Seit neuestem kann man im Ludwigsburger Stadionbad erst mittags ab 14 Uhr schwimmen. Und das Wasser im Becken ist kühler geworden. Das kann man bedauerlich finden – oder froh und dankbar sein, dass das Wasser nicht noch kühler ist. Und darüber, dass das Bad überhaupt noch geöffnet hat.
Überall Mangel
Die Sorge um volle Gastanks stellt nicht nur das Ludwigsburger Stadionbad vor Probleme. Dazu kommt ein massiver Mangel an Fachkräften, der es unmöglich macht, weiterzumachen wie gewohnt. Schwierige Zeiten also. Und wenn man sich so umhört in der Bäderszene klingt es nicht, als würden sie so schnell rosiger.
Einschränkungen für Schwimmer
Es mag etwas früh erscheinen, im Sommer an Hallenbäder zu denken, wenn scheinbar alle Welt im Freibad schwimmen geht. Doch ein Blick in die Hallenbäder der Region zeigt, wie akut das Thema ist. Im Bad in Waiblingen etwa ist aus Energiespargründen das Außenbecken geschlossen. Im Fellbacher Kombibad F3 wurde die Wassertemperatur um zwei Grad gesenkt. Die Ein-Grad-Reduzierung in Ludwigsburg wirkt da schon fast milde. Und das Hallenbad in Böblingen ist zurzeit ganz dicht. Das hat andere Gründe, dazu später mehr, doch praktisch ist das erst mal.
Zwei Grad weniger Wassertemperatur bringt eine Energieeinsparung von rund 25 Prozent, hat die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) ausgerechnet. Doch ob all die Maßnahmen wirklich helfen, wird fast täglich ungewisser. Erst vorige Woche hat die Bundesregierung die zweite Alarmstufe im Notfallplan Gas ausgerufen. „Jeder macht sich Sorgen“, sagt Ann-Christin von Kieter, die Sprecherin jener Gesellschaft für das Badewesen – die sich bereits sehr intensiv mit dem Herbst befasst.
Zwei düstere Szenarien
Für einen Leitfaden hat die DGfdB zwei Szenarien entworfen, schön ist keines davon. Entweder ist der Badebetrieb nur noch sehr eingeschränkt möglich. Das heißt: noch kühleres Wasser, geschlossene Warm- und Außenbecken, Schluss mit Rutschen, Saunieren und anderen Attraktionen. Oder die Schwimmbäder müssen bis auf Weiteres komplett geschlossen werden. Ein solcher Lockdown müsse vermieden werden, fordert die DGfdB. Der Schaden für die Bürger wäre immens. „Bäder sind mehr als eine Freizeiteinrichtung“, sagt Ann-Christin von Kieter.
Mitarbeiter gesucht
Lena Schleyer könnte die Debatte um die Wassertemperatur ganz entspannt verfolgen. Das Sindelfinger Hallenbad, das sie unter anderem leitet, ist in den Sommermonaten ohnehin zu. Allerdings aus Gründen, die sie eben doch nicht entspannt sein lassen: Weil sie nicht genügend Personal hat. 14 Vollzeitmitarbeiter arbeiten im „größten Sport- und Familienbad der Region“, Arbeit gäbe es locker für zehn weitere.
Aber woher nehmen? Lena Schleyer ist ja nicht die Einzige, die auf der Suche ist. Personalmangel ist der Grund, warum auch das Böblinger Hallenbad im Sommer dicht ist. Und weshalb im Ludwigsburger Stadionbad die Öffnungszeiten quasi halbiert wurden. Und warum die Hallenbäder in Stuttgart im Sommer alle geschlossen sind. Um nur mal ein paar zu nennen. Das Personal wird in den Freibädern benötigt.
Viel Arbeit, wenig Geld
Es klingt wenig überraschend: Wenn es in allen Branchen an Fachkräften mangelt, dann können auch Bäderbetriebe kaum verschont bleiben. Allerdings besteht das Problem hier schon so lange, dass Edgar Koslowski vom Landesverband Deutscher Schwimmmeister schon vor bald zehn Jahren sagte: „Es wird immer schwieriger, ein Schwimmbad zu betreiben.“ Heute sagt er: „Es wird immer schlimmer.“
Das liegt zum einen wie überall am demografischen Wandel. Im konkreten Fall aber auch am Berufsbild. Fachangestellter für Bäderbetriebe, wie der Bademeister korrekt heißt, bedeutet viele Schichten an vielen Tagen, viel Verantwortung und wenig Geld. 1500 Euro für einen Berufsanfänger (in Steuerklasse eins) – damit komme man nicht weit, sagt Edgar Koslowski, der dringend eine Aufwertung fordert. Zuschläge oder eine günstige Wohnung könnten ein Anfang sein. „Wenn sich die Situation nicht ändert, werden wir uns von lieb gewonnenen Gewohnheiten verabschieden müssen“, prophezeit der Vorsitzende des hiesigen Schwimmmeister-Verbands mit Blick auf die Anzahl der Bäder.
Werbung für den Bademeister-Job
Lena Schleyer in Sindelfingen wirbt bei Messen, mit Anzeigen und übers Internet für den Beruf, der viel besser sei als sein Ruf. „Bei uns wird es nie langweilig“, sagt die Bäderleiterin, die allerdings nicht allzu zuversichtlich klingt. Sie weiß: Überall gehen in den kommenden Monaten viele Kollegen in den Ruhestand. „Für die Zukunft habe ich schon Sorgen, sagt Lena Schleyer, die stolz war, in dieser Saison das Freibad schon um 7 , statt um 9 Uhr zu öffnen. Ob es dabei bleiben kann?
Ausschließen sollte man nichts. In Remshalden etwa gibt es seit Kurzem sogar Einschränkungen im Freibad. Mittwochs bleibt es nun geschlossen - wegen Personalmangel.