Bad Cannstatt/Mühlhausen „Zeit zum Tanzen“ an neuem Ort

Von Sebastian Steegmüller 

Nach der Schließung des Tanzcafés Melodie in Bad Cannstatt hat das Inklusionsprojekt im Gasthaus Rössle eine neue Bleibe gefunden. Das ist allerdings keine Ideallösung.

Jutta Schüle hat im Cannstatter  Tanzcafé Melodie rund 100 Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Foto: Zeit zum Tanzen (z)
Jutta Schüle hat im Cannstatter Tanzcafé Melodie rund 100 Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Foto: Zeit zum Tanzen (z)

Mühlhausen - Nach rund 100 Veranstaltungen mit insgesamt 4000 Teilnehmern lud der Verein „Zeit zum Tanzen“, der sich seit rund sieben Jahren für die Inklusion von behinderten Menschen einsetzt, am Sonntag, 9. Dezember, zum letzten Mal ins Cannstatter Tanzcafé Melodie ein. Wie berichtet muss die Kneipe in der Wilhelmstraße am Ende des Jahres dichtmachen. Aus Mangel an Alternativen stand auch der Tanztreff auf der Kippe.

Für die Teilnehmer eine Hiobsbotschaft, schließlich gibt es wenige Orte in der Landeshauptstadt an denen behinderte und nicht behinderte Menschen einmal im Monat ausgelassen und ohne Vorurteile feiern können. Jutta Schüle, die Initiatorin des Projekts geht sogar noch einen Schritt weiter. Aus ihrer Sicht sei es sogar in Deutschland einzigartig. Das drohende Aus des Tanztreffs „hat große Betroffenheit in ganz unterschiedlicher Weise“ ausgelöst. Teilnehmer seien zum einen verärgert gewesen, dass Ahmet Tur, gekündigt wurde. Zum anderen hatten sie einfach Angst, dass Jutta Schüle keinen Ersatzstandort finden würde. „Aber auch Bürger, die nicht zum Tanzen kommen, denen das Angebot aber wichtig ist, waren in Sorge.“

Distanz streckt Teilnehmer ab

Die Organisatorin habe in den vergangenen Wochen viel Resonanz erhalten. Unter anderem hatten sich die Betreiber des Gasthauses Rössle aus Mühlhausen gemeldet und ihre Räume in der Arnoldstraße zur Verfügung gestellt. „Ich habe mich aufgrund der Rückmeldungen unserer Teilnehmer dazu entschlossen, dieses Angebot anzunehmen. Eine Unterbrechung der Veranstaltungsreihe würde sehr große Ängste auslösen, Unsicherheit würde sich ausbreiten. Und letztendlich würde unter Umständen der eine oder andere nicht mehr kommen.“ Für die Unterstützung sei sie den Betreibern des Rössles sehr dankbar. Jutta Schüle macht jedoch keinen Hehl daraus, dass es nicht die Ideallösung ist. „Dauerhaft wird es sicherlich nicht funktionieren, da die ersten Einrichtungen mir bereits mitgeteilt haben, dass der Weg für viele Behinderte und ihre Betreuer zu weit weg ist.“ Um den Teilnehmern die Anreise zu erleichtern, biete sie einen Treffpunkt am Charlottenplatz an. „Von dort geht es ohne Umsteigen bis nach Mühlhausen.“

Hohe Kosten kommen auf Verein zu

Ein Problem vieler Lokalitäten, die sie sich angeschaut habe, sei die Barrierefreiheit. „Zu viele Treppenstufen sind ein Ausschlusskriterium.“ Ebenso eine hohe Miete: Wie im Tanzcafé Melodie verlangt das Rössle diese nicht. „Dennoch kommen hohe Kosten auf den Verein zu“, sagt Schüle. Am neuen Standort in Mühlhausen müsse sie sich um einen DJ kümmern und auch die GEMA-Gebühren bezahlen. „500 bis 1000 Euro pro Veranstaltung müssen nun durch Spenden gedeckt werden. Ob uns das gelingt, ist offen.“ Eintritt werde sie auch weiterhin nicht verlangen. „Das können sich die meisten Teilnehmer nicht leisten.“

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