Barbara Schöneberger „Ich will nicht safe sein. Das ist langweilig.“

Startklar auf der Bühne: Multitalent Barbara Schöneberger Foto: dpa/Jens Kalaene

Sie ist Moderatorin, Schauspielerin, Entertainerin, Talkshowmasterin. Sie macht Radio und Zeitschriften, übernimmt demnächst die ARD-Show „Verstehen Sie Spaß?“. Und nun singt sie auch noch in Stuttgart. Wie schafft man das alles?

Kultur: Tim Schleider (schl)

Stuttgart - Gerade noch präsentierte sie den Deutschen Fernsehpreis, im nächsten Jahr übernimmt sie die ARD-Samstagabendshow „Verstehen Sie Spaß?“. Singen kann sie aber auch – mit dem Konzertprogramm „Alles Gute und so weiter“ gastiert sie nun in der Stuttgarter Liederhalle. Wie kann das alles funktionieren?

 

Moderation, Radio, Zeitschrift, Talkshow, große Gala, eigene Konzerte – Frau Schöneberger, Sie sind ausgesprochen vielseitig und auf vielen Bühnen aktiv. Was davon fällt Ihnen als Multitalent leicht, was ist richtig harte Arbeit?

Keines von beidem ist entscheidend. Ich bin erst mal froh, so viel zu tun zu haben. Andere Leute sprechen immer so gern über ihren Stress und ihre Müdigkeit. Das lass ich mir gar nicht erst einreden. Ich bin gern unterwegs. Ich habe in meiner Karriere einfach viel Glück gehabt und war oft zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle.

Aber mit Energie und Glück allein stemmt man ja noch nicht eine große TV-Abendshow wie jüngst die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises.

Ich habe eine super Eigenschaft, die in meinem Beruf und in dieser Branche echt hilfreich ist – ich bin kein Kontrolletti. Ich habe Menschen um mich herum, von denen ich genau weiß, dass sie ihre Arbeit gut machen, und deswegen lass ich sie die auch einfach machen. Da ist ein toller Autor, da ist eine prima Schneiderin, da ist eine super Managerin. Und ich selbst bringe das mit, was ich kann, und das bin ich selbst und meine Art.

Was genau ist es, weswegen Sie von Sendern, Verlagen, Unternehmen so gern engagiert werden?

Ich habe mich da in einer Nische profiliert, in der nicht viele andere zu finden sind. Es gibt natürlich viele tolle Frauen in der Unterhaltung, die wollen entweder nur singen oder nur Comedy machen oder auf gar keinen Fall im roten Kleid auf der Bühne stehen. Ich bin dagegen sehr dienstleistungsorientiert. Wenn ein Unternehmen mich für eine Gala engagiert und die sagen: „Frau Schöneberger, können Sie bitte ein grünes Kleid tragen, weil – unsere Unternehmensfarbe ist seit Kurzem Grün“, dann mach ich das. Ich bin wahnsinnig unkompliziert. Viel unkomplizierter übrigens als die meisten Männer in der Branche. Ich bin ergebnisorientiert.

Und Sie haben einen unverwechselbaren Stil.

Ja, aber weil ich auch genauso bin. Und ich habe mein Team. Inzwischen wissen die Sender das. Wenn ich da antrete mit meinem Autor, und wir klamüsern den Abend aus, dann lassen die uns einfach machen. Da sitzt dann kein Redakteur mehr daneben mit Schweiß und Flecken im Gesicht, der immer ängstlich sagt: „Aber ob das auch so geht . . .“ Die lassen uns total in Ruhe. Und wir liefern.

Was muss passieren, damit Sie selbst an einem solchen Auftritt Spaß haben?

Ich habe Spaß, wenn die Leute Spaß haben. Das ist Fluch und Segen zugleich, das ist wirklich das einzig Anstrengende: Du musst die Leute da unten im Publikum oder da draußen an den Bildschirmen auf deine Seite ziehen. Da nützen keine Vorschusslorbeeren, da nützt kein Preis und kein Ruhm; die ersten fünf Minuten live sind immer wieder neu entscheidend. Du musst die Leute ein bisschen in dich verliebt machen. Das ist der Job.

„Alles Gute und so weiter“ – so das Motto Ihrer Konzerttournee, die Sie jetzt auch nach Stuttgart führt. Für wen ist dieser Abend genau das Richtige?

Wer mich mag, der wird viel Spaß haben. Was hier draufsteht, das ist auch drin. Ich singe ganz viel und natürlich sehr schön . . .

. . . tolle Songs mit wunderbar ironischen Texten übrigens . . .

. . . und meine Klamotten sind auch toll, und ich erzähle Geschichten über mich und über das, was draußen so los ist. Es ist ein unterhaltsamer Abend, aber garantiert ohne politische Botschaft und ohne erhobenen Zeigefinger. Das haben wir anderswo genug.

Der SWR hat Sie als neue Moderatorin für seinen Samstagabend-Evergreen „Verstehen Sie Spaß?“ engagiert; im kommenden Jahr geht’s los. Sind Sie eigentlich selbst bei dieser Show schon reingelegt worden?

Oh ja, das war noch zu Frank Elstners Zeiten. Fahrzeugkontrolle in Berlin, mein damaliger Freund mit scheinbarer Alkoholfahne am Steuer, versteckt sich darum im Kofferraum, ich werde von den Polizisten in die Mangel genommen, hab aber gar keinen Führerschein dabei, und dann wollen die Beamten natürlich Warndreieck und Verbandskasten sehen. Hinterher war’s herrlich. Ich habe das ganze Team noch zu mir nach Hause eingeladen. Ich hoffe, ich werde demnächst wieder so schön aufs Kreuz gelegt.

Ich glaube, als Moderatorin von „Verstehen Sie Spaß?“ sind Sie safe, Sie legen ja die anderen aufs Kreuz.

Ich will aber gar nicht safe sein. Ich find nichts schlimmer, als safe zu sein.

Frau Schöneberger, Sie haben viel Erfolg mit Ihrer Art, Sie polarisieren das Publikum aber auch. Stört Sie das?

Nee. Das gibt es doch bei jedem. Jeder polarisiert doch, Sie selbst doch auch. Das muss man aushalten. Ich lasse weder Lob noch Kritik sehr nah an mich heran. Gut, es gibt Leute, die können nichts anfangen mit meinen Augen, meinen Haaren, meiner Stimme, meiner Art. Aber was soll’s, ich kann mich nicht um jeden kümmern.

Viel Freude beim Auftritt in Stuttgart!

Danke. Ich muss mich da zusammenreißen. Meine Eltern sitzen im Publikum. Aber es wird super.

Vor Ort in Stuttgart

Karriere
 Barbara Schöneberger (46), geboren in München, brach 1999 ein Soziologiestudium trotz bester Noten ab, um sich ganz einer Medienkarriere zu widmen. Seit 2008 moderiert sie mit Hubertus Meyer-Burckhardt die NDR-„Talk Show“; regelmäßig ist sie bei RTL gemeinsam mit Günther Jauch und Thomas Gottschalk zu erleben („Denn sie wissen nicht, was passiert“). 2011 gewann sie bei einem Promi-Special von „Wer wird Millionär?“ eine Million Euro.

Konzert
 „Alles Gute und so weiter“, 8. 10., 20 Uhr; Stuttgart, im Hegelsaal der Liederhalle. Karten: www.easyticket.de 

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