Für die vielen Besucher des Bärenschlössles soll der neue Aufgang mehr Sicherheit bieten. Doch optisch passen die Sandsteinstufen nicht zum denkmalgeschützten Lustschloss, bemängeln einige Gäste.

Das schöne Wetter lockt wieder viele Besucher zu einem von Stuttgarts beliebtesten Ausflugszielen: dem Bärenschlössle am Bärensee. Doch aktuell sticht eine Veränderung ins Auge. Als Verbindung zwischen Schloss und See gibt es eine neue Treppe. Statt der sogenannten Knüppeltreppe aus Holz und Schotter, die eher unauffällig daher kam, führen nun helle Naturstein-Blockstufen den Abhang hinunter.

Bei den Gästen des Restaurants im Bärenschlössle sorgt die neue Treppe für unterschiedliche Reaktionen, erzählt Jürgen Unmüßig, der hier seit 25 Jahren Pächter ist: „Wie es immer so ist, die Aussagen reichen von ‚unmöglich‘ bis zu ‚gut‘.“ Die meisten Gäste würden die Veränderung allerdings kommentarlos hinnehmen. „Vor allem die Stammgäste reden über die Treppe“, ergänzt seine Frau Branka Unmüßig. „Manche finden sie hässlich. Aber ich persönlich finde sie schön.“ Sie freue sich darüber, dass das Land Geld investiert habe. Ihr Mann möchte sich nicht dazu äußern, ob ihm die Treppe gefällt. „Das spielt keine Rolle. Schließlich habe ich die Treppe nicht gebaut oder bezahlt“, betont er. Wichtig sei, dass die Gäste unfallfrei den See erreichen.

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Die frühere Knüppeltreppe barg dagegen eine hohe Stolpergefahr und damit ein großes Verletzungsrisiko. Da sie sich außerhalb des Waldes befand, konnten Regen und Schnee ungehindert auf die Treppe einwirken. Die Stufen wuschen sich schnell aus und es bildeten sich darin wegen des fehlenden Wasserabflusses Pfützen, die besonders im Winter Besucher zum Rutschen brachten. Das Land will damit auch erreichen, dass der Besucherverkehr von der benachbarten Wiese weg gelenkt wird. „Die ursprünglichen Treppen waren dauerhaft nicht verkehrssicher und zudem sehr wartungsintensiv“, bestätigt Försterin Kathrin Klein vom zuständigen Forstbezirk Schönbuch des Landes Baden-Württemberg. Das Besucheraufkommen sei rund um das Bärenschlössle besonders hoch, was eine dauerhafte Lösung in Form von fest verbauten Naturstein-Blockstufen erforderlich gemacht habe.

Tatsächlich zieht es vor allem an den Wochenenden viele Menschen zu dem Ausflugsrestaurant, das ursprünglich im Auftrag von Herzog Carl Eugen im Jahr 1768 als Lustschloss erbaut wurde. Das Bärenschlössle liegt nahe drei malerischen Parkseen, die einst als Stauseen zur Wasserversorgung von Stuttgart angelegt wurden. Außerdem steht es inmitten eines Naturschutzgebietes, sodass der Bau der Treppe mit der höheren Naturschutzbehörde abgestimmt werden musste, erklärt Kathrin Klein. „Doch die Treppe ist losgelöst vom Bärenschlössle, daher gab es keine Vorgaben hinsichtlich des Denkmalschutzes“, ergänzt sie. Um die Veränderungen so minimal wie möglich zu halten, habe man sich bei der Planung an den ursprünglichen Maßen und der Naturbelassenheit zwischen den Trittstufen orientiert. Ein lokales Unternehmen erhielt den Zuschlag und baute die Treppe für rund 50 000 Euro innerhalb von zwei Wochen. Sie wurde Ende Februar fertig gestellt. Die kritischen Besucher werden sich an die Veränderung gewöhnen müssen, denn: „Die Treppen werden auf jeden Fall länger Bestand haben, als die Stufen vorher“, ist sich Pächter Jürgen Unmüßig sicher.

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