KommentarBäderschließungen in Stuttgart Bäder ganz zu schließen, ist widersinnig

Von Jürgen Löhle 

Zwei Bäder komplett für die Öffentlichkeit schließen zu wollen, ist zu hart. Doch das neue Bäderkonzept hat auch positive Aspekte, meint unser Mitarbeiter Jürgen Löhle.

Die DLRG trainiert im Plieninger Hallenbad. Für normale Schwimmer soll das Bad aber ganz geschlossen werden. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Die DLRG trainiert im Plieninger Hallenbad. Für normale Schwimmer soll das Bad aber ganz geschlossen werden. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Der Vorschlag klingt zunächst widersinnig. In Zeiten, in denen die Menschen von allen Seiten aufgefordert werden, Gesundheitssport zu treiben, sollte man keine Hallenbäder für die Öffentlichkeit schließen. Genau das aber ist der Vorschlag, den die Bäderbetriebe dem Bäderausschuss der Stadt machen wollen. Die Hallenbäder in Plieningen und in Bad Cannstatt sollen künftig für die Öffentlichkeit komplett dicht sein, das Leo-Vetter-Bad und das Hallenbad Heslach während der Freibadsaison für die Allgemeinheit geschlossen werden. Ein tiefer Einschnitt, der viele Badegäste verärgert und der im Fall der Totalschließungen auch zu hart ist. Kosten senken ist zwar ehrenwertes Ziel, aber bei Serviceangeboten wie Bädern darf das nicht das oberste Gebot sein.

Es ist gut, dass Schulen und Vereine mehr Zeit bekommen

In der Diskussionsvorlage steckt allerdings auch Positives. Dass Schulen, Vereine und die DLRG in dem neuen Konzept mehr Zeiten bekommen, ist zu begrüßen. Auch dass die Bäderbetriebe ihre Personalsorgen in der Freibadsaison mindern können, ist ein positiver Effekt. Den normalen Badegästen nützt das zwar nichts, aber für die Pläne der Bäderbetriebe sprechen auch die Zahlen. In Plieningen kamen zum Beispiel im Jahr 2013 noch 6317 Badegäste, 2017 waren es nur noch 3839. Auch in allen anderen Hallenbädern ist die Tendenz im öffentlichen Betrieb rückläufig, während die Vereine ihr Kursangebot um 50 Prozent steigern könnten. Vor diesem Hintergrund ist das Konzept stimmig. Und wenn die jetzt beginnende Diskussion dazu führt, dass die Stadt den Servicegedanken nicht ganz den Kosten unterordnet und Plieningen und Bad Cannstatt nicht komplett für die Allgemeinheit dicht macht, gibt es am Ende mehr Gewinner als Verlierer.

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