Barack Obama und die Deutschen Im Visier des Falken

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Barack Obama kommt zurück nach Berlin – nach fünf Jahren. Damals haben die Deutschen den Kandidaten Obama als Friedensbringer bejubelt. Der Amtsinhaber Obama weckt keine Hoffnungen mehr. Das hat Gründe, meint unser USA-Korrespondent Damir Fras.

Für den Präsidenten hat die nationale Sicherheit der USA Vorrang vor allem anderen. Auch vor dem Verhältnis zum engen Verbündeten Deutschland. Foto: dpa
Für den Präsidenten hat die nationale Sicherheit der USA Vorrang vor allem anderen. Auch vor dem Verhältnis zum engen Verbündeten Deutschland. Foto: dpa

Stuttgart - Der Abend ist lau. Auch das mag ein Grund sein, warum am 24. Juli 2008 200 000 Menschen auf der Straße vor der Siegessäule in Berlins Mitte stehen. Einige Amerikaner sind darunter, die meisten sind Berliner. Es ist aber nicht der wichtigste Grund. Der steht vorn auf einer Bühne, trägt einen schwarzen Anzug und eine blassblaue Krawatte. Es ist Barack Obama, damals ein den Deutschen noch wenig bekannter Mann, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden will und der sich ausgerechnet Berlin als Ort ausgewählt hat, um seine Vorstellungen von Frieden und Gerechtigkeit auf der Welt zu präsentieren.

Der Senator aus Chicago weiß, dass es in diesem Moment keinen besseren Ort für diese Rede gibt. Sie wirkt vor allem über den Atlantik hinweg nach Amerika, wo seine Wähler zu Hause sind. Berlin ist für Amerikaner mit historischer Symbolik so dick überzogen wie ein Donut mit Zuckerguss. John F. Kennedy, Obamas Vorbild als Präsident, hat 1963 im Westen der Stadt vor dem Schöneberger Rathaus erklärt, er sei ein Berliner. Ronald Reagan, beileibe kein Vorbild für Obama, hat 1987 mit dem Brandenburger Tor im Rücken dem Machthaber in Moskau entgegengerufen: „Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein.“

„Yes, we can“ skandierten Tausende in Berlin

Obama spricht schöne Sätze vom gemeinsamen Kampf gegen die neuen Mächte der Finsternis – Terrorismus, Atomwaffen, Klimawandel, Armut. Er sagt, es sei an der Zeit, neue Brücken zu bauen. „Die Geschichte hat bewiesen, dass keine Herausforderung zu groß ist für eine Welt, die zusammensteht.“ Seine Rede wird von einem Jubelsturm begleitet. „Yes, we can“, skandieren seine Zuhörer und übernehmen damit den Wahlkampfslogan des Präsidentschaftskandidaten. Es herrscht ungezügelte „Obamania“. Die Berliner Rede war der Beginn einer leidenschaftlichen Liebesbeziehung zwischen den Deutschen und Obama, der wenige Monate später tatsächlich zum ersten schwarzen Präsidenten der USA gewählt wird. Ob ihm die Berliner Rede dabei geholfen hat, ist ungewiss. Geschadet hat sie ihm nicht.

Die Geschichte spielt vor ziemlich genau fünf Jahren. Am kommenden Mittwoch wird Obama wieder eine Rede in Berlin halten. Dieses Mal darf er am Brandenburger Tor sprechen – eine Ehre, die ihm Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr 2008 noch nicht gewähren wollte. Doch vorgelassen werden nur noch geladene Gäste; 200 000 Menschen sind das nicht.