Bahnhof Zuffenhausen Beiräte wollen Reisezentrum erhalten

Von Bernd Zeyer 

In der Region sollen immer mehr Reisezentren umgestellt und künftig ohne Personal betrieben werden. Eventuell könnte Mitte 2020 auch Zuffenhausen davon betroffen sein. Die Bezirksbeiräte sind allerdings dagegen.

So wünscht es sich die Bahn: Eine lächelnde Kundin Foto:  
So wünscht es sich die Bahn: Eine lächelnde Kundin Foto:  

Zuffenhausen - Einstimmig haben die Bezirksbeiräte in ihrer Novembersitzung für einen Antrag der FrAktion votiert, in dem gefordert wird, dass das Reisezentrum im Zuffenhäuser Bahnhof in seiner „bisherigen Form“ erhalten bleibt. Hintergrund für diese Entscheidung sind die Pläne der Bahn, zahlreiche Reisezentren sukzessive durch so genannte „Video-Reisezentren“ zu ersetzen beziehungsweise zu ergänzen. Einen entsprechenden Beschluss hatte im Juni der Verkehrsausschuss des Verbandes Region Stuttgart getroffen.

In Korntal gibt es Proteste gegen das Vorhaben

Vorerst freilich bleibt laut Bahn mindestens für ein halbes Jahr am Zuffenhäuser Bahnhof alles beim alten, zunächst sind andere Standorte in der Region an der Reihe: Am 1. Januar startet in Böblingen, Leonberg, Ludwigsburg, Waiblingen, Korntal und Marbach zunächst eine sechsmonatige Pilotphase. Bei den ersten vier Bahnhöfen handelt es sich um so genannte Hybridstandorte, wo die Videoinstallation gemeinsam mit dem von Bahnmitarbeitern besetzten Reisezentrum betrieben wird. In Marbach und Korntal hingegen wird es nur noch ein Video-Reisezentrum geben. In Korntal hatte sich im Vorfeld Protest gegen diese Entscheidung geregt, dort waren mehr als 2000 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt worden.

Ändern wird sich an den Plänen aber nichts. „In Korntal wird es im Dezember einen Testbetrieb geben“, sagt Bahnsprecher Reinhold Willing. Dabei würden Kunden, die sich mit dem Videogerät beschäftigen, Bahnmitarbeiter zur Seite stehen. So könnten sie sich an das Gerät gewöhnen und es ausprobieren, bis dann am 1. Januar die eigentliche Pilotphase starte.

„Bei Erfolg des Pilotprojekts soll der Service auch auf andere Reisezentren ausgeweitet werden“, sagt Willing. Wie dieser „Erfolg“ aussieht und wer darüber entscheidet, scheint eine Frage der Definition zu sein. Seit 2013 betreibt die Bahn Video-Reisezentren, mittlerweile sind rund 70 davon bundesweit in Betrieb. „Es gibt überall positive Erfahrungen, die Kunden akzeptieren das Angebot“, sagt Willing.

Sollte nach der sechsmonatigen Pilotphase die Entscheidung für eine zweite Tranche fallen, kämen von Mitte 2020 an zahlreiche weitere Standorte in der Region hinzu: In Zuffenhausen, der Haltestelle Stuttgart-Universität, Fellbach und Kirchheim/Teck würden die bisherigen Reisezentren durch Videoinstallationen ersetzt. Für Backnang, Esslingen, Plochingen, Kornwestheim und Schorndorf sind Hybridstandorte vorgesehen.

Die Servicezeiten werden erweitert

„Der Charakter des Reisezentrums vor Ort bleibt bestehen“, sagt Willing. Kunden würden auch künftig mit Bahnmitarbeitern reden, nur säßen die eben nicht vor Ort am Schalter, sondern in der Video-Zentrale in Ludwigsburg. Zudem würden die Servicezeiten deutlich erweitert und künftig 87,5 Stunden pro Woche betragen.

Ein Video-Reisezentrum ist mit Bildschirmen, Mikrofon und Lautsprecher sowie einem Fahrkartenautomaten ausgestattet. Per Knopfdruck kann der Kunde sich in der Video-Zentrale in Ludwigsburg melden. Die dortigen Reiseberater werden dann per Bild und Ton verbunden. Auf einem separaten Bildschirm kann der Kunde die Arbeitsschritte des Beraters verfolgen. Tickets, Reservierungen und Bahncards werden direkt in der Kabine erstellt und können mit Bargeld, EC- oder Kreditkarte bezahlt werden.

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