Basketball-Bundesliga Warum die MHP Riesen Ludwigsburg um Trainer John Patrick zittern müssen
Die MHP Riesen stehen im Halbfinale der Play-offs. Doch es gibt einen Wermutstropfen – und Gerüchte um einen Abgang des Erfolgstrainers.
Die MHP Riesen stehen im Halbfinale der Play-offs. Doch es gibt einen Wermutstropfen – und Gerüchte um einen Abgang des Erfolgstrainers.
Per Günter verdrückte ein paar Tränen am Donnerstagabend. So hatte der sich der 34-Jährige seinen Abschied aus der Basketball-Bundesliga nicht vorgestellt. Nach exakt 500 Spielen im Trikot von ratiopharm Ulm. Doch seine Mannschaft verlor sang- und klanglos gegen die MHP Riesen Ludwigsburg, und damit auch das dritte Spiel innerhalb von sechs Tagen. Waren die beiden ersten Aufeinandertreffen jeweils in der Verlängerung entschieden worden, so war es diesmal eine klare Sache beim 97:79 für die Riesen. Die damit einen „Sweep“ landeten, wie im US-Sport so ein Durchmarsch genannt wird. „Ludwigsburg war die bessere Mannschaft“, gab auch Ulms Trainer Jaka Lakovic zu. „Wir hätten für Per Günther ein besseres Ende erhofft.“
Apropos Ende, ein Schlagwort, das inzwischen auch in Ludwigsburg die Runde macht, obwohl es sportlich mit der Halbfinalserie gegen Alba Berlin weitergeht. Und mit Trainer John Patrick. Aber wie lange? Bisher ist dessen Abgang nur ein Gerücht, von dem auch der Vorsitzende Alexander Reil gehört hat, „aber solange nichts Konkretes bei mir auf dem Tisch liegt, mache ich mir keinen Kopf.“ Noch. Zwar hat der US-Amerikaner, der im nächsten Januar zehn Jahre in Ludwigsburg tätig wäre, einen Vertrag bis 2023, „und es spricht nichts dagegen, diesen zu verlängern“, so Reil. Außer vielleicht, nennen wir es, eine gewisse Amtsmüdigkeit des 54-Jährigen, der auf Nachfrage erklärt: „Ich muss erst einmal das Ende der Saison abwarten, aber ich habe die letzten Jahre zu viel gemacht.“ Trainer, Sportdirektor, Organisator. Mädchen für alles. Ohne Pause. Wobei man dabei anfügen muss, dass Patrick das Heft des Handelns gerne selbst in der Hand hat. Aber künftig vielleicht woanders, denn nach einem Gespräch übers Wochenende bezifferte Reil die Chancen auf ein Bleiben des Trainers auf „bestenfalls 50 zu 50“.
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Es soll Angebote aus Japan geben vom Nationalteam und von Clubs aus der gut zahlenden Profi-Liga, wo Patrick 2005/06 schon einmal Toyota Alvark in Tokio betreute. Zudem macht er dort regelmäßig Urlaub und beherrscht so auch die schwierige Sprache, was nahezu ein Alleinstellungsmerkmal bei ausländischen Trainern ist. „Ich habe von den Gerüchten gehört, weiß aber nicht, ob das stimmt“, sagt Patrick, Stand heute.
Und jetzt? „Fokussiere ich mich erst einmal voll und ganz auf das Halbfinale.“ Schließlich wartet da der Topclub Alba Berlin, den die Riesen in dieser Saison schon zweimal besiegt haben, allerdings als der amtierende Meister in der Tretmühle Euroleague steckte und mit Personalproblemen zu kämpfen hatte. „Berlin ist für mich der absolute Favorit auf den Titel“, sagt Reil, „aber natürlich wollen wir nicht nur mitspielen.“ Sondern den Gegner zumindest ärgern. So wie das Team es in Ulm getan hat, mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung, in der gleich fünf Spieler zweistellig punkteten, allen voran Justin Simon (20).
Und das nach 55 Pflichtspielen in dieser Saison. Drei weitere kommen dazu, mindestens. Durch den Schnelldurchlauf haben die Spieler zumindest eine kleine Verschnaufpause, wie aber auch Kontrahent Alba. Weiter geht es 27. und 29. Mai in Berlin, in der MHP-Arena wird am 3. Juni (19 Uhr) gespielt und wenn nötig auch zwei Tage später. Ein ultimativer Showdown im fünften Spiel wäre dann nochmals in Berlin (8. Juni).
Egal wie’s ausgeht, betont Reil: „Unser Saisonziel haben wir längst erfüllt, man darf nicht vergessen, dass wir mit unserem Etat schon jetzt wieder mehr erreicht haben, als man erwarten kann.“ Sportlich. Fehlt eigentlich nur noch die weitere Zusage des Erfolgstrainers, der die Riesen zum dritten Mal nacheinander ins Halbfinale geführt hat. Das spricht sich herum – auch weit über Ludwigsburg hinaus.