Badezentrum Sindelfingen Arschbomben-WM: Je besser desto Autsch

49 Teilnehmer, darunter eine Athletin, haben sich zur Super Dive Weltmeisterschaft im Sindelfinger Badezentrum eingefunden. Am Sonntag wurde der Titelträger gekürt.

Die Springer vom Zehn-Meter-Turm zeigen atemberaubende Saltos. Foto: factum/Granville 11 Bilder
Die Springer vom Zehn-Meter-Turm zeigen atemberaubende Saltos. Foto: factum/Granville

Sindelfingen - Die Super Dive & Splashdiving Weltmeisterschaft im Badezentrum Sindelfingen am Samstag ist etwas für Hartgesottene gewesen. Kühle Temperaturen und Regen hielten die Aktiven aber nicht davon ab, ihre spektakulären Sprünge zu zeigen. 49 Sportler aus vier Ländern gingen an den Start. Am Sonntag wurden sie für ihr Durchhaltevermögen belohnt. Die Sonne kam hinter den Wolken hervor und das Thermometer kletterte auf über 20 Grad Celsius. Nach den Finalkämpfen stand am Ende Manuel Lindner ganz oben auf dem Siegertreppchen. Der 22 Jahre alte Sportstudent aus Landshut wurde als durchschnittlich Bester aller sieben Disziplinen zum Super Diver 2018 gekürt.

Videobeweis für die Sprünge

„Das Wasser kommt heute von oben und von unten“, warnt der Moderator und Showmaster Sir Omme, der die Wettkämpfe am Samstag mit einem Regenschirm von einem Sprungturm aus kommentiert. „Das ist Motivation pur“, flachst er, als Nico van Oudtshoorn als erster an die Absprungkante des Zehn-Meter-Turms tritt. Der 17 Jahre alte Schüler aus München gehört dem deutschen Nationalteam im Splashdiving an. Könner wie er beherrschen Sprünge mit zwei doppelten Saltos und fünf Schrauben, ehe sie mit dem Po auf die Wasseroberfläche platschen. Das geht fast zu schnell zum Mitzählen. „Um das nachvollziehen zu können, haben wir eine Videoauswertung“, erklärt Oliver Schill, der Veranstalter und Gründer der Arschbomben-WM.

Rund um den Beckenrand brachten sich auch zahlreiche Fotografen in Stellung, Fernsehanstalten schickten ihre Kamerateams. Andere Schaulustige waren am Samstag kaum da. Dabei hat es sich herumgesprochen, dass es sich nicht ausschließlich um eine Juxveranstaltung handelt und bei den Wettkämpfen durchtrainierte Atlethen am Start sind, die beachtliche Leistungen zeigen. Teilnehmen darf nur, wer mindestens zwei Saltos beherrscht und zwei Schrauben. Dieses Limit sei nötig, weil sich in Deutschland in den 2100 Bädern mit Sprunglagen eine Splashdiver-Szene gebildet habe, berichtete Schill.

Fitnessprogramm: Bauch, Beine, Po

Auch deshalb dehnte er das WM-Programm aus, das er nach eigenen Angaben mit Hilfe von Sponsoren und einem Budget von 25 000 Euro bestreitet. Die Splashdiver messen sich nun auch im klassischen Kunst- und Turmspringen.

„Die einzige WM-Teilnehmerin in diesem Jahr ist Viviane Kinkel aus Landshut“, bedauert Schill. Sie bekomme dadurch den Titel bei den Frauen. Schill möchte den Sport beliebter machen: „Schließlich ist er das beste Fitnessprogramm für Bauch, Beine und Po, auch für Frauen“, betont er.

Ein Kaminfeger ohne Höhenangst

Die Jury bei den WM-Wettkämpfen ist mit echten Kennern besetzt, die selbst einmal gesprungen sind. Für die Punktewertung zählt vor allem, ob der vom Sportler angekündigte Sprung mit Saltos und Schrauben auch exakt so ausgeführt wird oder nicht. Und wer mit einer Arschbombe landen will, sollte diese auch zeigen. Mit einem möglichst lauten Geräusch. „Das tut ganz schön weh“, bekennt der letztjährige Weltmeister Rainhard Riede aus Bayern, dessen Spezialität das „Brett“ ist – die Landung mit dem Po und ausgestreckten Beinen. Er sei eigentlich per Zufall zum Splashdiving gekommen, erzählt er. Ein Freund habe ihn bei einem Badbesuch zu einem Salto überredet. Das habe sofort geklappt. Dann stieß er auf Youtube auf die Sportart. Der 24-Jährige sprang schon aus 35 Metern Höhe. Angst kenne er dabei keine: „Ich bin von Beruf Kaminfeger.“

Ein Schmankerl gab es am Sonntag noch: den Weltrekordversuch im Unterwasserlauf mit einem Atemzug. 79,94 Meter eines Türken galt es zu knacken. Thomas Plum schaffte das mit 85.13 Metern.




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