Als Galatasaray Istanbul vor zwei Jahren schon einmal in der Basketball Champions League bei den MHP Riesen antrat, sahen sich die Ludwigsburger Verantwortlichen hinterher genötigt zu einer öffentlichen Entschuldigung gegenüber den eigenen Zuschauern. Zur damaligen Zeit galten noch strenge Corona-Auflagen wie Maskenpflicht, die etliche türkische Anhänger ignorierten ohne dass der Ordnungsdienst eingeschritten wäre. Wohl auch, um eine Eskalation auf den Rängen zu vermeiden.
Ausschreitungen in Bonn
Vor dem Spiel neuerlichen Aufeinandertreffen im gleichen Wettbewerb an diesem Dienstag (20 Uhr) wendet sich der Verein bereits im Vorfeld an die Besucher, um auf einige verschärfte Auflagen hinzuweisen. Die Partie wurde als Hochrisikospiel eingestuft, was man sonst nur aus dem Fußball kennt. Die Sorge hat ihre Ursache im Auftritt der türkischen Traditionsmannschaft vor zwei Wochen bei den Telekom Baskets Bonn, nach deren Sieg Anhänger von Galatasaray für so schwere Verwüstungen in der Halle sorgten, dass Bonns Vorsitzender Wolfgang Wiedlich sichtlich schockiert feststellte: „Ich bin froh, wenn der Schaden nicht sechsstellig wird.“
Die MHP Riesen sind jedenfalls gewarnt und sensibilisiert. „Wir sind sicher, dass die Bühne für Dienstag bereitet ist, aber auch der Überzeugung, dass einige Spieltagsanpassungen angebracht sind“, sagt der Riesen-Vorsitzende Alexander Reil. Für die Gäste-Anhänger, deren harter Kern auf 400 Fans geschätzt wird, gibt es einen separaten Eingangsbereich, zudem wird eine Tribüne der MHP-Arena nicht komplett ausgefahren, sodass 300 Plätze weniger zur Verfügung stehen. Dazu sagt Reil: „Wir haben in Absprache mit der Polizei alles für die bestmögliche Sicherheit getan und denke, wir werden das auch hinbekommen.“
Bei Galatasaray ist Feuer unter dem Dach
Was möglicherweise auch vom Spielverlauf abhängt, denn das als Gruppenfavorit gehandelte Team aus der Türkei steht nach zwei Niederlagen bereits unter Druck. Zumal es die türkische Mannschaft zuletzt gegen Dijon geschafft hat, einen 25-Punkte-Vorsprung zu verspielen. Danach hatten die Fans die Schiedsrichter im Visier, die unter Geleitschutz in die Kabinen gebracht werden mussten. Und als I-Tüpfelchen wurde Trainer Zvezdan Mitrovic entlassen, der sich nach dem Debakel verbal mit Zuschauern und Journalisten angelegt hatte.
Es ist also Feuer unter dem Dach bei Galatasaray. Das liegt auch daran, dass Basketball in Südosteuropa einen hohen Stellenwert besitzt ähnlich dem Fußball hierzulande, aus dessen Bereich sich auch ein Großteil der Basketball-Anhänger rekrutiert, mit allen Vor- und Nachteilen. Besonders spektakulär geht es diese Saison in der Basketball-Königsklasse Euroleague zu, wo die serbischen Topteams Partizan und Roter Stern Woche für Woche 20 000 Zuschauer in der heimischen Stark-Arena anlocken.
Die Hallenkapazität wird verringert
So viele werden es an diesem Dienstag nicht sein, aber voll ist die MHP-Arena trotzdem, auch wenn die Kapazität auf 3700 Plätze reduziert worden ist. Das bringt dem Club zunächst einen ordentlichen fünfstelligen Betrag aus Ticketeinnahmen, doch die zusätzlichen Vorkehrungen gehen ins Geld, Reil beziffert sie auf 15 000 Euro – „mindestens“. Dennoch freut er sich aufs Spiel und eine hoffentlich tolle Atmosphäre, wobei die türkischen Gäste wohl die Hälfte der Besucher hinter sich haben dürften. Die Ludwigsburger setzten indes auf die positiven Erfahrungen der Vergangenheit. Wie zuletzt zweimal gegen Darüssafaka aus Istanbul, deren Anhänger trotz des Ausscheidens ruhig blieben. Kuriosum am Rande: Deren Trainer Yakup Sekizkok kommt nun wieder nach Ludwigsburg, weil er von Galatasaray kurzfristig verpflichtet wurde.
Und ein Spieler der Gäste dürfte bei aller sportlichen Rivalität besonders herzlich empfangen werden: Jonah Radebaugh, der während seiner Zeit bei den Riesen zum Publikumsliebling avancierte und nun zurückkehrt – zumindest für ein Spiel.