Basketball-Meister in der Krise Bamberg auf Talfahrt

Bambergs Trainer Andrea Trinchieri schmerzt nicht nur die Schulter. Foto: dpa
Bambergs Trainer Andrea Trinchieri schmerzt nicht nur die Schulter. Foto: dpa

Was ist nur mit Bambergs Basketballern los? Nach der Heimniederlage gegen die Bayern muss der Meister als Tabellen-Achter nun sogar um die Play-off-Teilnahme bangen.

Sport: Joachim Klumpp (ump)
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Bamberg - Der Anblick von Bambergs Coach Andrea Trinchieri tat selbst am Fernseher weh, da stellte sich nur noch die Frage: Was schmerzt den Italiener nun mehr, seine frisch operierte linke Schulter oder die 63:71-Niederlage gegen den Dauerrivalen Bayern München, die dritte im dritten Vergleich in dieser Saison, die für den Titelverteidiger zum Seuchenjahr werden könnte? Er bangt als Tabellenachter sogar um die Play-offs – wann gab es das in den vergangenen acht Jahren, in denen der Club siebenmal den Titel holte? Und noch viermal den Pokal obendrauf. Doch aus der Titelverteidigung am Wochenende beim Top Four in Ulm wird nichts, weil schon in der Qualifikation Endstation war – gegen die Bayern.

Dabei hat die Mannschaft am Sonntag angedeutet, was in ihr steckt, und 25:11 geführt – nach einem Viertel. „Wir haben aber gesehen, was wir nicht können, wenn wir keine Energie haben.“ Trinchieri sprach das Mammutprogramm mit der Euroleague und ihren allein 30 Spielen in der Gruppenphase an. Am Freitag gab es bei Titelverteidiger Fenerbahce eine Niederlage, am Samstag um 4 Uhr früh war Wecken in Istanbul angesagt.

Reisestrapazen kosten Kraft

Diese Dauerbelastung ist ein Grund für die Krise, aber nicht der einzige. „Wir haben sicher auch Fehler gemacht“, gab der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Stoschek in der Halbzeit bei „Telekomsport“ zu und meinte den Umstand, dass gleich fünf Leistungsträger den Verein zu Saisonbeginn verlassen haben, was auf ein schlechtes Timing bei den Laufzeiten der Verträge hindeutet. Die Nachverpflichtungen schlugen nicht wie erhofft ein, und dann kam auch noch Verletzungspech von Schlüsselspielern dazu (aber wer hat das nicht?).

Das reicht vielleicht noch als Alibi für die knappe Niederlage gegen die Bayern im deutschen Clasico, aber nicht für die 69:106-Klatsche vor gut zwei Wochen in Bonn, als Spielmacher Nikolaos Zisis zugeben musste: „Dafür gibt es keine Entschuldigung“, und der Geschäftsführer Rolf Beyer erklärte: „Unser Basketballherz hat einen Stich bekommen. Aber es wird weiter und stärker schlagen.“

Darauf warten die Fans, die am Sonntag fast lautlos die Halle verließen, bis heute. Freak City, wie sich die leidenschaftliche Sportstadt gerne selbst nennt, trägt Trauer. Und das obwohl der Verein mit geschätzten 20 Millionen Euro einen deutschen Rekordetat stemmt. Der kann sich selbst international sehen lassen, wenngleich Konkurrenten wie Athen oder Madrid von Steuerprivilegien in ihrem Land profitieren – und somit auch immer wieder Bamberger Spitzenspieler (zuletzt ging der Franzose Fabien Causeur nach Madrid) ködern können. „Da blutet mir dann schon das Herz“, sagt Stoschek. Nicht zuletzt vom Wohlwollen des Chefs des Hauptsponsors hängt auch die Zukunft der Bamberger Basketballer ab, deren Dominanz aber zunehmend von den Bayern abgelöst werden könnte: „Ich habe mich bei deren Potenzial schon gewundert, dass es so lange dauert.“

Der Trainer zeigt sich kämpferisch

Abwarten. Der charismatische Trinchieri jedenfalls will nicht kampflos aufgeben: „Im Moment sind die Bayern sicher besser, aber wenn die Euroleague vorbei ist, haben wir wieder mehr Kraft.“ Spätestens nach dem 6. April also, nachdem international die Chancen auf das erstmalige Erreichen des Achtelfinales nur noch minimal sind. Dann bliebe immer noch ein Monat Zeit bis zum Play-off-Start.

Und zu dem hat Bamberg auch im Vorjahr zurückgeschlagen, allerdings mit nur drei Niederlagen, jetzt sind es bereits deren neun. Das wäre wohl auch im Sinne des detailverliebten Trainers („Ich will einfach perfekt sein in einem nicht perfekten Spiel“), der nicht mehr unumstritten ist, auch weil manche Profis wegen seiner Härte (nicht nur gegen sich selbst, Stichwort Coaching trotz Schulter-OP) das Weite suchen. Und Stoschek betont schon mal, dass es ein Weiter-so nicht geben wird. „Wir werden nach der Saison den Reset-Knopf drücken – und einen Neubeginn starten.“ Klingt nach Trennung, komme, was wolle. Einstweilen hat Stoschek einen Wunsch: „Es wäre schön, wenn wir nicht als Achter in die Play-offs müssten.“ Und so – zunächst einmal – wohl dem Angstgegner Bayern aus dem Weg gingen.

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