Basketball-Jungstar Dennis Schröder Die Wachablösung

Dirk Nowitzki ist der bislang beste deutsche Basketballer, doch für die Mannschaft ist Dennis Schröder längst wichtiger. Foto: dpa
Dirk Nowitzki ist der bislang beste deutsche Basketballer, doch für die Mannschaft ist Dennis Schröder längst wichtiger. Foto: dpa

Jahrelang war die Aufbau-Position die Schwachstelle im deutschen Basketball-Team. Doch nun ist Dennis Schröder da und bringt viel Qualität und noch mehr Selbstvertrauen mit. Selbst Dirk Nowitzki tritt vor Beginn der EM im eigenen Land in seinen Schatten.

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Berlin - Die Arena in Köln war schon fast leer, die meisten seiner Mitspieler auf dem Heimweg, da posierte Dennis Schröder noch immer für ein paar Selfies und schrieb die letzten Autogramme. Zuvor hatte es bei der EM-Generalprobe gegen Frankreich für Superstar Dirk Nowitzki zwar den meisten Applaus der 18 500 Zuschauer gegeben. Doch gleich danach kam Schröder, wenn man den Geräuschpegel bei der Vorstellung als Maßstab für Popularität der deutschen Basketballer nimmt. In der Beliebtheitsskala der Fans steht Nowitzki noch knapp vor Schröder, auf dem Parkett hat sich die Wachablösung dagegen bereits vollzogen.

Das sieht selbst Nowitzki so. Angesichts seines Alters könne er die Mannschaft auf dem Spielfeld nicht mehr alleine tragen, sagt der 37-Jährige immer wieder. Keine Frage, der NBA-Champion von 2011 nimmt seinen 16 Jahre jüngeren NBA-Kollegen in die Pflicht. Was für Schröder allerdings kein Problem ist. Druck kennt der rasant schnelle Point Guard von den Atlanta Hawks nicht, an Selbstbewusstsein hat es ihm noch nie gemangelt. „Ich denke, darauf kann man stolz sein, dass auch Dirk das öffentlich immer wieder sagt“, sagte Schröder im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Schröder strotzt vor Selbstvertrauen

Hat er keine Angst, dass die große Erwartungshaltung ihn bei der am Samstag in Berlin mit der Partie gegen Außenseiter Island beginnenden EM lähmen könnte? Schröder lächelt, als ihm die Frage gestellt wird. Dann antwortet er zwar mit leiser Stimme, aber mit voller Überzeugung: „Es motiviert mich persönlich und ich will, dass wir eine erfolgreiche EM spielen und uns für Olympia qualifizieren.“

Nein, Sorgen, dass Schröder während seines ersten großen Turniers mit der Nationalmannschaft Nervenflattern bekommen könnte, braucht man sich voraussichtlich wirklich nicht zu machen. „So selbstbewusst habe ich selten einen Menschen mit 21, mit 25 oder auch mit 35 kennengelernt“, erklärt Coach Fleming.

Das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gehört zu dem Sohn einer gambischen Mutter und eines deutschen Vaters so wie die blonde Strähne in seinem schwarzen Haar. „Das braucht man, um sich durchzusetzen, vor allem auch in der NBA“, sagte Schröder zu Beginn der Vorbereitung, als er auf seine zum Teil forschen Auftritte angesprochen wurde. Dass manche ihm das als Arroganz auslegen, stört ihn nicht. Wie er sich überhaupt recht wenig daraus macht, was andere über ihn sagen.

Nie ohne die eigene Posse unterwegs

Interessant ist für ihn nur, was sein Umfeld denkt. Wo Schröder auch auftritt, Teile seiner Familie und Freunde sind dabei. „Das ist sehr wichtig für mich. Ohne die wäre ich nicht an dem Punkt, an dem ich jetzt bin. Denen habe ich sehr viel zu verdanken“, sagte Schröder. „Es ist immer gut, wenn man Vertraute um sich herum hat, die dann auch mal sagen, du gehst gerade zu weit oder du machst das falsch.“

Zusammen mit ein paar Kumpels hat er seine eigene Modemarke auf den Markt gebracht, in den Sozialen Netzwerken ist der Hashtag #FlexGanG längst ein gängiger Begriff. Doch all das soll von Samstag an hinten anstehen. „Jetzt zählt nur die EM“, sagte Schröder, auf den es in der schweren Vorrundengruppe mit Topgegnern wie Vize-Weltmeister Serbien oder Mitfavorit Spanien ganz besonders ankommen wird. Doch Angst vor der Hammergruppe hat der wieselflinke Point Guard nicht. „Wir haben uns gut vorbereitet. Ich denke, wir haben gute Chancen bei der EM“, sagte Schröder. Alles andere hätte auch überrascht.

Pesic: Hendrik Rödl soll Bundestrainer werden

Unterdessen hält Marko Pesic, Geschäftsführer der Basketballer des FC Bayern, Henrik Rödl für den geeigneten Kandidaten als möglicher Nachfolger von Bundestrainer Chris Fleming. Das Konstrukt mit Rödl als derzeitigem Assistenten sei „ideal“, sagte Pesic im Interview des Internetportals „spox.com“. „Henrik hat keinen Verein und ist so das perfekte Pendant während der Saison. Zumal Henrik perspektivisch der nächste Bundestrainer sein muss - und werden wird. Er kann Flemings Aufgaben sehr gut übernehmen, wann immer der Zeitpunkt sein wird, ob jetzt 2015, 2016 oder 2017.“

Rödl trainierte zuletzt fünf Jahre die TBB Trier, die nach einem Punktabzug in der vergangenen Saison aus der Bundesliga abstieg. Seit vergangenem Jahr coacht der Europameister von 1993 auch die A2-Nationalmannschaft und agiert bei der kommenden EM mit einer Heim-Vorrunde in Berlin als Co-Trainer. „Ich kenne Henrik seit Jahrzehnten und er ist von der Persönlichkeit und von seinen Kenntnissen her ein hervorragender Coach“, lobte Pesic.

Fleming soll laut dem Coach der Denver Nuggets, Michael Malone, nach der EM als Assistent bei dem Club aus der NBA beginnen. Es sei immer klar gewesen, dass er während des Zwei-Jahres-Projekts bis zu Olympia 2016 parallel auch im Verein arbeiten werde, erklärte der Bundestrainer dazu, bestätigte bislang aber nicht eine Zusage an Denver. „Der DBB muss alles unternehmen, um endlich Kontinuität auf dem Bundestrainer-Posten zu bekommen“, forderte Pesic.

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