Zwölfjährige gehe und damit erstattet werde, sei nur schwer zu beziffern, erläutert Bihler-Schwarz. Beide Unternehmen befürchten offenbar neben möglichen Einnahmeeinbußen vor allem einen Reputationsverlust homöopathischer und anthroposophischer Arzneien. Und sie bemängeln, dass ein Erstattungsverbot am Ende in erster Linie die Patienten treffen würde. „Im Einzelfall kann dies für einen Patienten bedeuten, dass diese Therapieoption wegfällt, weil er die Kosten hierfür nicht selbst tragen kann“, sagt Bihler-Schwarz.

Besonders kritisch sieht man bei Wala und Weleda außerdem, dass ein Ende der Apothekenpflicht auch bedeuten würde, dass die Arzneien künftig auch in Drogerien verkauft werden könnten. Die fachkundige Beratung der Patienten durch Apotheker falle dann weg, kritisiert die Wala-Sprecherin.




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