Bahnverkehr zwischen Rudersberg und Schorndorf „Neuer“ Diesel fürs Wiesel

Für die gleichzeitige Wartung von zwei der neuen Züge ist die alte Halle in Rudersberg einen Tick zu klein. Foto: Martin Stollberg

Die alten Züge auf der Wieslauftalbahn werden durch gut erhaltene Gebrauchte ersetzt. Die Verantwortlichen versprechen mehr Komfort und weniger Reparaturanfälligkeit – sind aber schon vor dem Kauf mit zwei neuen Problemen konfrontiert.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Die Kreditermächtigung hatte sich Landrat Richard Sigel im Dezember noch quasi in letzter Sekunde vor der Verabschiedung des Kreishaushaltes eingeholt. Nun ist die Anschaffung „neuer“ Fahrzeuge für die Wieslauftalbahn weitgehend beschlossene Sache. Zum Preis von knapp sechs Millionen Euro will der Zweckverband vier Regio-Shuttle anschaffen. Die Züge, Baujahr 2009, die bis vor Kurzem noch ihren Dienst für die Hohenzollerische Landesbahn getan hatten, sollen die zum Teil mehr als 30 Jahre alten Wagen ersetzen. Nur wenn sich bei einer letzten Besichtigung noch zwingende Hinderungsgründe ergeben sollten, könnte der Deal mit dem Zwischenhändler, der Schweizer Helvetic Rolling Stock GmbH (HEROS) noch platzen.

 

Motorblöcke müssen getauscht werden

Auch wenn der Landrat und Vorsitzende des Zweckverbands nach wie vor von einer erheblichen Verbesserung in Sachen Komfort und Barrierefreiheit spricht, hat sich das zunächst als absolutes Schnäppchen gewertete Angebot bei genauerem Hinsehen allerdings als etwas diffiziler umsetzbar als gedacht entpuppt. So haben Techniker der Württembergischen Eisenbahngesellschaft (WEG) den Motoren der Loks zwar einen „ordentlichen“ Zustand bescheinigt, allerdings ist bei sechs der insgesamt acht in den Fahrzeugen verbauten Antriebsaggregaten der Tausch der Motorblöcke fällig. Der Verkäufer habe zugesagt, die nötigen Ersatzteile zu besorgen und im Rahmen der abschließenden Hauptuntersuchung auch einzubauen, hieß es dazu in der Verbandsversammlung. Möglicherweise aber könnte sich der Kaufpreis dadurch aber noch etwas erhöhen.

Etwas schwieriger indes könnte sich die Lösung eines anderen Problems gestalten, das sich bei genauerer Betrachtung für die Verantwortlichen ergeben hat. So haben sich die Züge in Summe als einen Tick länger als ihre Vorgänger erwiesen. Zwar würden auch künftig, wie bisher üblich, zwei Bahnen hintereinander in die Werkstatthalle in Rudersberg passen – allerdings müssten sie dort mit maximal fünf bis zehn Zentimetern Abstand eingeparkt werden. Das würde nicht nur die Gefahr von Unfallschäden beim Rangieren erhöhen, es würde auch gleichzeitige Wartungsarbeiten an zwei Fahrzeugen unmöglich machen. Denn zwischen der Tür und der Lok würde sich vermutlich auch der schlankeste Mechaniker nicht mehr durchquetschen können.

Einem Kauf der neuen Züge soll das nicht im Wege stehen, zumal dieser ohnehin auf zwei Jahre gestreckt werden muss. Perspektivisch aber, das ist jetzt auch den Mitgliedern des Zweckverbands klar, wird man um einen Ausbau der Halle nicht umhinkommen. Die Verantwortlichen haben bereits Kontakt mit den Architekten aufgenommen, welche die Halle einst gebaut haben, um nach einer pragmatischen Lösung zu suchen. Die Mitglieder des Zweckverbands haben dem Kauf der Züge unter dem Besichtigungsvorbehalt allerdings bereits ihren Segen gegeben. Das erste Zugpaar könnte demnach schon in diesem Herbst aufs Gleis im Wieslauftal gesetzt werden.

Start des ersten Zugpaars im Herbst?

Zumindest für die nächste Zeit ist damit allerdings der über mehrere Jahre hinweg verfolgte Traum eines emissionsfreien Beförderungsmittels auf der Wieslauftalbahn ausgeträumt. Denn die Verantwortlichen rechnen damit, dass die neuen Gebrauchten mindestens acht bis zehn Jahre halten werden. Immerhin seien die neuen alten Dieselmotoren aber zumindest zwei Schadstoffklassen besser eingestuft, versichert Jens-Ulrich Beck, der Geschäftsführer der Württembergischen Eisenbahngesellschaft.

Die Wieslauftalbahn

Strecke
Die Wieslauftalbahn verkehrt auf einer 11,5 Kilometer langen Zubringer-Strecke mit zehn Haltestellen zwischen Rudersberg und Schorndorf. Die Fahrzeiten sind auf die S-Bahn (S2) und die Regionalbahn in Richtung Stuttgart abgestimmt.

Betreiber
Zur Wiederbelebung der zwischenzeitlich stillgelegten Strecke gründeten der Landkreis und die Kommunen Rudersberg und Schorndorf den Zweckverband Verkehrsverband Wieslauftalbahn (ZVVW). 1995 wurde der Betrieb unter der technischen Regie der Württembergischen Eisenbahngesellschaft (WEG) wieder aufgenommen. 

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