Sie wird am Jahresende voraussichtlich 3,5 Millionen Reisende betragen, da man jetzt, kurz vor Weihnachten, noch einmal mit lebhaftem Verkehr rechnet. Das wäre dann ein kleiner Zuwachs gegenüber 2020, als man am Ende 3 213 695 Reisende zählte – aber fast zehn Millionen Passagiere weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019. Ende 2020 hatte die Flughafengeschäftsführung gehofft, dass man 2021 wieder auf 6,5 Millionen kommen könnte. Doch gleich zu Anfang des Jahres zerstoben die Hoffnungen mit der Verschärfung des Pandemiegeschehens. „Im ganzen ersten Halbjahr 2021 verzeichneten wir rund 650 000 Reisende. So viel haben wir üblicherweise allein im Januar, der zur schwächeren Reisezeit zählt und nicht zu unseren Spitzenmonaten“, sagt Schoefer. 2020 hatte der Flugbetrieb bis Mitte März noch richtig gebrummt, und die Passagierzahlen hatten auch jene von Anfang 2019 übertroffen – bis das Virus dann so richtig in Europa und in Deutschland ankam. 2021 aber ging es sehr schlecht los und erst im zweiten Halbjahr lief es besser als im Vergleichszeitraum 2020.
Die Finanzlage
Die gute Nachricht ist: Das Defizit der Flughafen Stuttgart GmbH (FSG) aus 2021 wird wohl halb so groß sein wie 2020 mit damals 97 Millionen Euro. Mit etwas Glück könnte es diesmal sogar unter der 40-Millionen-Marke liegen. Die schlechte Nachricht: Das liegt auch daran, dass die FSG 2021 mit Verzögerung Nothilfen von Bund, Land und Stadt in Höhe von 31 Millionen Euro einnahm. Damit glichen die Geldgeber die sogenannten Vorhaltekosten aus, also unvermeidbare Fixkosten dafür, dass der Flughafen im ersten Lockdown des öffentlichen Lebens Anfang 2020 für Flugzeuge offen gehalten werden musste. Was das Ökonomische angeht, sei man „ein Stück vorangekommen“, meint Schoefer. Der Rahmen für die Verschuldung, im vorigen Jahr mit 275 Millionen Euro bestimmt, müsse nicht ausgeweitet werden. Er sei noch nicht ausgeschöpft. Im Moment liegt die Flughafengesellschaft Stuttgart, die zu 65 Prozent dem Land und zu 35 Prozent der Landeshauptstadt gehört, bei etwa 160 Millionen Euro Schulden.
Die Hauptschwierigkeit
Das dürfte die Balance zwischen Kostensenkung und Schlagkraft beim Personaleinsatz sein. Schoefer möchte jedenfalls „nicht kalt erwischt werden“, wenn das Geschäft plötzlich wieder stark anzieht. Deshalb lässt er jetzt 120 bis 150 neue Mitarbeiter für den technischen und operativen Bereich suchen – nachdem seit Ausbruch der Pandemie rund 170 befristete Arbeitsverhältnisse bei Dienstleistungstöchtern der FSG nicht verlängert worden waren. Das Personal der Konzernmutter selbst hatte gegen gewisse Abstriche bei den Löhnen und Gehältern eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2023 erhalten. Bis dahin gilt ein Notlagentarifvertrag. Durch die Verlängerung der Kurzarbeit bis zum Ende des ersten Quartals 2022 können die Reduktionen der Arbeitszeit und der Einkommen in den folgenden Monaten bis Jahresende immerhin etwas kleiner gehalten werden. „Fürsorgekultur“ haben Schoefer und Co-Geschäftsführerin Arina Freitag den eingeschlagenen Kurs des Miteinanders genannt. Das Instrument der Kurzarbeit, staatlich finanziert, habe sehr geholfen. Der Balanceakt könnte aber auch noch misslingen. „Fallen wir 2022 wieder in ein Pandemieloch, dann werden wir zu viel Personal haben“, befürchtet Schoefer.
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Die FSG-Grundphilosophie Die Nachhaltigkeit der Personalpolitik, das Halten des qualifizierten Kerns der Belegschaft, betrachtet die Geschäftsführung im Rückblick als goldrichtigen Ansatz. Andere Flughafengesellschaften hätten sich zur Kostensenkung rasch von Mitarbeitern getrennt. Beim Wiederanziehen des Geschäfts müssten sie neues Personal suchen. Doch das sei in andere Wirtschaftsbereiche ohne Notlagentarifvertrag abgewandert. Und die demografische Entwicklung bewirke ein Übriges. Der Flughafenchef ist aber überzeugt davon, dass der Flughafen Stuttgart „in die Vorkrisenstruktur zurückfindet“, den früheren Platz in der deutschen Flughafenlandschaft wieder einnehmen kann, wenngleich die Airlines in der Pandemie die Angebote in Frankfurt ein Stück weit gebündelt hätten. Schoefer ist den Fluggesellschaften dankbar, dass sie trotz allem in Stuttgart ein Angebot an Direktflügen und Verbindungen zu wichtigen Drehkreuzen aufrechterhielten. Wenn die Pandemie das Reisen zulasse, „geht es auch hier wieder ab“, glaubt er. Der Flughafen Stuttgart habe ein ausgezeichnetes Einzugsgebiet mit reisefreudigen Menschen und hoher Kaufkraft.
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Der Geschäftsgang
Beim Türkei-Verkehr hatte man am Flughafen zuletzt auch während der Pandemie höhere Zahlen als 2019 beobachtet. Die Privatreisen und ein gewisses Maß an unverzichtbaren Geschäftsreisen „haben uns in der Pandemie getragen“, sagt Schoefer. Bei den Geschäftsreisen werde die Rückkehr zum früheren Niveau nicht ganz so schnell gehen, und das gewohnte Verhältnis von 60 Prozent Privatreisen zu 40 Prozent Geschäftsreisen werde sich durch den Digitalisierungseffekt im Geschäftsleben vielleicht etwas verschieben in Richtung 75 zu 25. Aber diese Entwicklung sei „nicht unumkehrbar“, zumal dann, wenn wieder Messeveranstaltungen stattfänden. Entscheidend wird aber sein, wie sich die Pandemie entwickelt. „Wenn uns ein neuerlicher Lockdown erspart bleibt, können wir im kommenden Jahr 6,8 Millionen Passagiere erreichen“, sagt Schoefer. Aber auch damit wäre der Flughafen auf Dauer nicht profitabel zu betreiben. Denn die Infrastruktur muss gepflegt und erhalten, außerdem energetisch saniert werden.