Bahnstreik abgesagt Bahn frei für eine Tarifeinigung

Die EVG kann ihre Streikplakate womöglich einmotten. Foto: dpa/Julian Rettig

Nach dem Vergleich vor Gericht gibt es für die Deutsche Bahn und die EVG keinen nachvollziehbaren Grund mehr, den Tarifkonflikt zu eskalieren. Es ist höchste Eisenbahn für eine Einigung, meint Matthias Schiermeyer.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Mit der Absage ihres Warnstreiks bei der Deutschen Bahn ist die Eisenbahngewerkschaft EVG womöglich einer juristischen Pleite zuvorgekommen – sonst hätte sie die Ausstandspläne nicht kurzfristig storniert. Eine solche Riesenaktion einen Tag vor Beginn zurückzunehmen, ist heikel, weil die abrupte Wende die streikbereite Basis massiv verunsichern dürfte.

 

In der Sache hat die EVG einen Erfolg verbucht. Nun hat sie es schwarz auf weiß, dass der gesetzliche Mindestlohn in die Lohntabellen der DB aufgenommen wird und Grundlage für weitere Tariferhöhungen sein soll. Man kennt dies aus früheren Konflikten mit der Lokführergewerkschaft GDL: Die Bahn zeigt sich bei Tarifverhandlungen wenig verlässlich. Nun musste sie vor dem Arbeitsgericht Farbe bekennen; womöglich hat da auch die Bundesregierung im Hintergrund Druck auf den Staatskonzern ausgeübt, die Trickserei sein zu lassen. Gut so.

Weitere Streikdrohungen wären unangemessen

Somit ist nun kein echter Grund mehr erkennbar, die Tarifeinigung noch hinauszuzögern. Weitere Streikankündigungen, zumal in der hochfrequentierten Reisezeit, wären völlig unangemessen. Die Gewinner des Vergleichs sind eindeutig die Bahnkunden.

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