Badeseen rund um Stuttgart Planschen mit Abstand? Nur schwer möglich

Viele Menschen sind bei den hohen Temperaturen auf der Suche nach Abkühlung in nahe gelegenen Badeseen. Der Breitenauer See bei Heilbronn ist seit Juli gesperrt. Foto: dpa

Es wird immer schwieriger, stressfrei schwimmen zu gehen: Wegen Überfüllung und Missachtung der Corona-Regeln ist der Breitenauer See seit Juli gesperrt. Am Wochenende hat es nun weitere Badeseen rund um Stuttgart getroffen.

Klima und Nachhaltigkeit: Julia Bosch (jub)

Stuttgart - Man sollte morgens kommen, am besten unter der Woche. Dann liegen die Seewaldseen in Horrheim, einem Ortsteil von Vaihingen an der Enz (Kreis Ludwigsburg), noch beinahe unberührt da. An einem Picknicktisch am unteren der beiden Seen hat sich eine Gruppe Jungs zum Kartenspielen niedergelassen, dazu essen sie Chips. Einige Meter weiter testen Frauen vorsichtig die morgendliche Wassertemperatur. Und am oberen der zwei Seen, dort, wo sich Anhänger der Freikörperkultur (FKK) treffen, lässt sich ein Mann auf einer pinkfarbenen Luftmatratze mit geschlossenen Augen durch das Wasser schippern.

 

Ganz anders als an einem Wochentag morgens ist die Stimmung dort zurzeit an den Wochenenden. Dieser Corona-Sommer, in dem viele Menschen ihren Urlaub storniert haben und die Ferien zu Hause verbringen, macht sich an den Badeseen rund um Stuttgart bemerkbar: Am vergangenen Samstag und Sonntag war nicht nur der öffentliche Parkplatz der Seewaldseen komplett voll, Besucher parkten ihre Autos unerlaubterweise auch kreuz und quer drumherum.

Ehmetsklinge und Katzenbachsee waren übervoll

Regelrecht ausgeartet ist die Lage am Breitenauer See im Kreis Heilbronn: Weil an einem Sonntag Mitte Juli rund 10 000 Besucher den See gestürmt und etliche von ihnen die Vorgaben der Corona-Verordnung (also Abstand halten und Masken tragen) auf das Gröbste missachtet hatten, ist das Baden dort seit dem 24. Juli nicht mehr erlaubt, der See ist gesperrt.

Auch bei den nahe gelegenen Seen Ehmetsklinge und Katzenbachsee mussten sowohl am Samstag als auch am Sonntag die Autozufahrten sowie die Einlässe wegen Überfüllung gesperrt werden. „Wir raten weiterhin von einem Besuch der Ehmetsklinge ab“, sagt Stephanie Stuber, die Sekretärin der Zaberfelder Bürgermeisterin. Eine vollständige Sperrung des Stausees sei nicht geplant, man versuche mit dem Sicherheitsdienst und Gemeindevollzugsdienst den Einlass zu überwachen. Auf Facebook schrieb die Polizei Heilbronn am Sonntag: „Bitte vermeidet die Anfahrt.“ Falsch geparkte Fahrzeuge würden „definitiv abgeschleppt“.

30 Strafzettel für Falschparker am Aileswasensee

Abgeschleppt wurde in Neckartailfingen (Kreis Esslingen) am Wochenende nicht, allerdings wurden rund um den Aileswasensee um die 30 Knöllchen verteilt. „Weil am Wochenende zuvor auch private Streuobstwiesen zugeparkt wurden, haben wir dieses Mal alles abgesperrt, was wir absperren konnten“, berichtet der Bürgermeister Gerhard Gertitschke. Dennoch hätte der Gemeindevollzugsdienst Strafzettel verteilen müssen. Insgesamt sei es aber entspannt geblieben, „wir sind selbst etwas überrascht“, sagt Gertitschke.

Allerdings konnte nicht jeder baden gehen, der nach Neckartailfingen gekommen war. Denn in der Gemeinde hat man sich ein ausgeklügeltes System einfallen lassen, um die Besucherzahlen in Grenzen zu halten. Der See wurde komplett eingezäunt, am Zugang stehen Sicherheitsleute, die Armbändchen austeilen. Nach 1000 Bändchen ist Schluss, dann kommt keiner mehr an den See. „Anfangs haben manche noch versucht, über den Zaun zu klettern. Aber durch die Bändchen kann man das auch am See sehr gut kontrollieren.“

Frust am Baggersee in Kirchentellinsfurt

Weniger positive Töne hört man aus Kirchentellinsfurt, einer Gemeinde nordöstlich von Tübingen, in deren Gemarkung ein Baggersee liegt. „Die Lage ist sehr schwierig“, sagt Ute Walter, stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Zentrale Dienste. Am vergangenen Wochenende sei an beiden Tagen bereits bis mittags alles zugeparkt gewesen – auch in weiterer Entfernung und dort, wo das Parken nicht erlaubt sei. „Verständnis seitens der Badegäste gab es wenig.“ Man würde die Situation nun weiter beobachten. Eine Sperrung wird nicht ausgeschlossen.

Badeverbot wegen Blaualgen im Plüderhausener See

In Plüderhausen (Rems-Murr-Kreis) blieb es am Wochenende entspannt. Allerdings liegt dies nicht daran, dass plötzlich weniger Menschen an den beliebten See wollten, sondern weil die Gemeinde ein Badeverbot ausgesprochen hat. Nach den starken Regenfällen Anfang August wurde die Konzentration von Blaualgen im Wasser zu hoch. Dem Badeverbot und den vielen aufgestellten Schildern zum Trotz kamen am Wochenende dennoch einige Besucher. „Manche sind auf den Liegewiesen und auf dem Spielplatz geblieben, andere haben tatsächlich gebadet“, berichtet der Bürgermeister Andreas Schaffer. Aus dem Wasser geholt worden sei niemand, da die Situation „nicht lebensgefährlich“ sei.

Zwei bis drei Wochen bleibe das Badeverbot nun bestehen, mutmaßt Schaffer. So lange dauere es, bis die Blaualgen weniger würden. „Wir betreiben jetzt Ursachenforschung, weil wir letztes Jahr fast zur gleichen Zeit dieselbe Situation hatten.“ Möglicherweise hätte die starke Blaualgenkonzentration mit der Düngung der umliegenden Felder zu tun. „Das sind aber bislang alles noch Spekulationen.“

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